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Moers
Künstler aus Belgien spürt dem Deutschen Herbst nach

Moers: Künstler aus Belgien spürt dem Deutschen Herbst nach
Pieter Jan Martyn Ehefrau Laura Lodewigckx stellt seine "Tales of Autumn" im Moerser Peschkenhaus aus. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die Galerie Börgmann präsentiert in der Galerie Peschkenhaus die Arbeiten des belgischen Künstlers Pieter Jan Martyn. Von Anja Katzke

Die Arbeiten von Pieter Jan Martyn sind fast wie gemalte Erinnerung, die sich hinter Schleiern versteckt, nicht mehr in Gänze abrufbar ist: "Tales auf Autumn" heißt die Ausstellung, die ab heute in der Galerie Peschkenhaus zu sehen ist. Der Titel bezieht sich auf den Deutschen Herbst. Und Pieter Jan Martyn lässt die Erinnerung an den Terror der RAF aus seinen Bildern aufsteigen. Sie sind für die Präsentation in Moers neu entstanden.

Die Ausstellung im Peschkenhaus wird durch die Kooperation mit der Galerie Börgmann möglich. Jochen Börgmann lernte den jungen belgischen Künstler in Februar kennen und war fasziniert von den Arbeiten. Innerhalb eines Monats stemmte er in Mönchengladbach eine Ausstellung. "Sie lief sehr erfolgreich. Wir haben so gut wie alle Arbeiten verkauft", freut sich der Galerist.

Pieter Jan Martyn greift in seiner Arbeit historisch-politische Themen und Ereignisse auf. Ausgangspunkt für seine Malerei ist immer eine Fotografie, oft ein Pressefoto zum Beispiel. Er überträgt die Szene oder das Porträt auf seine eigene Leinwand und beginnt dann in einem aufwendigen Prozess der Verfremdung das ursprüngliche Bild in Schichten zu übermalen. Die Szenerie wird dadurch schemenhaft, wirkt fast schon morbid und wie aus einer anderen Zeit, die nur noch vage durchscheint. "Ich möchte etwas Neues schaffen", erklärt er seine Methode und bedient sich dafür unterschiedlicher Techniken. Er arbeitet mit Acryl, aber auch Bleistiften, kratzt mit Sandpapier die Farbe ab. Martyn malt in unterschiedlichen Grautönen, mit denen er Atmosphäre und Stimmungen zu schaffen versucht. Mal ist es ein schwarzes, mal ein weißes Grau.

Seine "Tales of Autumn" beschäftigen sich mit den "Wunden einer Nation", den Verbrechen der RAF, den von Ulrike Meinhof und Andreas Baader geplanten Attentaten, die Ermordung des Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, Mogadischu. Auf den Bildern sind Polizisten zu erkennen, die ein Leichentuch anheben, alte Fahrzeuge, Frauen mit Maschinenpistolen im Anschlag. Martyn nimmt sich jedoch auch anderer historischer Ereignisse an, die sich eingeprägt haben: Um die Ermordung John F. Kennedys zu thematisieren, reicht ihm das Bild eines Schädels mit errechneten Abstandsmessungen. Auch die Nürnberger Prozesse haben den Künstler aus Belgien zu einer Auseinandersetzung animiert. Im Peschkenhaus ist außerdem eine Auswahl an Bildern zu sehen, die der Künstler im Frühjahr erfolgreich unter dem Titel "Hospitality" in der Galerie Börgmann ausgestellt hatte.

Pieter Jan Martyn hat in Gent zunächst Grafikdesign, dann Malerei studiert.

Die Ausstellung ist ab heute bis zum 31. Januar in der Galerie Peschkenhaus zu sehen.

Quelle: RP
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