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Moers
Mein Semester in Irland

Moers: Mein Semester in Irland
FOTO: privat
Moers. Unsere Autorin Anna-Lina Heimrath aus Moers hat ein halbes Jahr am University College in Dublin studiert. Ein einmaliges Erlebnis, das sie nicht missen möchte, schreibt sie.

Bereits zu Beginn meines Studiums stand für mich fest, dass ich gerne für ein Semester ins Ausland gehen möchte. Nicht nur, weil es sich gut auf dem Lebenslauf macht, sondern vor allem, um ein neues Land über einen größeren Zeitraum kennenzulernen. Das Ziel - die grüne Insel Irland.

Nach einem Informationsgespräch an meiner Universität in Bochum und einigen organisatorischen Schwierigkeiten konnte es dann endlich im September los gehen. Der Flug war schnell gebucht, die Suche nach einer Unterkunft stellte sich jedoch als wesentlich komplizierter heraus. Denn rasch stellte ich fest, dass kaum ein Vermieter in Irland seine Wohnung ohne einen persönlichen Besichtigungstermin abgibt. Studenten sind leider generell eher unwillkommen als potenzielle Mieter. Also buchte ich über eine Reise-Plattform vorerst ein Zimmer für zwei Wochen, um mich vor Ort nach einer geeigneten Bleibe für die nächsten vier Monate umzusehen. Da meine zukünftige Universität, das "University College Dublin", außerhalb der Stadt im Süden liegt, wollte ich gerne im Umkreis ein WG-Zimmer finden. Leider ist der Süden auch eine der teuersten Wohngegenden in Dublin. Nach vielen Telefonaten und Gesprächen fand ich dann endlich ein kleines Zimmer in einem kleinen Haus mit drei Mitbewohnern. Zwar weiter im Süden, als ich es mir gewünscht hatte, dafür bezahlbar.

Nach dem tagelangen Stress der Wohnungssuche machte ich mich auf, um mir meine Universität erst einmal genauer anschauen. Besonders überrascht war ich von der Sicherheit auf dem Campus. Kameras waren an fast jeder Ecke, große Jeeps mit Securities fuhren ständig auf und ab. Die moderne Architektur der Universität und das freundliche Klima ließen jedoch meine Vorfreude dann wieder steigen. Da ich über das Erasmus-Programm meinen Studienplatz bekommen habe, gab es speziell für Austauschstudenten eine Kennenlernwoche mit Campusführungen, Ausflügen und kostenlosen Aktivitäten. Schnell lernte man andere Austauschstudenten aus der ganzen Welt kennen. Doch wirkliche Freunde fand ich erst, als die Kurse losgingen und ich durch die vielen kleine Tutorien, die an irischen Universitäten üblich sind, nette Kommilitonen kennen lernte.

Hilfreich war auch die so genannte "Freshers Week", in der sich eine Woche lang die verschiedenen Sportclubs und Vereine präsentierten. Auch für internationale Studenten gab es jede Menge Angebote. So gab es zum Beispiel eine "German Society", die jeden Dienstag zu einem typisch deutschen Kaffeeklatsch einlud. Hier konnte man sich mit vielen irischen Studenten treffen, und es fand ein interessanter Sprachaustausch statt. Generell war es allerdings als internationaler Student eher schwierig mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Wer sich jedoch aktiv in einem Verein oder Sportkurs beteiligte, hatte es da schon leichter. Durch die vielen Kurse und Clubs war es sehr einfach, sich an die englische Sprache zu gewöhnen. Lediglich bei Ausflügen in den Norden Irlands war der irische Akzent wesentlich stärker hörbar und machte die Verständigung etwas schwieriger. An der Universität in Dublin haben jedoch die meisten Dozenten in einem sehr verständlichen Englisch gesprochen. Und durch die vielen kleinen Kurse gab es zudem ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Dozenten - einer der größten Unterschiede zu meiner Heimatuniversität. Generell waren die Veranstaltungen und Vorlesungen anders gestaltet, als ich es in Deutschland gewohnt war. Anwesenheit und regelmäßige Teilnahme waren eine Voraussetzung, während an meiner Heimatuniversität eher ein anonymes Verhältnis zwischen Dozent und Student herrscht. Ein weiterer Unterschied waren die Leistungen, die man erbringen musste. Regelmäßige Hausaufgaben und Referate und die so genannten "Mid-Semester"-Prüfungen zwangen einen, schon früh mit dem Lernen anzufangen.

Doch gerade als internationaler Student war dieses freundschaftliche Verhältnis eine große Hilfe. Bei Fragen oder Verständnisschwierigkeiten bekam man schnell eine Antwort und die Dozenten waren sehr hilfsbereit. Besonders beeindruckt war ich jedoch von der Freundlichkeit, mit der man generell in ganz Irland empfangen wird. Bei kleinen Trips durch das Land oder auch Ausflügen mit der Universität fand man schnell freundliche und herzliche Menschen. Und sobald man sich außerhalb von Dublin bewegte, wurde man von jedem Passanten gegrüßt und auch mal zu einem Gespräch eingeladen.

Durch das Auslandssemester in Irland haben sich daher nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessert, ich konnte auch einen Teil der irischen Freundlichkeit mit nach Deutschland nehmen.

ANNA-LINA HEIMRATH

Quelle: RP
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