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Unsere Woche
Krefelder SPD bringt Genossen in Nöten

Moers. Die Ankündigung der Krefelder SPD, möglicherweise eigene Kandidaten im Kampf um ein Bundestagsmandat aufzustellen, hat die Genossen im Kreis Wesel kalt erwischt.

Kaum ein Genosse am Niederrhein weiß besser, wie man Politik vermarktet als der Kamp-Lintforter Landtagsabgeordnete und SPD-Unterbezirksvorsitzende René Schneider. Deshalb war es aus sozialdemokratischer Sicht auch richtig, ihm das Ausscheidungsverfahren im Kampf um die Nachfolge des Bundestagsabgeordneten Siegmund Ehrmann zu übertragen. Schließlich geht es nicht nur darum, parteiintern einen Kandidaten zu finden, sondern auch darum, einen ersten Aufschlag im Kampf um das Bundestagsmandat hinzulegen.

Das ist nun gründlich schiefgegangen. Oder, um in der Tennissprache zu bleiben, Schneider hat sein erstes Break hinnehmen müssen, ohne einmal am Netz gestanden zu haben. Nachdem die Krefelder den verabredeten Termin verstreichen ließen, ohne Namen für einen potenziellen Ehrmann-Nachfolger genannt zu haben, präsentierte Schneider die fünf Genossen, die sich in Moers und Neukirchen-Vluyn gemeldet hatte.

Das war schon für sich alleine eine undankbare Aufgabe. Zwar haben zumindest vier der fünf eine kommunalpolitische Grundausbildung genossen, doch wirklich überzeugend wirkt bislang keiner der Fünf. So dürfte sich vor allem die CDU im Wahlkreis gefreut haben. Die Aussichten von Kerstin Radomski, wiedergewählt zu werden, haben sich seither weiter verbessert.

Nun hat die Krefelder SPD Schneiders Aufgabe noch einmal völlig unnötig erschwert. In einer reichlich schwammigen Pressemitteilung hat sie erklärt, dass sie möglicherweise nun doch eigene Kandidaten ins Rennen schicken werde, deren Namen sie aber erst am 19. August mitzuteilen gedenke.

Das kann man nun so deuten, dass die Krefelder Sozis ob des verheerenden Echos auf ihre ursprüngliche Nichtbeteiligung an der Wahl zusammengezuckt sind und nun Flagge zeigen wollen. Das kann man aber auch so lesen, dass die Krefelder die Qualität der fünf Aspiranten aus dem Kreis Wesel für so bescheiden erachten, dass sie nun doch trotz numerischer Unterlegenheit bei den Delegiertenstimmen eine Chance für den eigenen Kandidaten wittern.

So oder so: Die SPD, und da muss auch der Name Siegmund Ehrmann genannt werden, hat in den vergangenen Jahren versäumt, ihren besten Mann oder ihre beste Frau als Ehrmanns-Nachfolger aufzubauen. Auch ohne die jüngsten Querschüsse aus Krefeld hat Schneider eine Aufgabe übernommen, um die er nicht zu beneiden ist.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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