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Moers/Salem
"Mein zweites Zuhause im Internat"

Moers/Salem: "Mein zweites Zuhause im Internat"
Die Moerserin Lea Schmidt vor dem Internat Schloss Salem. FOTO: Schmidt
Moers/Salem. Lea Schmidt aus Kapellen besucht das Internat Schloss Salem. Sie berichtet über ihre Erlebnisse. Von Lea Schmidt

"Wenn du das noch einmal machst, schicke ich dich aufs Internat!" Eine Drohung, die einige Kinder bestimmt schon einmal von ihren Eltern gehört haben. Ich allerdings - genau wie mein Vater und meine beiden Cousinen vor mir auch - bin freiwillig auf einem Internat. Nachdem ich von meiner Familie, welche auch der Grund ist, dass ich als Moerserin auf das Internat Schule Schloss Salem wollte, immer wieder tolle Internatsgeschichten gehört hatte und viele Internatsbücher gelesen hatte, habe ich vor vier Jahren die Entscheidung getroffen, aufs Internat Schule Schloss Salem zu gehen. Für manche mag es eine Drohung sein, für mich aber war es eine der tollsten Entscheidungen überhaupt. Nicht etwa, weil ich mich nicht gut mit meinen Eltern verstanden habe. Nein, ich habe auch nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Bei dieser Entscheidung ging es eher um die Erfahrungen, die man in einem Internat sammelt, um die Selbstständigkeit, die man schon im jungen Alter erlernt, aber auch um die engen Freundschaften, die man vor allem in einem Internat knüpft.

Der Alltag in einem Internat ist natürlich ganz anders als auf einer Tagesschule. Eine Tradition in Salem ist der sogenannte "Morgenlauf". Jeder Schüler muss direkt nach dem Aufstehen einmal ums Schloss rennen, bevor er sich fertig fürs Frühstück macht. Beim Frühstück, welches - genau wie alle anderen Mahlzeiten - im großen Esssaal stattfindet, muss jeder Schüler bis spätestens 7.30 Uhr anwesend sein. Um 7.30 finden die Ansagen statt, bei denen die Esssaalmannschaft den Schülern wichtige Informationen oder eventuell auch Änderungen für den Tag gibt. Die Esssaalmannschaft besteht aus 10 Schülern und koordiniert die Abläufe der Mahlzeiten im Esssaal. Es ist eines der vielen wichtigen Ämter, die Salem ausmachen.

Der Unterricht beginnt jeden Tag um 8 Uhr. In Salem haben wir ein Doppelstundensystem: 90 Minuten Unterricht - 30 Minuten Pause. Wir haben drei Unterrichtsfächer pro Tag, mit Ausnahme von Donnerstagen, an denen wir vier Fächer haben (bei den neuntenm Klassen ist das dienstags) und mit Ausnahme von Samstagen, an denen wir zwei Fächer haben. Wenn ich erzähle, dass ich samstags Schule habe, kommen viele oft ins Staunen und fragen, ob mir das denn nichts ausmachen würde. Natürlich ist es teilweise schon etwas nervig, dass ich jeden Samstag in die Schule muss. Aber um ehrlich zu sein, habe ich kein wirklich großes Problem damit, da sich das am Ende mit unseren Ferien wieder ausgleicht.

Nach dem Unterricht gehen alle Schüler zum verpflichtenden Mittagessen. Im Anschluss ans Mittagessen finden Aktivitäten statt. Salem ist eine sehr sportlich und musisch geprägte Schule. Es gibt ein vielfältiges Angebot von Aktivitäten, so dass die meisten Schüler ihre Hobbys von zu Hause weiterführen können. Viele finden durch dieses vielfältige Angebot aber auch ein neues Hobby. Auch ich zum Beispiel, habe in Hockey, dem offiziellen Schulsport, ein neues Hobby entdeckt.

Eine weitere Sache, die ein sehr wichtiger Bestandteil Salems ist, sind die Salemer Dienste. Ab der neunten Klasse muss jeder Schüler einen Dienst wählen. Den Dienst kann man aus Einsatzdiensten wie unter anderem Feuerwehr, THW und auch Sanitätsdienst, oder Sozialdiensten, wie unter anderem Hausaufgabenhilfe, Behindertenheim oder Naturschutzdienst wählen. Die Dienste sind eine gute Grundlage fürs spätere Leben und unterstützen vor allem die Selbstständigkeit, die man in einem Internat erlernt.

Durch die vielen Angebote und Dienste nach dem Unterricht, bleibt eher wenig Zeit, um sich mit Schulaufgaben zu beschäftigen. Dafür gibt es deshalb in Salem die 90-minütige Arbeitsstunde, welche vor dem Abendessen stattfindet. Während der Arbeitsstunde hat man Zeit um seine Hausaufgaben zu machen, um Präsentationen vorzubereiten oder auch um für Klassenarbeiten zu lernen.

Nach dem Abendessen finden nochmals Aktivitäten statt, bevor um 21 Uhr Flügelzeit ist. Es gibt sechs Jungen und sechs Mädchen Flügel. In jedem Flügel wohnen zwischen 16 und 26 Schüler. Pro Flügel gibt es einen verantwortlichen Mentor. Als Stütze für den Mentor gibt es pro Flügel einen sogenannten Helfer, ein weiteres der vielen wichtigen Ämter in Salem. Der Helfer ist ein Schüler und wird von dem ganzen Flügel gewählt. Er unterstützt den Mentor in einigen Dingen, er ist aber auch eine Ansprechperson für seine Flügelmitbewohner, falls es Probleme gibt, über die man mit dem Mentor nicht sprechen kann. Die vielen verschiedenen Ämter sind sehr wichtig für die Salemer Gemeinschaft. Jeder hat seine Aufgabe und beeinflusst somit sehr den Alltag im Internatsleben. Ohne die Ämterträger würden viele Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollen. Die Schüler haben dadurch schon früh eine große Verantwortung, was auch eine wichtige Grundlage für die Zukunft ist.

Neben dem komplett anders laufenden Alltag und den vielen verschiedenen Aufgaben, ist - vor allem für mich als Moerserin - die Internationalität ein ebenfalls wichtiger Bestandteil Salems. Moers ist keine wirklich internationale Stadt. In Salem aber, sind Schüler von überall auf der Welt. Durch diese Internationalität lernt man sehr viel kennen und verbessert vor allem seine Sprachkenntnisse. Englisch wird in Salem sehr oft gesprochen, es sprechen aber auch einige Spanisch miteinander. Neben der Möglichkeit das ABI zu machen, hat man in Salem auch die Möglichkeit das IB, den internationalen Abschluss, zu machen, wozu man in Moers eher nicht die Möglichkeit hat.

Auch wenn ich meine Familie und Freunde in Moers ziemlich vermisse, kann ich mir ein Leben ohne meinen Freundeskreis und den geregelten Tagesablauf in Salem gar nicht mehr vorstellen. Moers wird zwar immer meine Heimat bleiben, allerdings ist Salem zu meinem zweiten Zuhause geworden. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung aufs Internat zu gehen und nach wie vor glücklich dort zu sein.

Quelle: RP
 
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