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Moers
Künstliche Gelenke als Kunstmotive

Moers. Eine Ausstellung im St.-Josef-Krankenhaus zeigt die Ergebnisse eines Projekts aus dem vergangenen Jahr. Kinder und Jugendliche haben sich dabei kreativ mit Objekten aus der Orthopädie beschäftigt. Von Sabine Hannemann

"Kunst als heilendes Medium im Krankenhaus", so könnte der Arbeitstitel eines Projektes lauten, das jetzt im Moerser St. Josef Krankenhaus der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dr. Michael Jonas, Chefarzt der Orthopädie, hatte die kreative Idee inklusive des dazu gehörigen Materials an Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen geleitet. Die Teilnehmer erhielten Keilrahmen, Farben sowie zwei künstliche Gelenke, nämlich Hüfte und Knie, als künstlerische Motive. Dann machten sie sich an die Arbeit. Das Ergebnis auf den Leinwänden ist beeindruckend. "Ganz den Altersstufen entsprechend einfache bis perspektivische Darstellungsformen", freute sich der Initiator. Auch erste Reaktionen der Patienten der orthopädischen Abteilung liegen vor, wie Stationsleiterin Julanda Ruggiero zu berichten wusste. "Die Patienten sind an den Bildern interessiert und freuen sich über die fröhlichen Farben. Die Bilder sind anders als die, die sonst auf den Stationen hängen."

Unter dem Motto "Klein-Groß" hatten sich die jüngsten Teilnehmer ans Werk gemacht. Bei den Vorschulkindern vom St.-Ida-Kindergarten ging es neugierig und ohne Hemmungen ans Werk. "Die Kinder haben die künstlichen Gelenke genau untersucht und festgestellt, was so alles in einem Bein drin ist", schilderte die Leiterin Iris Bungert den spontanen Erwerb von anatomischen Kenntnissen. "Hat Spaß gemacht", sagten Theresa und Jonas (beide sieben), deren Arbeiten im Krankenhaus ausgestellt sind. Fröhlich stimmende Farben hat auch die zehnjährige Giovanna gewählt: "Pink ist meine Lieblingsfarbe."

Künstlerisch anspruchsvoll ist der Ansatz des Kunst-Leistungskurses am Grafschafter Gymnasium: die Abstraktion. "Eng mit einem Gelenk verbunden sind die Elemente Zeit und Geschwindigkeit", sagte Kunstlehrer Marcus Spyros Bertermann. Ein Exkurs zum Futurismus der 1920-Jahre gab Arbeitsweisen und sich wiederholende künstlerische Elemente im Rapport vor. Für Schülerin Mara Wagmann (18) ein überaus spannendes Projekt. "Wir hatten völlige Freiheit. Ich konnte zeigen, dass man über abstrakte Arbeitsweise eine Leichtigkeit erreicht." Ein Gedanke, der speziell den Patienten der Station positive Gedanken und eine andere Sicht auf die eigene Situation schenke, meint Mara.

Für den kunstinteressierten Chefarzt Jonas ein überaus gelungenes Projekt. "Es spricht die Patienten wie Angehörige im Krankenhaus gleichermaßen an." Das Krankenhaus sei ein Ort, an dem verschiedenen existenziellen Bereiche dicht beieinander liegen. Kunst habe die Aufgabe, die eigene Situation zu überdenken und anzunehmen. Gleichzeitig biete das Kunstprojekt auch den Teilnehmern die Chance, den vormals angstbesetzten Raum neu kennenzulernen.

Künstlerisch selbst vorgelegt hat Michael Jonas mit eigenen Arbeiten, die ebenfalls im St.-Josef-Krankenhaus zu sehen sind. "Men at work" nennt er seine Fotoarbeiten, die mit der Handykamera entstanden sind. Miniaturfiguren aus dem Modelleisenbahnbau schleppen medizinisches Arbeitsutensil wie Kanülen oder Ersatzteilen für den menschlichen Körper.

An dem Kunstprojekt im vergangenen Jahr haben teilgenommen: die Kita St. Ida Eick, Grundschule am Niersenberg in Kamp-Lintfort, die Moerser Herrmann Runge Gesamtschule und das Grafschafter Gymnasium. Die Arbeiten sind in der orthopädischen Station EB im Erdgeschoss für alle Interessierten zugänglich.

Quelle: RP
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