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Moers
Knöllchen-Rekord könnte fallen

Moers: Knöllchen-Rekord könnte fallen
Erwischt! Beim Verteilen von Knöllchen ist die Stadt in diesem Jahr besonders "erfolgreich". Ein Grund: Anwohner-Parkzonen werden verstärkt überwacht. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers. Fast 25.000 Mal hat die Stadt im ersten Halbjahr 2015 Falschparker zur Kasse gebeten. Von Josef Pogorzalek

Für die einen sind sie "Abzocke", für die anderen ein notwendiges Übel, um Ordnung durchzusetzen und uneinsichtige Autofahrer zu disziplinieren: Knöllchen für Falschparker. Was diese angeht, steuert die Stadt Moers auf ein Rekordjahr hin. Genau 24.967 Knöllchen wurden im ersten Halbjahr geschrieben, hält der Trend an, werden es bis Ende 2015 rund 50.000 sein - deutlich mehr als 2014 (43.786), 2013 (45.663) oder im bisherigen Rekordjahr 2010 (49.166).

Jochen Groenewald, Leiter des Fachdiensts Straßen und Verkehrsrecht im Rathaus, glaubt den Grund zu kennen: "Der Fahrzeugverkehr wird zunehmend in Anwohnerparkzonen verdrängt", sagt er. In jene innenstadtnahen Bereiche also, in denen Anwohner gegen eine Gebühr einen Parkausweis erhalten, andere Autofahrer aber nur bedingt parken dürfen. Trotzdem gebe es viele, die lieber ein Knöllchen in einer Parkzone riskierten als eine Gebühr am Parkplatz Mühlenstraße zu entrichten. Dass die Gebühren in der Innenstadt im März angehoben wurden, spiele keine Rolle. "Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Höhe von Parkgebühren und der Häufigkeit von Knöllchen", versichert Sinan Aydin, Leiter der Bußgeldstelle bei der Stadt.

Die Stadt habe die Überwachung der Parkzonen - nicht zuletzt aufgrund von Anwohnerbeschwerden - intensiviert, sagt Groenewald. Wobei in der gerade erst eingerichteten Zone 9 (im Bereich Repelener und Hülsdonker Straße) Falschparker zunächst eher informiert werden, statt sie sofort zur Kasse zu bitten. Apropos Kasse: 724.000 Euro haben die Knöllchen der Stadt im vergangenen Jahr beschert. "Das Geld fließt in den normalen Haushalt", sagt Groenewald. Eine Einnahmequelle seien die Parksünder-Strafen aber nicht. "Nach Abzug der Personalkosten, der Fahrtkosten der Politessen und der Kosten für die technische Ausstattung bleibt von dem Geld nicht mehr viel übrig."

Sieben Frauen und ein Mann überwachen im Auftrag der Stadt den ruhenden Verkehr, normalerweise wochentags in der Zeit von acht bis 20 Uhr. Auch Wochenende und Feiertagen müssen die Verkehrsüberwacher manchmal ran, zum Beispiel während der Kirmestage oder im Karneval. Das Politessen-Team ist für die ganze Stadt zuständig und - bei insgesamt 431 Straßenkilometern in Moers - entsprechend viel unterwegs. "Wenn jemand sich zum Beispiel über Falschparker beschwert, dann kommen wir auch", sagt Roswitha Lohmann, die bereits seit 20 Jahren als Politesse arbeitet. "Die Autofahrer sind heute gestresster als früher", hat sie festgestellt.

Bei der Auswahl der Politessen legt die Stadt Wert auf eine Berufsausbildung, Roswitha Lohmann ist gelernte Konditoreifachverkäuferin. Die Stadt selbst lässt die Mitarbeiter unter anderem in der Kunst schulen, mit Konflikten umzugehen. Mit wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen haben es die Politessen in ihrem Arbeitsalltag oft zu tun. Selbst von Radfahrern oder Fußgängern werden sie angegangen. "Politessen haben leider ein schlechtes Image", sagt Roswitha Lohmann. Dabei drücke sie durchaus auch mal ein Auge zu. Wie neulich, als ihr ein älterer Herr plastisch vor Augen führte, warum seine Parkscheibe abgelaufen war: "Er nahm seine Zahnprothese aus dem Mund und gab mir zu verstehen, dass er lange beim Zahnarzt sitzen musste."

Quelle: RP
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