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Moers
LVR ehrt Bernhard Schmidt

Moers. Vorsitzender des Vereins "Erinnern für die Zukunft" hat Rheinlandtaler erhalten. Von Josef Pogorzalek

Als Durchschnittsmensch wundert man sich manchmal, wie umtriebig, kreativ, vielfältig engagiert und interessiert andere sein können. Dr. Bernhard Schmidt gehört zu jenen stets agilen Zeitgenossen, die in einem Leben auf die Beine stellen, was andere auch in sieben nicht schaffen würden. Seine Lebensleistung "hätte gleich für mehrere Rheinlandtaler gereicht", lobte denn auch Getrud Servos, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, den Moerser. Im Grafschafter Museum überreichte sie ihm gestern die Auszeichnung, mit der der Landschaftsverband seit 1976 Persönlichkeiten ehrt, die sich um das Rheinland als Kulturregion verdient gemacht haben.

In ihrer Laudatio blickte Servos auf die zahlreichen Aktivitäten Schmidts zurück, der 1943 im mittelfränkischen Ansbach geboren wurde und 1976 eine neue Heimat in Moers fand. Und sie hob die Meilensteine hervor, die Schmidt zunächst als Literaturwissenschaftler gesetzt hat. Er war Lektor an der Universität Orleans und bereits 1970 Mitbegründer des Deutschen Spanischlehrerverbandes, der heute 2400 Mitglieder hat. 1974 bis 1978 vermittelte Schmidt in der Pariser Zeitschrift "Allemagne d'aujourd'hui" deutschsprachige Kultur nach Frankreich, 1981 wurde er Herausgeber des zweibändigen "Frankreich-Lexikons" - bis heute ein Standardwerk für Französischlehrer. 1990 arbeitete Schmidt am "Spanien-Lexikon" mit, 1992 organisierte er den Bundeskongress des Spanischlehrerverbands in Soest.

In Moers arbeitete Schmidt zunächst als Fachbereichsleiter, dann als Leiter der VHS. 1977 war er Mitbegründer des Internationalen Kulturkreises, 1983 Hauptinitiator der Städtepartnerschaft mit La Trinidad in Nicaragua. Bekannt ist Schmidts Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit sowie dem Widerstand in Moers. Er ist Vorsitzender des Vereins "Erinnern für die Zukunft", der Ausstellungen organisierte und ehemalige Zwangsarbeiter nach Moers holte. Und er betreut die NS-Dokumentation der Stadt.

Im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Bürgermeister Christoph Fleischhauer, Landrat Ansgar Müller sowie Ehrenbürgermeister Wilhelm Brunswick überreichte Gertrud Servos neben dem Rheinlandtaler eine dazugehörige Anstecknadel. Diese befestigte sie am Revers von Schmidts Sakko gleich neben dem Bundesverdienstkreuz. Das hatte er bereits 2000 erhalten - auf Vorschlag eines früheren ukrainischen Zwangsarbeiters, dessen Bruder in Moers ermordet worden war.

Quelle: RP
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