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Moers
Mit Bach und Co. unterm Christbaum

Moers: Mit Bach und Co. unterm Christbaum
Solisten, Chorsänger und Instrumentalisten beim Konzert in St. Barbara. Drei Werke von Meistern des Barocks standen auf dem Programm. Das Publikum war so ergriffen, dass der Applaus erst nach einer Pause einsetzte. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Mit Barockmusik stimmte der Grafschafter Konzertchor die Besucher auf die Weihnachtszeit ein. In der St. Barbara-Kirche in Meerbeck präsentierten die Sängerschar und das Orchester ein Musikerlebnis auf hohem Niveau. Von Petra Riederer-Sitte

Bei Temperaturen im zweistelligen Bereich ist in diesem Jahr vielen so gar nicht weihnachtlich zumute. Mit einem besonderen Konzertprogramm gelang es dem Grafschafter Konzertchor, am vierten Adventssonntag doch noch eine feierliche Einstimmung auf das bevorstehende Fest zu zaubern. Das Konzertprogramm vereinte drei barocke Meister: Bach, Vivaldi und Charpentier. Das gefiel nicht nur Bürgermeister Christoph Fleischhauer, der als Schirmherr des Konzerts in seinem Grußwort erklärte: "Besonders in der Vorweihnachtszeit kann man Chor- und Barockmusik genießen. Die spezielle spirituelle Stimmung der Musik passt meiner Meinung nach am besten in diese Jahreszeit." Auch die Musikfreunde der Region wussten die Werkauswahl zu schätzen, und so durfte sich der Grafschafter Konzertchor über eine restlos ausverkaufte Kirche freuen. Mit dem Programm wollten die Sänger, so der Chorvorsitzende Rainer van Lück, "den Blick lenken auf die Weihnachtsbotschaft: Christi Geburt".

Das Adventskonzert begann mit Bachs Kantate BWV 61 "Nun komm, der Heiden Heiland". Im Eingangssatz ist die Kantate eingebettet in eine prächtige französische Ouvertüre, die nicht nur den Neubeginn des Kirchenjahres, sondern vor allem den bevorstehenden Einzug Gottes in seine Schöpfung versinnbildlicht. Für intensives Streicherspiel sorgte in St. Barbara die Capella Antiqua unter ihrer Konzertmeisterin Natascha Lenhartz. Die Erfahrung der Musiker in historischer Aufführungspraxis, auf authentischen Instrumenten und in der historisch informierten Spielweise, gewährleistete ein differenziertes und rhythmisch prägnantes Musizieren, das auch im Zusammenklang mit den von Hans-Günther Bothe in angemessenem Tempo und solider Intonation geführten Chorstimmen überzeugend ausgewogen blieb. Tenor Christian Dietz gestaltete Rezitativ und Arie angenehm zurückhaltend und unaufdringlich, unterstützt durch ein farbiges und lebhaftes Streicherspiel, das nirgends an die oft bescholtene Einförmigkeit deutschen Bachspiels erinnerte. Einen gefühlvollen Gegenpart brachte Sebastian Klein (Bass), der die Arie "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an" eindringlich und doch sehr behutsam sang. Sopranistin Theresa Nelles hielt das Vibrato in der "Öffne dich"-Arie eher eng gefasst, doch ihre ausdrucksstarke Stimme ließ schon hier erahnen, zu welchen Höhenflügen sie später in Charpentiers Mitternachtsmesse fähig sein würde.

Nach dem wundervoll pulsierenden und vibrierenden Schlusschoral, in dem Chor und Orchester glanzvoll wetteiferten, wurde auch Vivaldis "Magnificat" emotional bewegend und in gut abgestimmtem Wechsel mit den Solostimmen dargeboten. Einziger Missklang war ein offenbar durch ein übersteuertes Hörgerät verursachtes hohes Pfeifen, das im ganzen Kirchenraum sirrte und den Dirigenten fast verzweifeln ließ. Doch der Charme von Marc-Antoine Charpentiers populärer "Messe de Minuit", einer ausdrücklich für Weihnachten komponierten Messe, triumphierte mit klanglicher Frische und ungezwungener Schlichtheit im homogenen Miteinander von Orchester, Chor und Solistenquintett, in dem neben Talitha van der Spek (Mezzosopran) mit ihrem innigen und facettenreichen Part auch die junge Sopranistin Rebecca Schlünkes aus den Reihen des Grafschafter Konzertchors zu erwähnen ist, die sich neben den Profis durchaus behaupten konnte. Nach dem "Dona nobis pacem" gab es in der Kirche einen andächtigen Moment der Stille, bevor der begeisterte Applaus einsetzte.

Quelle: RP
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