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Moers
Mehr junge Flüchtlinge für Moers

Moers. Das Jugendamt rechnet damit, dass die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge weiter ansteigt. Von Jürgen Stock

Das Jugendamt der Stadt Moers rechnet damit, dass die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die Moers zugewiesen werden, auf 77 in diesem Jahr ansteigen wird. Bisher war von 32 Kindern und Jugendlichen die Rede. Das berichtete gestern Verena Breuer vom Fachbereich Jugend der Stadt. Doch bedeutet die Zahl der von Moers aus zu betreuenden Jugendlichen nicht automatisch, dass diese Jugendlichen auch in Moers untergebracht werden. So zogen die ersten beiden Jugendlichen des aktuellen Kontingents am Montag in ein Haus des Christlichen Jugenddorfs (CJD) in der Neukirchener Wiesfurthstraße 102 ein. Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer (CDU) hatte am Montag den Mietvertrag für das ehemalige Internatsgebäude unterzeichnet.

Dieser Flüchtlingsexport in die Nachbarkommune hatte für massive Verstimmung zwischen Moers und Neukirchen-Vluyn gesorgt. Fleischhauer bemühte sich gestern noch einmal, die Wogen zu glätten uns skizzierte die Chronologie der Ereignisse. "Wenn man sich den Sachverhalt anguckt, sieht man, dass die Kritik überzogen ist." Laut Fleischhauer seien der Stadt noch im November für das gesamte Jahr 2016 zwischen 25 und 35 unbegleitete junge Flüchtlinge avisiert worden. Kurz nach Weihnachten habe es dann geheißen, dass Moers binnen kurzem 32 Minderjährige aufnehmen müsse.

Als dieses Thema dann im Januar bei einem Treffen von Trägern der Jugendhilfe zur Sprache gekommen sei, habe das CJD das leerstehende Objekt in der Wiesfurthstraße angeboten. Das CJD hätte zuvor der Stadt Neukirchen-Vluyn mitgeteilt, dass die Einrichtung weiter zur Unterbringung von Jugendlichen genutzt werden solle und als Quartier für (erwachsene) Flüchtlinge nicht zur Verfügung stehe.

Um den 20. Januar herum sei dieses Angebot dann bestätigt worden. Nach Prüfung der Offerte habe die Moerser Verwaltung dann am Nachmittag des 25. Januars eine entsprechende Vorlage für den Hauptausschuss erstellt. Etwa eineinhalb Stunden vor Beginn der Sitzung am 27. Januar habe Fleischhauer dann den Neukirchen-Vluyner Bürgermeister Harald Lenßen (CDU) informiert. Der habe am Telefon erklärt, dass ihn die Moerser Pläne überrascht hätten. "Ich hätte ihn jedoch frühestens einen Tag vorher informieren können, ohne dass dies am Ergebnis etwas geändert hätte", sagte Fleischhauer. Er betonte, dass die Stadt sich in einer "Notsituation" befunden habe. Andernfalls hätte man nicht auf die Immobilie im Nachbarort zurückgreifen müssen. Allerdings verwies er darauf, dass die Jugendlichen ohnehin nach Neukirchen-Vluyn verlegt worden wären, sobald ein Gericht einen Vormund für sie bestellt habe.

Anders als erwachsene Flüchtlinge werden unbegleitete Minderjährige wie hilfebedürftige Deutsche behandelt. So gilt für sie ein Betreuungsschlüssel von 1 : 1. Breuer machte aber deutlich, dass diese Intensivbetreuung unter den gegenwärtigen Umständen nicht gewährleistet werden könne. In der Einrichtung an der Wiesfurthstraße hätten die fünf Träger, die bei dem Projekt mitarbeiten, zunächst sieben Kräfte eingestellt. Nachts sei nur eine Security vor Ort.

Quelle: RP
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