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Moers
Mode aus Tischdecken und Vorhängen

Moers: Mode aus Tischdecken und Vorhängen
Bei Hudhud war vor allem Mode im Stil der 50er-Jahre zu bewundern. FOTO: Marcus Koopmann
Moers. Bei der Modenschau "Hudhud" zeigten Männer und Frauen aus Syrien ihre Kreationen. Sie war eine der meistbesuchten Veranstaltungen des Kulturfestivals "Last Exit Moers" in der Maschinenhalle Pattberg. Von Peter Gottschlich

Als Stella Louise Göke "Cheek to Cheek" aus dem Musikfilm "Top Hat" mit Fred Astaire und Ginger Rogers sang, waren 190 Zuhörer in der Maschinenhalle Pattberg begeistert. Schließlich passt dieser jazzige Song, bei dem sie von Nico Maas an der Gitarre begleitet wurde, in die Zeit, als dieses Backsteingebäude des damaligen Bergwerks Pattberg 1927 eröffnet wurde. Acht Jahre später wurde der Song von Irving Berlin für den Film "Top Hat" geschrieben, um ein Jahr später den Oscar zu erhalten, wobei "Top Hat" ein Wortspiel ist, das ausgesprochen Zylinderhut und höchster Kopf bedeuten kann. Mit dem Song endete am Sonntagmittag die musikalisch untermalte Modenschau "Hudhud", bei dem junge Models zeigten, welche Kleider Männer und Frauen aus Syrien aus hochwertigen Tischdecken, Vorhängen und Herrenhemden genäht hatten.

Es war die Einzelveranstaltung, die beim Kulturfestival bislang die meisten Zuschauer anlockte, um zwischen Elektromotoren und Wirbelstrombremsen zu sehen, wie die jungen Schneider aus Syrien mit Schneiderin Ruth Braun Textilien "upgecycelt" hatten, wie es Rainer Tyrakowski-Freese als Vorsitzender der Tuwas-Genossenschaft sagte. Auch der Gregorianische Chorgesang der Gruppe Gregorianika am zweiten Festivaltag, 10. September, oder die Comedyshow "Mann muss" am Freitagabend, 16. September, hatte für eine volle Maschinenhalle gesorgt.

Es gab aber auch Kulturangebote, bei denen weit weniger Personen in die "Menschenhalle" kamen, wie Stephan Krawczyk die Maschinenhalle zu Beginn des Festivals genannt hatte. Beim systemkritischen Liedermacher waren es 35 gewesen. Bei einigen Veranstaltungen waren es sogar nur 20, beispielsweise am Sonntagabend beim Konzert "Von den Grachten zum Benguela Riff" mit dem Quartett "Aurelio Project". "Die Besucher, die kamen, waren begeistert", sagte Mitorganisator Frederik Göke.

"Wir machen Angebote für verschiedene Publikums", nennt Konrad Göke als zweiter Organisator das Konzept für "Last Exit Moers", bei dem die Zuschauer vom 9. bis zum 25. September 30 verschiedene Angebote besuchen können. Andere sprechen von Nischenkultur, die ihr Publikum habe, ein Spezial- und kein Massenpublikum. "Es ist ein hochwertiges Kulturprogramm, das Frederik und Konrad Göke zusammengestellt haben", analysiert Michael Birr als Geschäftsführer der Moers Marketing GmbH. "Das ist ein tolle Leistung. Das Programm ist aber nichts für jeden."

Das Konzept soll auch gar nichts für jeden sein, sondern das Thema Heimat aus ganz unterschiedlichen Nischen oder Perspektiven beleuchten. Dabei haben sich im Laufe der Jahre einige Angebote entwickelt und ziehen mehr Besucher an, wie das "Upcycling" von hochwertigen Textilien. Andere sind Nischen geblieben. Ob der Tango Nuevo dazugehört, ist am Samstag, 24. September, zu sehen, wenn er am Abend des vorletzten Festivaltages im Mittelpunkt steht, zum Beispiel mit Tangokursen.

Für Konrad Göke hängt die Publikumsresonanz auch mit dem Verhalten der Niederrheiner zusammen. Zwischen dem Satz "Liebling, da müssen wir unbedingt hingehen" und dem Satz "Wir fahren los" liege das Ereignis. Der Organisator setzt neben Werbung auf Geduld und langen Atem. Dazu hofft er auf mehr Resonanz bei der zweiten Ausgabe des Kulturfestivals, das erneut die Maschinenhalle nahe der letzten Ausfahrt auf das A 42 ins richtige Licht rücken soll. "Ich will es noch vier Mal organisieren", erzählt der 65-Jährige. "2020 will ich das zum letzten Mal machen. Anfang 2021 werde ich 70."

Quelle: RP
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