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Moers
Kö mit Wallanlage, aber ohne Autos

Moers: Kö mit Wallanlage, aber ohne Autos
Die Planungen stießen am Samstag auf reges Interesse der Moerser, die sich mit ihren Ideen einbrachten. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Planungswerkstatt sieht die "historische Chance", den Verkehr um den Königlichen Hof neu zu ordnen. Von Peter Gottschlich

Der Neue Wall und der Königliche Hof atmen noch immer den Geist der 1960er Jahre, als nicht nur Moers sich zum Ziel setzte, "autogerechte Stadt" zu werden. So wie es der Architekt Hans Bernhard Reichow 1959 in seinem gleichnamigen Buch beschworen hatte. Eine zweispurige Schneise wurde durch die Innenstadt geschlagen, die Geschichte unter sich begrub und die Steinstraße von der Homberger Straße trennte. Heute denken viele Städte darüber nach, die einstigen Schneisen zurückzubauen, um Fußgängern und Flaneuren Platz zu geben, Leben in die Innenstädte zu bringen, so auch Moers. Deshalb lud die Stadt am Samstag zu einer Planungswerkstatt "Neuer Wall/Königlicher Hof" ein.

Das Thema brennt den Moersern auf den Nägeln. Sonst wäre diese Werkstatt im Vorfeld nicht ausgebucht gewesen, deren Teilnehmerzahl zunächst auf 60 Personen begrenzt gewesen war. Schließlich erhöhte die Stadt sie auf 65 Personen, um über eine Nachrückliste alle Interessenten einladen zu können.

Es gibt zwei Varianten, die Fläche um den Neuen Wall, den Königlichen Hof und den Königssee mit Wallanlage zu entwickeln. Vorgestellt wurden diese von zwei Büros, die deutschlandweit einen Namen in der Verkehrsplanung haben, zum einen das Büro "StadtVerkehr" aus Hilden mit Katharina Oppermann, zum anderen das Planungsbüro "Stadt + Handel" aus Dortmund mit Jens Nußbaum. Beide Varianten sehen vor, den Königlichen Hof von Autos zu befreien. Von Süden sollen sie die Uerdinger Straße nur bis zur Haagstraße befahren, damit sie auf dem Parkplatz am Kastell abgestellt werden können. Im Norden sollen die Personenwagen auf dem Neuen Wall nur bis zur Dr.-Hermann-Bähr-Straße rollen, damit sie im Parkdeck des Wallzentrums geparkt werden können. Das Stück dazwischen soll mit dem Schild "Durchfahrt verboten" abgegrenzt sein, wobei Radfahrer und Busse ausgenommen sind. Dieser Raum ist ein "Shared Place", wie der Platz zwischen dem Kasino und der Oper in Duisburg. Fußgänger, Radfahrer und Busse sind gleichberechtigt. Zum Königlichen Hof hin sollen die Bussteige liegen, zur Trutzburg hin Stellplätze, damit die Fahrer in ihren Bussen ihre Ruhezeiten einhalten können.

Die Varianten unterscheiden sich bei der Homberger Straße ab der Augustastraße. Die eine geht von einer Sperrung aus, um den Busverkehr vom Bahnhof über die Augustastraße und die Uerdinger Straße zu führen. Die andere sieht einen Durchgangsverkehr für Busse vor. Die Teilnehmer, die in vier Arbeitsgruppen über die beiden Varianten mit ihren jeweils zwei Untervarianten diskutierten, sprachen sich fast alle für die Variante aus, in der keine Busse mehr durch das Teilstück der Homberger Straße fahren.

"So können Königlicher Hof und Gewässer ein neues Gesicht erhalten", sagte Thorsten Kamp. Als Beigeordneter hatte er die Planungen für den Kö ins Rollen gebracht. Sie wurde von Teilnehmern als "historische Chance" bezeichnet, zumal die Umgestaltung von Bund und Land kofinanziert werden könnte. Die Kosten alleine für den neuen Busbahnhof schätzte Marc Stuhm vom Büro "StadtVerkehr" auf rund 1,8 Millionen Euro. Bis zum 31. Juli können Interessierte schriftlich zu den Plänen Stellung nehmen. Im Laufe des Septembers will die Stadt eine Dokumentation vorlegen. Sie ist Grundlage für eine Drucksache, die der Stadtentwicklungsausschuss im November berät.

Quelle: RP
 
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