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Moers
Kongress diskutiert Kultur der Gegenwart

Moers: Kongress diskutiert Kultur der Gegenwart
Wenke Seidel ist Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung der Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Wesel und leitet das Jugendkulturzentrum Bollwerk 107 am Moerser Bahnhof. FOTO: Anja Katzke
Moers. Wenke Seidel ist seit 2017 Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren in NRW. In ihrer neuen Funktion organisiert die Geschäftsführerin des Moerser Bollwerks 107 einen Kongress zur "Kultur der Gegenwart". Von Anja Katzke

"Wir müssen übers Geld reden", sagt Wenke Seidel. Aus eigener Erfahrung als Geschäftsführerin des Moerser Jugendkulturzentrums Bollwerk 107 weiß sie, dass viele Verständnis haben, wenn von den finanziellen Nöten der Kultureinrichtungen die Rede ist. "Es ändert sich aber nichts", sagt sie. In ihrer neuen Funktion als Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren möchte sie dies ändern. Sie hat gemeinsam mit ihrem Team für Donnerstag, 22. Februar, einen Kongress organisiert. Im Fokus steht die "Kultur der Gegenwart - und was sie kostet". Der Kongress findet ganztägig im Bahnhof Langendreer in Bochum statt. "Wir rechnen mit mehr als 200 Teilnehmern, die Anmeldezahlen steigen täglich. Dafür brauchen wir Platz", betont Seidel. Sie ist seit 2017 Vorsitzende der LAG NRW. Der Anlass für den Kongress liegt seit Jahren vor. "Die finanzielle Lage der Kommunen im Land ist schlecht. Viele setzen ihre Haushaltssicherungskonzepte um, indem sie bei den freiwilligen Leistungen sparen."

Der Kongress, der seit anderthalb Jahren vorbereitet wird, richtet sich deshalb vor allem an die Landespolitik. Die plant zwar den Kultur- und Bildungsetat in den nächsten Jahren schrittweise auf 300 Millionen Euro auszubauen, doch Wenke Seidel und ihre Mitstreiter fürchten, dass vorrangig die Theater und Orchester begünstigt werden. "Es gibt in NRW aber 64 Jugendkulturzentren", betont sie. "Wir bieten die Möglichkeit der Teilhabe, selbst Kultur zu machen, und haben einen Bildungsauftrag." Zum Kongress ist eine illustre Diskussions- und Referentenrunde eingeladen. Wenke Seidel wird zum Beispiel mit Isabel Pfeifer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft, und Musikerin Angelika Niescier zu einer Podiumsdiskussion zusammenkommen. Als Referenten sind beispielsweise Dieter Gorny, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Initiative Musik und Geschäftsführender Direktor des European Centre for Creativ Economy, und Jochen Molck, Geschäftsführer des Zakk in Düsseldorf nach Bochum eingeladen.

Drei Themenbereiche sollen am 22. Februar bearbeitet werden. So geht es um die selbstausbeutende Traumjobmaschine. "Leute im Kulturbereich arbeiten oftmals deutlich mehr, als sie dafür bezahlt bekommen. Die Tendenz, sich auszubeuten, ist groß. Gehälter werden nicht angepasst. Und darüber müssen wir reden." Auf dem Kongress will man sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was die Kunst eigentlich wert ist. "Heute ist es vielfach so, dass das Veranstaltungsrisiko vom Veranstalter auf den Künstler übertragen wird. Oft lässt man nur noch den Hut rumgehen." Es geht aber auch um die Entwicklung von Durchsetzungsstrategien, damit Zentren ihre berechtigten Interessen geltend machen können.

Das Bollwerk 107 in Moers sei gut aufgestellt, werde über den Jugendetat der Stadt finanziert. Sorgenkind der Geschäftsführerin des Jugendkulturvereins ist jedoch das Comedy Arts Festival, das der Verein veranstaltet. Sie würde sich wünschen, dass das Festival wieder am Kulturausschuss angegliedert würde. "Die Moers Kultur GmbH kümmert sich nur ums Moers Festival." Seidel, die seit 2003 das Bollwerk leitet, beklagt, dass der städtische Zuschuss über die Jahre immer weiter geschrumpft sei. "2003 war die Stadt unser Partner und hat uns mit Personalleistungen unterstützt. Die GmbH zahlt die Leistung als Geldwert aus - nur diese werden immer teurer."

Quelle: RP
 
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