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Moers
Mit Musik und Worten zurück in Kästners Kindheit

Moers. "Der Weltkrieg hatte begonnen, und meine Kindheit war zu Ende." So beschreibt Erich Kästner in seiner Erzählung "Als ich ein kleiner Junge war" den Kriegsausbruch im August 1914. Von Peter Gottschlich

Die kleine Welt der Handwerkerfamilie Kästner bezieht der Kinderbuchautor auf die große Welt des Kaiserreiches, lässt sie manchmal entgegenlaufen und manchmal zusammen. So erzeugt er eine Spannung, die er satirisch untermalt. Katja Stockhausen und Tim Isfort präsentierten Passagen aus "Als ich ein kleiner Junge war" in einer musikalischen Lesung im Moerser Schloss. Schließlich ist dort gerade die Sonderausstellung "Kriegsspiel - Der Erste Weltkrieg im Kinderzimmer" zu sehen.

Dabei hatte Erich Kästner, der 1899 in Dresden geboren wurde und durch sein Kinderbuch "Emil und die Detektive" über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt wurde, zwar Kriegsspielzeug, aber gar kein Kinderzimmer, wie die 50 Zuhörer im Rittersaal des Moerser Schlosses erfuhren. Auf einer Treppe im Wohnhaus in Dresden habe er mit seinen Nürnberger Zinnsoldaten Schlachten aufgebaut, las Katja Stockhausen aus seiner Erzählung vor, die Kästner erst mit 58 Jahren veröffentlichte. Sie hätten um eine Zugbrücke aus dem Mittelalter gekämpft. Und er sei der Frontgeneral beider Seiten gewesen. Sobald die Schlacht geschlagen gewesen sei, hätten neutrale Sanitäter das Feld aufgeräumt.

Tim Isfort illustrierte diesen Ausschnitt mit improvisierten Musik, die wie eine Filmmusik im Kopf der Zuhörer Bilder entstehen ließ. Der Moerser Musiker zupfte und strich seinen Bass. Zum Teil nahm er dessen satten Klang auf, um ihn über eine Loopstation elektronisch wiederholen zu lassen.

Parallel dazu spielte er Instrumente, mit denen Kinder ihre ersten musikalischen Erfahrungen machen, zum Beispiel Glockenspiel, Trommel, Flöte, Gong oder Luftballon. "So stelle ich das gesprochen Wort in eine andere Ebene", sagte Isfort.

Quelle: RP
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