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Moers
Klinik-Clowns sorgen sich um ihren Ruf

Moers. Das Phänomen "Grusel-Clowns" verärgert auch Iris Held und Silke Eumann am Bethanien-Krankenhaus. Von Josef Pogorzalek

Die Klinikclowns Flocke und Stift sind begeistert: Auf dem Kopfkissen der kleinen Enya liegen Stofftiere! Flocke hat auch ein Tier dabei: einen lilafarbenen Teddy mit großen Augen und losem Mundwerk. Flocke erweckt ihren "Bör" zum Leben, der sich mit Stift ein lustiges Wortgefecht liefert. Das vierjährige Mädchen strahlt und lacht, spielt mit seiner Puppe. Enyas Krankheit - sie hat Diabetes und muss lernen, mit Insulin-Injektionen zu leben - ist zeitweilig vergessen.

Jeden Montag kommen die Klinikclowns für einige Stunden an das Bethanien-Krankenhaus, um kranke Kinder zu besuchen und sie mit ihren Späßen zu erheitern. "Das ist eine sehr wertvolle Arbeit", sagt Barbara Schirner, Pressesprecherin des Krankenhauses. Sie ist besorgt darüber, dass die Negativschlagzeilen über "Grusel-" oder "Horror-Clowns" dieser Arbeit schaden könnten. Immer häufiger tauchen die furchterregend maskierten Dummköpfe in der Öffentlichkeit auf, die sich daran ergötzen, Leute auf der Straße in Angst und Schrecken zu versetzen. In Wesel ist es in den vergangenen Tagen zweimal zu solchen Vorfällen gekommen. In Xanten hat ein "Gruselclown" eine Frau mit einer Kettensäge bedroht. Bei Facebook tauchen Einträge über Gruselclowns auf, die angeblich in Moers oder Kamp-Lintfort gesehen worden sein sollen, manche garniert mit und mehr oder minder "verwaschenen" Fotos. Ob die Berichte stimmen, oder nur Ängste schüren sollen, ist unklar.

FOTO: Bettina Albustin Engel

Auch die Klinikclowns fürchten, dass die Gruselclowns auf Dauer auch ihrer Arbeit schaden könnten. In einem anderen Krankenhaus haben Flocke und Stift erlebt, was "Grusel-Clowns" bei Kindern anrichten können: "Ein Junge geriet in Panik, als er uns sah." Den beiden Frauen gelang es, den Jungen zu beruhigen. Später erfuhren sie, dass der Zehnjährige heimlich den Horrorfilm "Es" im Fernsehen gesehen hatte. In dem Film nach einer Geschichte von Stephen King treibt ein Mörder im Clownskostüm sein Unwesen.

"Die Einstellung der Gruselclowns ist erschreckend. Sie spielen mit der Angst der Menschen. Das ist schon pathologisch", sagt Silke Eumann. Schon seit 16 Jahren kommt sie als "Flocke" im Auftrag des Vereins "Clownsvisite" an das Bethanien-Krankenhaus, entweder mit Stift (Iris Held) oder ihrem Kollegen Schlatge (Holger Voss). Die ausgebildeten Schauspielerinnen arbeiten für den Verein Clownsvisite. Ihr Einsatz am Bethanien wird über Spenden finanziert. Die wichtige Arbeit der Clowns finde zum Glück viele Unterstützer, sagt Barbara Schirner. "80 Prozent unserer Spenden sind für die Clowns bestimmt."

Inzwischen hat auch der Verein "Clowns in Medizin und Pflege Deutschland" auf das Treiben der Grusel-Clowns reagiert. Der in München ansässige Dachverband von 15 gemeinnützigen Klinikclowns-Vereinen in Deutschland hat in einer Pressemitteilung gefordert, die Bezeichnung "Grusel-Clown" durch "Grinsefratzen" zu ersetzen: "Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen nur auf diese armselige Art ausleben wollen." Der Verband spricht von "bedauernswerten Feiglingen, die sich hinter einer Maske verstecken."

Die Klinik-Clowns sind alles andere als Feiglinge. Viele der Kinder, mit denen sie es zu tun haben, seien zum ersten Mal in einem Krankenhaus und wüssten nicht, was sie erwartet. Andere seien schwerstkrank und müssen viele Wochen, wenn nicht gar Monate in der Klink bleiben. Stift und Flocke hatten es auch schon mit Kindern zu tun, die später gestorben sind. Die Klinikclowns sind speziell geschult, sie stehen in engem Kontakt zum Pflegepersonal und nähern sich den jungen Patienten mit großer Sensibilität. "Wir sind genau das Gegenteil der Grusel-Clowns", sagen Flocke und Stift. "Wir nehmen den Menschen die Angst."

Quelle: RP
 
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