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Moers
Kultur GmbH bekommt neuen Chef

Moers. Der 52-jährige E-Government-Experte Claus Arndt soll Nachfolger von Dirk-Hohensträter werden, der nach Differenzen mit dem Aufsichtsrat seinen Job als kaufmännischer Leiter des Moers-Festivals gekündigt hatte. Von Jürgen Stock

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den am Wochenende überraschend zurückgetretenen Geschäftsführer des Kultur GmbH, Dirk Hohensträter, sind Teile des Aufsichtsrates offenbar fündig geworden. Als bislang einziger Kandidat gilt nach Informationen unserer Redaktion der 52 Jahre alte Claus Arndt. Er leitet zur Zeit die Stabsstelle E-Government im Moerser Rathaus. Unsere Redaktion erreichte ihn am späten Freitagnachmittag am Telefon. Zu den Berichten über sein mögliches neues Tätigkeitsfeld wollte Arndt nichts sagen: "Das müssen andere tun."

Immerhin gibt es einen kleinen Hinweis zur Kultur-Affinität des Kandidaten auf seiner Facebook-Seite. Dort wo sonst das Porträt-Foto steht, ist ein Plakat des Moers-Festivals zu sehen.

Tatsächlich ist Arndt, der sein Abitur am Adolfinum machte, ein großer Fan des Festivals. Schon in jungen Jahren war er regelmäßig Besucher der damals noch avantgardistischen Konzertveranstaltung im Freizeitpark. Später, nach Abschluss einer Ausbildung als Diplom-Verwaltungswirt, wurde er Assistent des Sozial- und Kulturdezernenten Siegmund Ehrmann (SPD). In dieser Funktion war er auch beruflich für das Festival zuständig.

Siegmund Ehrmann, der Mitglied des Aufsichtsrates der Kultur GmbH ist, bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass er bereits vor vier Wochen Gespräche mit Arndt geführt habe. "Die Probleme in der Vergangenheit", so Ehrmann, "beruhten zum Teil darauf, dass bei dem Rechtsträger kein historisches Wissen um das Moers Festival vorhanden war. Bei Arndt ist das anders. Er ist ein intimer Kenner", sagte Ehrmann.

Zudem habe er sich als Leiter der zentralen Stabsstelle E-Government einen exzellenten Ruf als Organisator der Digitalisierung von Verwaltungsabläufen im Moerser Rathaus erworben. "Ich werbe für ihn", sagte Ehrmann, der erst gestern von einer Israel-Reise zurückgekehrt war. Ehrmann betonte, dass sich das Festival nach den Rücktritten von Reiner Michalke als künstlerischem Leiter und Hohensträter in einer schwierigen Situation befinde. "Der Ruf in der Szene ist kontaminiert", sagte er und fügte mit Blick auf die Geldgeber bei Bund und Land hinzu: "Jetzt haben wir noch einen Schuss frei."

In der positiven Bewertung Arndts stimmt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Moerser Rat, Ingo Brohl, mit Ehrmann überein. "Ich halte sehr viel von Arndt", sagte Brohl. Dennoch glaube er nicht, dass er die richtige Person als Nachfolger von Hohensträter sei. "Ich wünsche mir einen Kaufmann auf dem Posten. Der ist Arndt aber nicht", sagte Brohl. Tatsächlich hat Arndt zwar nach dem Abschluss als Verwaltungswirt noch einen Magister in Literaturwissenschaften erworben, allerdings keine formelle kaufmännische Ausbildung vorzuweisen.

Gegen die Bestellung Arndts als Geschäftsführer machte Brohl noch ein weiteres Argument geltend. Die Verwaltung weise immer wieder darauf hin, wie ausgedünnt sie sei. Da sei kaum nachvollziehbar, dass man jemandem in einer derart wichtigen Position wie Arndt noch eine zusätzliche Aufgabe aufbürden wolle.

Auch Dino Maas (FDP) wies darauf hin, dass der Bereich, für den Arndt in der Verwaltung tätig ist, "eher unterbesetzt" sei. Arndt persönlich traue er zu, "dass er den Job schaffen kann". Deshalb plädierte Maas für eine Interimslösung mit Arndt. "Danach sollte die Kultur GmbH allerdings wieder in die Verwaltung zurückgeführt werden."

Ehrmann machte aber klar, dass die Vertragslaufzeit für einen neuen Geschäftsführers mindestens genau so lange dauern müsse wie die eines künstlerischen Leiters. Eine Findungskommission der Kultur GmbH verhandelt derzeit mit dem gebürtigen Moerser Tim Isfort (49). Er und Arndt sollen sich dem Vernehmen nach persönlich gut kennen.

Der Ball liegt jetzt beim Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer, der bis Redaktionsschluss gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Sollte er Arndt zustimmen, müsste - voraussichtlich in der kommenden Woche - noch der Aufsichtsrat der Kultur GmbH zustimmen.

Quelle: RP
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