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Unsere Woche
Moderator in Nöten

Moers. Nicht zu unrecht genießt Bürgermeister Christoph Fleischhauer den Ruf des großen Moderators. Eine Kostprobe seines Talents lieferte er jüngst in dieser Woche ab, als es ihm gelang eine Gruppe aufgebrachter Jugendlicher mit nichts als der Mitteilung zu besänftigen, dass er nichts für sie tun könne.

Dennoch verließ nicht nur der eine oder andere Jugendliche die Veranstaltung mit dem Gefühl , dass ehrliche Worte und ein netter Umgang mit den jungen Bürgern ein unter dem Strich unbefriedigender Beitrag zu dem Thema Personalwechsel im Repelener Juno ist.

Um es deutlich zu sagen: Da ist im hohen Moerser Norden etwas gewaltig schiefgelaufen, und die Repelener Jugendlichen dürfen es nun ausbaden. Fakt ist, dass Juno-Chef Said Boluri, dessen Vertrag zum kommenden Jahr nicht verlängert werden soll, genau die Erwartungen erfüllt hat, die man ihn ihn gesetzt hat: Er hat das Jugendzentrum belebt und "schwierige" Jugendliche - viele aus Migrantenfamilien - von der Straße geholt. Ob seinem Nachfolger das gelingt, steht noch in den Sternen.

Dennoch muss der Stadtverwaltung grundsätzlich zugestanden werden, dass sie für die Entscheidung, ob ein Mitarbeiter statt eines befristeten einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten soll, noch andere Kriterien als die Kundenzufriedenheit heranzieht. Mangelnde Führungsqualität wäre sicher ein Ausschlusskriterium. Und man muss akzeptieren, dass die Stadt solche Entscheidungsgründe mit Rücksicht auf den Betroffenen nicht offenlegt, aber: Diese Defizite sollten aufmerksamen Vorgesetzten schon früher aufgefallen sein. Offenbar gab es in der Stadtverwaltung noch im Herbst die Bereitschaft, den Vertrag Boluris in eine Festanstellung umzuwandeln. Ansonsten hätte man von einer vorausschauenden und fürsorglich agierenden Verwaltungsspitze erwarten müssen, dass sie den betroffenen Mitarbeiter informiert und dafür sorgt, dass die Stelle schnellstmöglich wieder besetzt wird. Das ist nicht geschehen.

Stattdessen gab es Hals über Kopf die Absage eines zuvor öffentlich angekündigten Vorstellungstermins für ein Projekt, das Boluri mit einem befreundeten Box-Trainer entwickelt hatte. Damit nahm man in Kauf, den in dieser Sache als Sponsor engagierten Volksbank-Chef Guido Lohmann zu brüskieren. Da scheint die Erkenntnis mangelnder Führungsqualitäten bei Boluri ziemlich plötzlich über die Verantwortlichen gekommen sein.

Solche Pannen lassen sich am Ende nicht mehr wegmoderieren. Das hat Christoph Fleischhauer in dieser Woche ziemlich hautnah erfahren müssen.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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