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Moers
Klare Worte über den Frust im Pfarreralltag

Moers. Das Buch "Aus, Amen, Ende?" von Thomas Frings sorgt für Aufsehen. Darin schildert der Geistliche, warum er desillusioniert sein Pfarreramt niedergelegt hat. Wie sehen Seelsorger in der Region die Debatte? Von Stefan Gilsbach

Thomas Frings ist zurzeit einer der bekanntesten Pfarrer in Deutschland. Der katholische Geistliche hat sich seinen Frust über den Priesteralltag mit dem Buch "Aus, Amen, Ende?" von der Seele geschrieben, er brachte es damit in die Bestsellerlisten und hat eine lebhafte Diskussion unter Gläubigen und Priestern angestoßen.

In seinem Buch beklagt Thomas Frings, der sein Pfarreramt in Münster aufgegeben hat und in ein Kloster gegangen ist, dass Pfarrer heute oft nur noch als eine Art spirituelle Zeremonienmeister gesehen werden, die Taufe, Hochzeit oder Erstkommunion moderieren. Die Gemeinde als bloße Gemeinschaft der Kirchensteuerzahler ist Frings kein Modell für die Zukunft. Er plädiert für eine Gemeinde, für die Menschen sich bewusst entscheiden müssen, wenn sie dazu gehören möchten.

Unter den Pfarrern in unserer Region gibt es zu dem Buch verschiedene Meinungen. Norbert Derrix, Pfarrer der Gemeinde St. Martinus Rheurdt, hat auf der Webseite der Pfarrei einen Text dazu veröffentlicht. Derrix kann Frings' Ausführungen zu einem großen Teil folgen. Auch er berichtet von entmutigenden Erlebnissen im Pfarreralltag, von "desinteressierten Eltern, die ihre Kinder zur Heiligen Kommunion schicken - nun mach' du mal" oder "eventsüchtigen Brautleuten, denen die kirchliche Show wichtig ist". Doch auch "treue Kirchenbesucher, die bloß nichts geändert haben wollen, sich aber ständig beschweren, wie leer die Kirche ist" bekommen in dem Text etwas ab. Derrix resümiert: "Kirche ist nur mehr dafür gut, Familienfeste zu gestalten, gesellschaftliche Feierlichkeiten noch feierlicher zu machen, in Notfällen die richtigen Worte zu suchen und eventuell auch zu finden."

Nicht alle Amtskollegen des Rheurdter Pastors sehen es so düster. Peter Bossmann, Pfarrer der Moerser Gemeinde St. Martinus, hat nur Passagen des Buches gelesen, weiß aber, worauf der Autor abzielt.

Auch Bossmann hat als Pfarrer schon kuriose Erfahrungen gemacht. "Ich erinnere mich an ein Brautpaar, das den Trauspruch ändern wollte. Sie fanden ,Bis der Tod uns scheidet' nicht schön und wollten es ersetzen durch ,Bis wir uns nicht mehr lieben'. Darauf habe ich mich nicht eingelassen." Ansonsten, meint Bossmann, müsse man solche Vorfälle mit Humor nehmen und akzeptieren, dass viele Menschen heute mit Religion nicht mehr vertraut sind. "Unwissenheit ist nicht Böswilligkeit", meint er. Frings' Modell einer "Entscheidungsgemeinde" sieht er skeptisch. "Wenn wir jetzt auch noch Bedingungen stellen, dann kommt womöglich niemand mehr zu uns", fürchtet er. "Außerdem: Wer will beurteilen, ob ein Mensch wirklich glaubt?" Dem Pfarrer bleibe zum Glück immer noch die Predigt, in der er alles sagen könne, was ihm wichtig sei.

Auch Bernhard Lauer, Pfarrer in den katholischen Gemeinden St. Barbara in Moers-Meerbeck und St. Lucia in Duisburg-Baerl, hat Teile von Frings' Buch gelesen. "Er übertreibt nicht", bestätigt Lauer. "Aber meine Einstellung ist eine andere, obwohl ich den Schritt, den er getan hat, verstehen kann." Trotz aller "Macken", die das kirchliche Leben habe, komme das Niederlegen des Pfarramtes für ihn nicht in Frage, versichert der Geistliche. "Ich müsste viele Menschen zurücklassen, die für mich Bedeutung haben."

Quelle: RP
 
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