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Moers
Lineg wühlt eine Woche länger im Schlamm

Moers. Das Unternehmen lässt im nördlichen Teil des Moerser Stadtgrabens eine Schicht von 1,50 Meter Tiefe abtragen und entsorgen. Von Jürgen Stock

Zu den schnellsten Wasserfahrzeugen gehört das Gefährt, das derzeit seine Bahnen auf dem nördlichen Teil des Moerser Stadtgrabens zieht, zweifelsohne nicht. Sehr wohl aber zu den gründlichsten. Seit Anfang des Monats ist der Schneidkopf-Saugbagger einer niederländischen Firma hinter dem Rathaus auf dem Gewässer unterwegs, um mit einem Rüssel Schlammschichten abzutragen. Über eine Rohrleitung wird die Masse dann zu einer Siebbandpresse an der Repelener Straße befördert, wo die Trockenmasse vom Wasser geschieden wird. Noch bis zum 5. Dezember werden Moerser Gelegenheit haben, sich das Spektakel anzusehen.

"Ursprünglich wollten wir in der kommenden Woche bis nach Weihnachten Pause machen und die Arbeiten dann im Januar wieder aufnehmen. Aber wir sind so gut vorangekommen, dass wir beschlossen haben, den zweiten Abschnitt vorzuziehen, so dass wir in einem durcharbeiten werden", erklärt Marie Dedussi, Projektleiterin der Linksniederrheinischen Entwässerungsgenossenschaft Lineg.

Bereits im Oktober war mit dem Abfischen des Grabens begonnen worden. Dabei gingen den Lineg-Mitarbeiter Aale, Karpfen, Rotaugen und sogar etliche Raubfische ins Netz. "Damit hatten wir eigentlich gar nicht gerechnet", sagt Dedussi. 2007 hatten Stadt und Lineg bereits den im Park gelegenen Teil des Grabens in Angriff genommen. In dem Bereich nördlich des Rathauses hatten sich die Sedimente vor dem Ausfluss des Moersbaches hingegen jahrzehntelang ungestört absetzen können. "Die Schlammschicht war bis zu 1,50 Meter tief, 40 Zentimeter tiefer als wir angenommen hatten", sagt Dedussi.

"Im Sommer war hier kaum noch Wasser drin, und es roch entsprechend", sagt Jürgen Sommerfeld von der Stadt Moers, dessen Büro nur einen Steinwurf entfernt von dem Gewässer liegt. Er freut sich nicht nur darüber, wie schnell die niederländischen Wasserprofis arbeiten. Anders als befürchtet habe man von der Entschlammung weder etwas gehört noch gerochen. Dennoch scheinen die Geräusche ausgereicht zu haben, die dort in früheren Jahren häufig anzutreffenden Nutrias zu verscheuchen. Die wurden dort schon seit Monaten nicht mehr gesichtet. Gefahr, dass die Tiere mit angesaugt werden könnten, bestehe nicht, versichert die Lineg. Die Saugbagger seinen mit entsprechenden Filtern ausgestattet.

Dass die Lineg die Auskofferungs- und Entsorgungsanlagen einem niederländischen Unternehmen übertragen haben, passt ganz gut zur Geschichte der Grafenstadt. Schließlich war es Moritz von Oranien, der die Stadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach niederländischem Vorbild als Festungsstadt ausbauen ließ, deren sternförmiger Grundriss immer noch gut im Stadtbild zu erkennen ist.

450.000 Euro kostet das Ausbaggern des nördlichen Grabenteils. Die Summe ist auch deshalb so hoch, weil die Sedimente mit Schwermetallen belastet sind und auf einer Deponie entsorgt werden müssen.

Inzwischen überlegen Lineg und Stadtverwaltung die nächsten Sanierungsschritte. So sollen weitere Schleusen im Grabensystem durch fischgängige Sohlgleiten ersetzt werden. Außerdem steht die Befestigung der teilweise unterspülten Wälle an. Die wurden früher durch Bongossi-Schwellen gehalten. Doch die sind heutzutage aus ökologischer Sicht in deutschen Parks ungefähr so gern gesehen wie Nutrias in einer historischen Uferböschung..

Quelle: RP
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