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Moers
Kunst als Show

Moers. 16 renommierte Künstler stellen bis Ende September ihre Arbeiten im Seewerk in Kapellen aus. Der Kasseler Bildhauer Günter Stangelmayer hat die Installation für die Kulturinsel in der Nepix Kull geschaffen. Von Jutta Langhoff

Bilder, Skulpturen Fotos, riesige Kunstinstallationen, und Performances. Zeitgenössische Kunst hat viele Gesichter. Wie schon in den letzten Jahren, bietet auch die diesjährige große Sommerausstellung im Kapellener "Seewerk" davon eine Reihe beeindruckender Beispiele. Insgesamt 16 deutsche und internationale Künstler zeigen dort bis Ende September in und an den Gebäuden der ehemaligen Dujardin-Farbrik, sowie auf dem umliegenden Gelände ihre Arbeiten in einer facettenreichen Werkschau.

Am Samstag um 15 Uhr war die Eröffnung. Der eigentliche Auftakt fand jedoch schon eine Stunde früher im Moerser Schlosspark an der dortigen Kulturinsel "Nepix Kull" statt. Hier hatte der Kasseler Künstler Günter Stangelmayer bereits am Mittwoch letzter Woche mit dem Aufbau einer 25 Meter langen und fünf Meter hohen Skulptur begonnen, die an diesem Samstag in einer kleinen Freiluft-Vernissage eingeweiht werden sollte. Die Skulptur besteht aus insgesamt 27 gleichgroßen, quadratischen Rahmenelementen, die auf den ersten Blick wirken, als habe man sie irgendwie ziellos über einander geworfen. Was allerdings täuscht, denn die Module sind mit großer Präzision so in- und aufeinander angeordnet, dass die Gesamtskulptur ohne jede Befestigung auskommt. Darüber hinaus wurde sie bewusst so gestaltet, dass sie dem Betrachter je nach Blickwinkel mal sehr kompakt und dann wieder ganz offen und luftig erscheint.

Nach einer kurzen, von der Ausstellungsmacherin Angelika Petri gehaltenen Laudatio hatten die Besucher dann die Möglichkeit, sich 45 Minuten später mit einem vom "Seewerk" zur Verfügung gestellten Bus zur nächsten Ausstellungseröffnung an den Kapellener Silbersee bringen zu lassen, wo sie bereits von den anderen an der diesjährigen Ausstellung beteiligten Künstlern erwartet wurden. Das waren in diesem Fall unter anderem der fast schon zum menschlichen "Inventar" des "Seewerks" gehörende Bildhauer Anatol Herzfeld, die spanische Performance-Künstlerin Mavi Garcia, der für seine originellen Papierreliefs bekannte Moerser André Schweers und die junge Fotodesignerin Leonie Heinrichs, um nur einige Namen zu nennen.

Dabei stellte Anatol Herzfeld, dessen überdimensionaler, stählerner "Schmetterlingsmann" inzwischen zu einer Art Symbolfigur des Geländes geworden ist, diesmal seine mit dem Seewerkinhaber Frank Merks gemeinsam gestaltete, neueste Skulptur, eine aus zahllosen zusammengeschweißten Stahlplatten bestehende, allerdings noch nicht ganz fertige Gestalt eines Bergmanns vor. Das im fertigen Zustand vier Meter hohe Kunstwerk soll demnächst in Neukirchen-Vluyn auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Niederberg aufgestellt werden. Ganz anders, aber nicht weniger spannend präsentierte sich an diesem Nachmittag die spanische Künstlerin Mavi Garcia. Gemeinsam mit einer Freundin hatte sie angekündigt, in einer spektakulären Pudding-Performance mit an Gummibändern gefesselten Händen und verbunden Augen eine riesige Schüssel Wackelpeter leer zu schlecken. Weitere künstlerische Attraktionen der diesjährigen "Seewerk"-Ausstellung sind außerdem die in monochromen Erdtönen gemalten Menschenbilder des Aachener Malers Kai Savelsberg und die aus Ton und anderen Materialien gestalteten "Mumienfragmente" der in Düsseldorf heimischen Bildhauerin Gisela Machalz, sowie eine riesige, aus kreuz und quer verspannten Plastikbändern bestehende Wandinstallation von Tim Eiag gleich am Eingang des Ausstellungsgeländes.

Das "Seewerk" ist ein von Angelika Petri und Frank Merks vor gut zehn Jahren geschaffenes Ausstellungsforum für zeitgenössische Kunst auf dem Gelände der ehemaligen Dujardin-Fabrik am Kapellener Silberseeweg 1. Die Ausstellung dauert bis zum 30. September und jeweils samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr besucht werden. Informationen gibt es unter www.das-seewerk.de.

Quelle: RP
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