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Moers
Kuscheltiere in der Notaufnahme

Moers: Kuscheltiere in der Notaufnahme
Mila und Ilias hatten beim Teddy-Krankenhaus im vergangenen Jahr sichtlich Spaß. FOTO: KBM/Engel-Albustin
Moers. Am Samstag herrschte großer Andrang im Park neben dem Krankenhaus Bethanien. Mehr als 500 "kranke" Kuscheltiere konnten sich beim Tag der offenen Tür in der Teddy-Klinik verarzten lassen. Von Peter Gottschlich

Das Projekt soll den kleinen Besuchern die Angst vor dem Krankenhaus nehmen. Sebastians Tiger kann seit einigen Tagen nicht mehr richtig hüpfen. Kaum ist er mit seinem Kuscheltier im Untersuchungszelt der Teddy-Klinik angekommen, stellt die Auszubildende Alexandra schnell fest – der kleine Tiger muss geröntgt werden.

Sie vermutet eine starke Verstauchung oder einen Bruch im linken Bein, doch genaueres muss bei einer weiteren Untersuchung ermittelt werden. Schnell stellt sie noch ein Rezept für Teddy-Schmerzmittel für die Apotheke aus, die der vierjährige Sebastian später abholen kann.

Kaum sind Sebastian und Tiger aus dem Zelt raus, stellen sie sich auch schon die Schlange des Röntgen-Zeltes. Hier arbeiten gleich zwei Röntgengeräte nebeneinander, um möglichst viele Kuscheltiere zu versorgen. Beim Röntgen steht die Diagnose dann fest: Es ist nur eine Verstauchung und Tiger wird schnell genesen. Mit einem Verband, den Sebastian mit binden darf, sollte er bald wieder hüpfen können.

Während Tiger noch Glück hatte und mit einem Verband davongekommen ist, sieht es im Nachbarszelt schon dramatischer aus. Der Stoffbär des dreijährigen Colin muss dringend operiert werden. Seine Nase ist kaputt und ein paar Fäden hängen heraus. Andrea Otten, Kinderkrankenschwester, hat trotzdem Hoffnung für Colins Bär. "Das können wir bestimmt noch nähen", beruhigt sie Colin, während sie ihm schon einmal die OP-Haube gibt.

Doch zunächst einmal wird die Nase großzügig desinfiziert und natürlich auch betäubt. Die Betäubungsspritze darf der kleine Colin selber setzen, doch danach gilt es für ihn die Pfote seines Teddys zu halten, damit er die Operation gut übersteht. Nach ein paar Stichen sieht die Nase wieder wie neu aus und Colin und sein Bär sind entlassen.

Am Samstag wurden mehr als 500 Teddys, Giraffen, Löwen und weitere Kuscheltiere verarztet, genäht und geröntgt. Sabine Robakowski, die das Teddy-Krankenhaus organisatorisch leitet, freut sich über die vielen Besucher. "Ich glaube, dass die Kinder wirklich etwas mitnehmen und lernen können", erzählt sie.

Denn mit den einzelnen Untersuchungsstationen sollen die Kinder den Alltag des Krankenhauses spielerisch in einer neutralen Umgebung kennenlernen. "Die Teddy-Klinik ist eine Art Rollenspiel für die Kinder. Heute sind sie die Eltern und ihr Kuscheltier die Kinder, um die sich kümmern müssen", erzählt Robakowski.

Auch Doktor Michael Wallot, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin ist am Samstag unter den vielen ehrenamtlichen Betreuern. Er hilft bei der Anmeldung der Kuscheltiere und misst die Größe und das Gewicht der Tiere.

Wallot erhofft sich von dem spannenden Projekt auch einen psychologischen Erfolg. "Für die Kinder ist diese Teddy-Klinik sehr wichtig. Wenn die Kinder sehr krank sind, fühlen sie sich unglaublich ausgeliefert. Heute tauscht das Kind die Rolle. Wir erhoffen uns, dass das Kind in einer Ernstsituation ruhiger umgeht"; erklärt Wallot.

Quelle: RP
 
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