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Moers
Mehr Integrationskurse für Flüchtlinge

Moers: Mehr Integrationskurse für Flüchtlinge
Amar Azzoug (Mitte) ist einer der drei Sprecher des Bunten Tisches. FOTO: kdi
Moers. Der Flüchtlingsrat will seine Arbeit wieder aufnehmen, nachdem er in den vergangenen drei Jahren nur wenig Aktivität gezeigt hatte. Grund sind die steigende Anzahl von Flüchtlingen, die aus Krisengebieten nach Deutschland und damit auch nach Moers kommen.

Am Dienstagabend gab es ein erstes Treffen im Container des Bunten Tisches an der Kornstraße, an dem 40 Personen teilnahmen. Amar Azzoug berichtete, wo und wie die Flüchtlinge zurzeit untergebracht sind. Die 285 Flüchtlinge lebten auf engstem Raum, beispielsweise drei Männer in einem Zimmer mit 19 Quadratmetern, in das drei Schränke, zwei Betten und eine Matratze passten. "Selbst einem Hund stehen nach deutschem Recht zehn Quadratmeter zu", kommentierten einige Zuhörer. "Da entsteht zum Teil Lagerkoller", sagte Azzoug.

"Ich fühle mich wie im Knast"

Das unterstrich ein afrikanischer Flüchtling, der von diesem Leben auf engstem Raum berichtete, wobei der Sprecher übersetzte. "Ich fühle mich wie im Knast", sagte der Flüchtling. "Ich darf nicht arbeiten gehen und kann keinen Deutschkurs besuchen. Mit fehlt eine Struktur im Leben."

Möglichst vielen Flüchtlingen eine Struktur im Leben zu geben, war das Ziel, für das sich alle 40 Personen aussprachen. Zum einen will der Flüchtlingsrat Integrationskurse anbieten. Genauer: Sprachkurse mit 600 Unterrichtsstunden, um Deutsch zu lernen. Diese könnten über die Volkshochschule laufen. Fachbereichsleiter Ulrich Steuten sagte zu, die Organisation dieser Integrationskurse zu übernehmen. Über Spenden will der Flüchtlingsrat einigen Flüchtlingen diese Integrationskurse ermöglichen, dazu auch Deutschkurse mit weniger Stunden. "Die Volksbank Niederrhein hat einen ersten Betrag gestiftet", sagte Gisela Stoldt. Jetzt suche der Flüchtlingsrat weitere Spender.

Zu den Sprachkursen kommt die Begleitung der Flüchtlinge, beispielsweise bei Gängen zu Ämtern und Ärzten. "Das gibt den Betroffenen eine ungeheure Sicherheit", unterstrich Azzoug. So ging am Ende des Treffens eine Liste herum, auf der sich Engagierte eintrugen, die diese Begleitung übernehmen wollen. Ein drittes Thema, das der Flüchtlingsrat angehen will, ist die Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnungen von Privatpersonen oder Wohnungsbaugesellschaften. "Dazu bedarf es einer Garantieerklärung von uns", sagte der Sprecher. "Denn sonst lässt sich kein Vermieter darauf ein, weil ein Flüchtling eine Wohnung kurzfristig aufgibt, wenn er Deutschland verlassen muss."

(got)
 
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