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Serie Mein Viertel
Lebendige Gemeinschaft in Repelen

Serie Mein Viertel: Lebendige Gemeinschaft in Repelen
Traute Olyschläger-Ohlig kennt ihren Ortsteil Repelen wie ihre Westentasche. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Traute Olyschläger-Ohlig kennt sich in Repelen so gut aus, wie kaum jemand. Ein Spaziergang durch ihr Viertel. Von Tanja Karrasch

Repelen Die Theke des Hotels "Zur Linde" ist für Traute Olyschläger-Ohlig ein Stückchen Heimat. Hier trinkt sie Cappuccino, isst Spekulatius und erzählt mit Küchenchef Peter Waldmann und ihrer Freundin Karin Fünderich, die nach dem morgendlichen Sport dazustößt. Montags findet dort ihr Frauenstammtisch statt, an anderen Tagen die Mitgliederversammlungen von Repelen aktiv. Seit 1992 ist die 65-jährige Vorsitzende des Vereins, zusätzlich arbeitet sie für eine Versicherung, ist Schöffin und kümmert sie sich mit Leidenschaft um ein großes Grundstück in Kohlenhuck. Man mag sich fragen, wie viele Stunden ihr Tag hat, ob sie auch mal nichts tut: "Ich habe einen tollen Aufsitzrasenmäher, darauf kann ich entspannen", lautet Olyschläger-Ohligs Antwort darauf.

Mit ihrer Mutter zusammen wohnt sie in ihrem Elternhaus auf einem großen Bauernhof, ihre beiden Töchter sind erwachsen, eine wohnt noch in Repelen, die andere ist nach Mülheim gezogen. Seit ihr zweiter Ehemann vor sechs Jahren plötzlich verstarb, versucht sie, jeden Tag bewusst zu genießen, schätzt den Zusammenhalt und ihre Freundschaften in Repelen noch mehr. Der Ort bedeutet Heimat für die lebensfrohe Frau, hier ist sie geboren und zur Schule gegangen. Einige Jahre hat sie in Kamp-Lintfort gewohnt, dann kehrte sie nach Repelen zurück. "Irgendwo anonym in einer großen Stadt zu leben, das wäre nichts für mich", sagt sie.

Anonym ist Traute Olyschläger-Ohlig wohl nie in Repelen unterwegs - von allen Seiten grüßen sie die Menschen, wenn sie durch den Ort geht. Seit vielen Jahren gestaltet sie diesen mit, unterstützt, denkt weiter, verändert. Für Olyschläger-Ohlig ist das ehrenamtliche Engagement selbstverständlich. Auf dem Platz vor dem Hotel bleibt sie stehen, blickt zum Kirchturm der Dorfkirche hinauf. "Da können wir mal hochklettern, da gibt es ein Museum", sagt sie. Erst am Abend vorher war sie in der evangelischen Kirche beim Mitsingkonzert. Im angrenzenden Gebäude hat Olyschläger-Ohlig ihre PTA-Ausbildung gemacht. Ein Stück die Straße hinunter befindet sich die Metzgerei Olyschläger. 22 Jahre lang hat sie diese geführt. "Dadurch kenne ich natürlich auch viele Menschen hier im Ort", sagt sie.

Mit der Wintersonne im Gesicht spaziert sie die Straße "An der Linde" entlang. Zu jedem Haus kennt sie ein paar Fakten, weiß, wer dort wohnt, was es mit einem uralten Backhäuschen auf sich hat oder wann die Häuser gebaut worden sind. Am Kriegerdenkmal liegt ein verwelkter Blumenkranz. "Den haben wir noch am Volkstrauertag hier abgelegt", erklärt Olyschläger-Ohlig. Eine Initiative von Repelen aktiv. Die Gemeinschaft ist für die Moerserin das Besondere an Repelen: "Wir sind eine sehr lebendige Gemeinde, hier gibt es eigentlich keine Probleme", sagt sie. Auch die Infrastruktur schätzt sie: "Wir haben viele Frisöre, Schulen, ausreichend Supermärkte, wir sind verkehrstechnisch sehr gut angebunden". Und auch einige Besonderheiten hat Repelen zu bieten: so wie gleich drei Moscheen, einen Fußballverein der in der Landesliga spielt, drei Windräder, ein Bordell und die Grafschafter Weinbergschneckenzucht.

Nur eines sollte sich in Repelen ändern: "Repelen ist schon immer zweigeteilt gewesen. Es gibt den aktiven Teil rund um den alten Ortskern herum, mit vielen Menschen, die sich kennen und engagieren. Doch wenn man hinter dem Marktplatz weitergeht, da sieht das etwas anders aus." Olyschläger-Ohlig wünscht sich eine bessere Kommunikation zwischen den beiden Teilen.

Durch den Jungbornpark geht Olyschläger-Ohlig gerne mit ihrem Hund spazieren. Der Barfußpfad, den sie mit Repelen aktiv realisiert hat, ist in den Wintermonaten geschlossen.

Am Eingang blickt sie über den Zaun: "Letztens haben sie den Kasten hier aufgebrochen, in den man das Eintrittsgeld schmeißt", sagt Traute Olyschläger-Ohlig. "Allerdings nicht den Teil, wo das Geld drin ist, sondern den von den Plastikchips."

Die Reparatur hat den Verein trotzdem viel Geld gekostet - auch in Repelen ist eben nicht nur heile Welt. Einen großen Steinbrocken im Barfußpark hat sie aus der Eifel nach Repelen gebracht. "Wenn man seinen Kopf hineinsteckt und Geräusche macht, hört man ein Summen", sagt sie. Es ist eine der vielen Ecken von Repelen, in denen ein Stückchen Traute Olyschläger-Ohlig steckt.

Quelle: RP
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