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Moers
Kleinkünstler auf den Spuren von Hüsch

Moers: Kleinkünstler auf den Spuren von Hüsch
Michael Feindler bei seinem Auftritt im Moerser Martinstift. Er trug bissig-böse Lieder zur Gitarre vor. FOTO: KLaus Dieker
Moers. Der Preis "Das Schwarze Schaf" wird im Mai zum neunten Mal vergeben. Bevor eine prominente Jury den Sieger kürt, präsentieren sich zwölf Künstler in den Vorrunden einem kritischen Publikum. Von Ulrike Rauhut

"Es sind Zeiten, die nach Kabarett schreien", verkündete Christoph Brüsken eindringlich. Der Kabarettist und "Eventertainer" moderierte am Donnerstagabend die dritte Vorrunde des niederrheinischen Kabarettpreises "Das schwarze Schaf" im Moerser Martinstift und präsentierte sechs aussichtsreiche Kandidaten. Hanns Dieter Hüsch hatte den Wettbewerb 1999 ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre wird ihm zu Ehren der Preis mit dem Titel ausgeschrieben, den er sich selbst einmal gab. Diesmal wird der Preis am 7. Mai im Theater am Marientor in Duisburg übergeben.

In Emmerich, Krefeld, Moers und Wesel finden je zwei Vorrunden statt, in denen insgesamt zwölf Kandidaten zunächst das Publikum überzeugen müssen. Sie wurden aus mehr als 60 Video-Bewerbungen ausgewählt. "Dabei versuchen wir, im Geiste von Hüsch zu denken: Keine pure Comedy. Anspruchsvoll und gesellschaftskritisch soll es sein. Bezug auf die aktuelle Tagespolitik kann, muss aber nicht sein", erklärt Beate Fröchte, Projektleiterin bei der ausführenden Firma "Ruhrfutur", die Auswahlkriterien.

Wortgewandt und mit viel Witz und Elan präsentiert Brüske im ausverkauften Martinstift die Künstler. Den ersten Christoph Tiemann, kennt man aus dem Radio ("Tiemanns Wortgeflecht" auf WDR 2). Er legt ein hohes Tempo vor und begeistert auch als Stimmenimitator. Als nächstes betritt Michael Feindler die Bühne, in der Hand eine Gitarre. Er verarbeitet aktuelle Themen in lyrischen Liedern, scheinbar sanft, dennoch bissig-böse und nachdenklich. Die einzige Frau des Abends ist Katharina Hoffmann. Die Berlinerin, die schon häufig bei Gerburg Jahnkes "Ladies Night" zu Gast war, kommt in Zeitlupe auf die Bühne geschlichen: "Ich übe mich in Achtsamkeit. Man kommt damit zu sich, aber sonst zu nischt!"

Nicht alle Künstler schaffen es gleich gut, ihr meist eineinhalbstündiges Programm auf 15 Minuten zu kürzen und dennoch eine in sich geschlossene Darbietung zu zeigen. Marvin Spencer bezieht sich als einziger direkt auf die aktuelle Flüchtlingskrise. Als Halb-Jamaikaner, der oft für einen Araber gehalten wird, und studierter Islamwissenschaftler hat er zahlreiche Berührungspunkte. Das einzige Duo des Abends sind Dirk Tillack und Bernd Blömer mit ihrem absurden und witzigen Theater, das sie unter vollem Körpereinsatz vollführen.

Nach Auszählung der Stimmkarten im Saal steht am Ende fest: Publikumsliebling ist Sebastian Nitsch. Der 38-jährige Berliner bekommt mit Abstand die meisten Lacher mit seinen Geschichten über die Tücken des Alltags. Er bezieht das Publikum mit ein, indem er etwa fragt, wer schon mal eine Tupperschüssel im Kühlschrank vergessen und samt Inhalt weggeschmissen habe. Auch macht er mit seiner Mini-Orgel, die er um den Hals hängen hat, Hüsch alle Ehre.

Die zweite Vorrunde, in der sechs weitere Talente auftreten, findet in Moers am 17. März statt und ist bereits ausverkauft. Für das Finale kann man noch Karten erwerben, ebenso für das Siegerprogramm, das am 8. Mai im Duisburger Kleinkunsttheater "Die Säule" und zusätzlich am 9. Mai im Moerser Martinstift gezeigt wird. www.dasschwarzeschaf.com

Quelle: RP
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