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Moers
MO-Schilder für Dinslakener Islamisten?

Islamist aus Dinslaken festgenommen
Islamist aus Dinslaken festgenommen FOTO: dpa, rs pzi
Moers. Dinslakenern ist es schon seit geraumer Zeit aufgefallen: In ihrer Stadt fahren auffallend viele Fahrzeuge mit MO-Kennzeichen herum. Warum das? Nicht wenige sind überzeugt davon, dass dahinter die Lohberger Islamistenszene steckt. Denn auch dort sind Autos mit MO-Kennzeichen unterwegs. Und wofür sollte MO denn anders stehen als Mohammed? Von Jürgen Stock

Tatsächlich haben in Dinslaken 241 Bürger statt des alten WES-Schildes seit dem Beschluss des Kreistags, der diese Änderung ermöglichte, ein MO-Wunschkennzeichen beantragt. Dagegen gibt es nur 58 Moerser, die mit DIN unter der Motorhaube herumfahren. Statistisch scheint dies zunächst einmal den Verdacht zu bestätigen. Denn die Einwohnerzahl von Moers ist rund gerechnet etwa um ein Drittel größer als die von Dinslaken. Mithin sollte es es in Moers also eher mehr DIN-Zulassungen geben als es MO-Wünsche in Dinslaken gibt. Und selbst wenn man annimmt, dass die Zahl der heimatkranken Exildinslakener in Moers geringer ist als die der Rheinseitenwechsler in Dinslaken, dürfte die Zahl der Kennzeichen maximal gleich sein.

Das MO-Kennzeichen ist auch oft in Dinslaken zu sehen. FOTO: Archiv

Doch solche Zahlenspiele können Guido Bleckmann, Leiter der Zulassungsstelle in Moers, nicht überzeugen. "Wir können zwar nicht überprüfen, welcher Konfession ein Antragsteller auf ein Wunschkennzeichen angehört und daher auch nicht ausschließen, dass es Islamisten mit MO-Kennzeichen gibt. Aus unserer Erfahrung spricht jedoch nichts dafür, dass im Kreis Wesel Kfz-Kennzeichen zu ideologischen Bekenntniszwecken genutzt werden."

Bleckmann sieht vielmehr praktische Gründe, die das MO-Kennzeichen auch für Dinslakener attraktiv macht. "Mit zwei Buchstaben lassen sich einfach leichter Wortkombinationen bilden wie etwa Moni oder Most. Das ist mit DIN schon schwieriger." Geht aber auch, wie das Beispiel des Moerser FDP-Fraktionsvorsitzenden Dino Maas zeigt, der mit einem DIN-O-Kennzeichen durch die Lande fährt. Außerdem stehen Kennzeichen mit drei Anfangsbuchstaben in Deutschland für kleinere Kreise. Da möchten sich viele im Urlaub nicht als Landpomeranzen ausgeben und bevorzugen die kürzere Variante, sofern sie verfügbar ist. "Auch in Kamp-Lintfort, Rheinberg oder Sonsbeck wird das Moers-Kennzeichen immer beliebter", sagt Bleckmann. In Moers selbst hat MO WES ohnehin schon längst bei den Neuzulassungen überflügelt. Inzwischen ist mehr als ein Drittel aller Fahrzeuge mit einem MO-Nummernschild ausgestattet.

Der Altmarkt Stadtmitte in Dinslaken. FOTO: dpa, rwe pzi

Wären Islamisten in besonderem Maße an MO-Kennzeichen interessiert, so Bleckmann, dann wäre es naheliegend, dass auch Kombinationen wie MO - IS oder MO-HA besonders gefragt werden. "Dafür gibt es aber nicht den geringsten Hinweis."

Doch ganz abwegig ist die Furcht vor einer Schariarisierung des MO-Nummernschildes auch nicht. Immerhin kennt die Fahrzeugzulassungsverordnung auch den Begriff der "unerwünschten Erkennungsnummern". Darin wird den Behörden empfohlen, auf Buchstabenkombinationen wie KZ, NS oder SS zu verzichten. Zudem gibt es regionale Selbstbeschränkungen. Dazu zählt etwa im Kreis Wesel die Kombination MO-RD. Doch MO alleine bleibt für Bleckmann unverdächtig. "Was hätte ein Islamist auch davon, wenn er mit MO herumfährt? Dann denken die Leute eben, dass da ein Moerser im Auto sitzt."

Quelle: RP