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Unsere Woche
Löst die Kultur GmbH auf!

Moers. Unsere Demokratie lebt von Transparenz. Immer dann, wenn Politiker glauben, etwas verheimlichen zu müssen, sollten beim Bürger die Alarmglocken schrillen.

Da hat die SPD auf den letzten Drücker noch einmal ein schönes Eigentor vermieden. Nun hat sie doch Beobachter zugelassen, die dem gemeinen Volk Bericht abstatten dürfen, wie sich die Bewerber um ein Bundestagsmandat im parteiinternen Wettstreit geschlagen haben. Hinter geschlossenen Türen zu tagen, wäre auch ziemlich dämlich gewesen. Schließlich ist es für die meisten Bewerber die erste Chance, sich einem größeren Kreis präsentieren zu können.

Eine solche Einsichtsfähigkeit möchte man dem Moerser Rat auch wünschen. Noch in diesem Monat soll ein Workshop beginnen, der sich mit der Zukunft des Moers Festivals befasst. Es steht zu befürchten, dass diese Arbeitsgruppe eher ein Closed Shop wird und die Öffentlichkeit außen vor bleibt.

Jedenfalls war Geheimniskrämerei bislang das oberste Handlungsprinzip des Aufsichtsrates der Kultur GmbH, die ja vermutlich auch den neuen Workshop managen soll. Die Aufsichtsratsvorsitzende Carmen Weist (SPD) fand in der Vergangenheit immer wieder großen Gefallen daran, Kritiker auf die Rechtslage hinzuweisen: Die verpflichtet Aufsichtsratsmitglieder nämlich zur Verschwiegenheit. Insofern ist ihr auch kein Vorwurf zu machen, dass sie versuchte, unter der Decke der GmbH zu halten, was immer sich dort gerade abspielte. In der Praxis sickerte aber immer wieder mal etwas durch. Einzelne Informationsbröckchen, die jeder so nutzen konnte, dass sie in seine eigene Argumentationslinie passte. So kennen derzeit nur die Mitglieder des Aufsichtsrates die Zahlen genau, wegen der sich der ehemalige künstlerische Leiter desaFestivals, Reiner Michalke, und Kultur GmbH-Geschäftsführer Dirk Hohensträter in die Haare gerieten.

So darf es nicht weiter gehen. Der Moerser Rat muss jetzt seine Verantwortung wahrnehmen und die Kultur GmbH auflösen. Die Festivalhalle wird, der Enni eingegliedert, die Kultur GmbH wird wieder der Stadt eingegliedert. Das hätte den Vorteil, dass alle Vorgänge ums Festival einem Ausschuss der Stadt vorgelegt werden müssen. Die allermeisten Sachverhalte könnten dort öffentlich erörtert werden. Themen, in denen etwa das Persönlichkeitsrecht eine solche Transparenz verbieten, könnten in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verlegt werden.

Carmen Weist wäre dann nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzende, sondern nur noch Ratsmitglied und Dirk Hohensträter könnte wieder das tun, was er am besten kann: Schöne Sportanlagen bauen.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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