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Moers
Kumpel sichern keltische Bergwerke

Moers. Das Team um Herbert Gratzer ist in zwei Stollen aktiv, in denen schon vor über zweieinhalb Jahrtausenden Kupfererz und Kochsalz abgebaut wurden. Bei ihrer letzten Tour wurde gefilmt. Ostern sind sie in der Sendung "Terra X" zu sehen. Von Peter Gottschlich

Der Liebe wegen kam Herbert Gratzer nach Deutschland. "In einer Disco in meiner Heimat habe ich meine Brigitte kennengelernt", erzählt der 61-jährige Kamp-Lintforter, der in Kötschach-Mauthen am Plöckenpass in Kärnten seine Jugend verbrachte. "1976 haben wir geheiratet." Den Akzent aus Österreich hat er mit an den linken Niederrhein gebracht. Im Gegenzug bringt er im zehnten Jahr die Bergbaukunde nach Österreich.

Er leitet das Team der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein, das seit 2008 jeden Sommer ins Salzburger Land fährt. Dort ist er unter anderem mit Jürgen Willhuber, Detlef Stevens, Gerd Pohl, Michael Kohlert und Detlef Lehmann im Georgenbergstollen im Dürrnberg bei Hallein aktiv, zudem im Arthurstollen am Mitterberg in der Nähe von St. Johann im Pongau und Bischofshofen.

"Es ist keine Spielerei", sagt der einstige Fahrsteiger des Bergwerkes "Friedrich Heinrich" in Kamp-Lintfort. Schließlich ist es Maloche, wenn die Bergleute zum Beispiel den Stolleneingang des Arthurstollens sichern, wie in den Jahren 2010 bis 2012. Sie ersetzten auf zwölf Metern den maroden Holzbau durch einen neuen Stahlausbau. Damit waren sie auf den Spuren der Kelten. Wie Holzreste zeigen, die mit der Radiokarbonmethode untersucht wurden, schürften diese bereits über 1000 - vielleicht sogar 1700 - Jahre vor Christus im Mitterberg nach Kupfererz. Sie scheinen geahnt zu haben, wie viele Erzadern es in diesem Berg gibt.

So konnten Bergleute dort mehr als drei Jahrtausende schürfen, bis sie 1957 damit aufhörten, als der Kupfergehalt nur noch bei 1,5 Prozent lag. Der Mitterberg ist das älteste Kupferbergwerk in den Ostalpen, wie Ausstellungen in Bischofshofen und St. Johann dokumentieren. Von 1995 an war es für einige Jahre sogar Schaubergwerk, wie Besucherbergwerke in Österreich heißen. Besucher konnten einen Kilometer einfahren.

Das dürfen heute nur noch wenige, beispielsweise die Bergleute der Fördergemeinschaft. Dabei werden sie von Wissenschaftlern der Archäologischen Abteilung der Ruhruniversität Bochum begleitet. "Sie dokumentieren alles", berichtet Bergbauingenieur Herbert Gratzer. "Sie fotografieren Gegenstände, zeichnen sie und verpacken sie. Mittlerweile sind wir ganz vorsichtig, wenn wir auf irgendetwas treten. Es könnte ja ein Gegenstand sein, der mehrere 1000 Jahre alt ist." Die Bergleute vom Niederrhein bauten in den Stollen Regale ein, wo die gefundenen Gegenstände verpackt liegen, markiert mit kurzer Beschreibung, Fundort und Fundzeit.

Neben dem ältesten Erzbergwerk legen die einstigen Kumpel aus Kamp-Lintfort und Umgebung im ältesten Salzbergwerk im Salzburger Land Hand an, wenn sie in den Georgenbergstollen im Dürrnberg einfahren. Dieser liegt im gleichnamigen Stadtteil von Hallein ganz nahe dem Königssee bei Berchtesgaden. Wahrscheinlich 500 Jahre vor Christus begannen die Kelten oder Illyrer im Dürrnberg Salz abzubauen, also 1000 Jahre später als in der oberösterreichischen Marktgemeinde Hallstatt, die der Hallstattzeit ihren Namen gab. 1989 fuhren Salzbergleute nach zweieinhalb Jahrtausenden zum letzten Mal ein. Heute ist der Georgenbergstollen Teil des Schaubergwerkes Salzwelten mit den weiteren Standorten Hallstatt und Altaussee in der Steiermark. Auch dort ersetzen die Bergleute maroden Holzausbau durch neuen Stahlausbau, sichern Stürze oder bauen Regale für die Fundstücke. Außerdem richteten sie eine Steigerstube ein, wo sie auch mal eine Priesepause einlegen und über die Arbeit quatschen.

Als die Bergleute vom Niederrhein Anfang September für zwei Wochen in beiden Bergwerken freiwillig arbeiteten, wurden sie vom Fernsehsender ZDF begleitet und gefilmt. "In der Reihe ,Terra X' will das Zweite 45 Minuten über den Bergbau der Kelten berichten", freut sich Herbert Gratzer. "Ostern 2018 will es die Folge senden. Ich bin gespannt, wie wir dort gezeigt werden. Den Sendetermin erfahren wir rechtzeitig. Dann geben wir ihn weiter."

Quelle: RP
 
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