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Klingelbeutel
Langmut - ein Fremdwort?

Klingelbeutel: Langmut - ein Fremdwort?
FOTO: Dieker Klaus
Moers. Es steht im Hohen Lied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief und wird oft in Hochzeitsgottesdiensten vorgetragen. Ich lese es auch im Schreiben von Papst Franziskus über die Familie. Zwei Abschnitte gibt er diesem Wort Langmut und dazu noch zwei für das Wort Güte, denn bei Paulus heißt es: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig."

Im Gespräch mit Grundschulkindern merke ich, dass sie das Wort "langmütig" noch nie gehört haben. Sie staunen über so ein Wort. Sie versuchen, ihm nachzuspüren: Da ist jemand, der lange Mut hat, vielleicht jemand, der etwas sagt und nicht gehört wird, und der es trotzdem wiederholt.

Normalerweise werden wir ja schnell ungeduldig und laut, wenn etwas nicht so läuft, wie wir gedacht hatten. Papst Franziskus schreibt: "Langmut zeigt sich, wenn der Mensch sich nicht von seinen Instinkten leiten lässt und vermeidet, jemanden anzugreifen. Wenn wir die Langmut nicht pflegen, werden wir immer Ausreden haben für Antworten aus dem Zorn heraus. Die Langmut festigt sich, wenn ich anerkenne, dass der andere genauso ein Recht hat, auf dieser Erde zu leben, gemeinsam mit mir und so wie er ist. Die Liebe hat immer ein tiefes Mitgefühl, das dazu führt, den anderen als Teil dieser Welt zu akzeptieren, auch wenn er anders handeln sollte, als ich es gerne hätte." Sagen Sie jetzt nicht, der Papst hat gut reden. Würde es unserer Welt nicht gut tun, wenn weniger instinktive Abwehr, Zorn und Selbstverteidigung das menschliche Zusammenleben bestimmen würden, und wir mehr in der langmütigen Liebe wären?

FRANZ ANSTETT IST PFARRER ST. QUIRINUS, NEUKIRCHEN-VLUYN.

Quelle: RP
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