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Moers
Moderner Jazz im alten Zechengebäude

Moers: Moderner Jazz im alten Zechengebäude
John-Dennis Renken, Tims Isfort und Jan Lammert (von links) loteten die Akustik der Fördermaschinenhalle auf faszinierende Weise aus. FOTO: KLaus Dieker
Moers. Letzte Ausgabe von "KulTour mit Siggi": John-Dennis Renken, Tim Isfort und Jan Lammert spielten auf Schacht IV. Von Petra Riederer-Sitte

Am 8. August 2009 hatte der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann zu einem Wahlkampf der besonderen Art eingeladen: einer "KulTour mit Siggi". Nach dem Auftakt in der Röhre und Konzerten im Jazzkeller Krefeld und im Bahnhof Hülsdonk erlebte die Tour am 20. September 2009 im Fördermaschinengebäude auf Rheinpreußen Schacht IV ihren Abschluss. Zum ersten Mal fand in den denkmalgeschützten Räumen ein Konzert statt, in dem die improvisierte Musik im Mittelpunkt stand. Damals waren alle gespannt, ob die Halle sich als Spielort für Jazz eignen würde, was sich schnell bestätigte. Nach gut acht Jahren mit etlichen erfolgreichen Konzerten auf Schacht IV übergab Siegmund Ehrmann mit der gestrigen Matinee den Staffelstab an den Hausherrn des Gebäudes, den Grafschafter Museums- und Geschichtsverein, und dessen Vorsitzenden Peter Boschheidgen.

In seiner Ansprache zum Konzertdebüt auf Schacht IV hatte Ehrmann 2009 erklärt, dass ihm die Spielstättenförderung ein besonders wichtiges Anliegen sei: "Es ist ein ernstes Problem, dass die wirtschaftliche Situation der Künstlerinnen und Künstler so angespannt ist, dass sie oft in der Mitte des Monats nicht wissen, wie sie finanziell über die Bühne kommen sollen." An diese Worte knüpfte er auch in der Ansprache zu seiner Abschiedsmatinee an und betonte, dass es nach wie vor "ganz schön hart" für die Musiker sei, was bei "der Frage der Honorare so abgeht". Er sei dankbar, "dass das Format weitergeführt wird und ein neuer Veranstalter gefunden wurde", so dass man auch künftig auf Schacht IV "phantastische Musik hören wird".

Ein Dank ging an den Bassisten Tim Isfort, der schon beim KulTour-Debüt in der Fördermaschinenhalle mit von der Partie war und der, gemeinsam mit dem Trompeter John-Dennis Renken und dem Pianisten Jan Lammert, beim letzten "Siggi-Konzert" spielte. Als Moerser Musikgrößen waren sie angekündigt worden, wobei diese Bezeichnung, so Peter Boschheidgen in seiner Begrüßung, für Renken nur teilweise richtig sei, denn der gebürtige Bremer sei eher "eingemeindet oder vielmehr eingemoerst".

Ob Moerser oder nicht - Musikgrößen sind die drei unbedingt, und als solche hatten sie auch für eine volle Halle gesorgt. Das Trio setzte mit arrangierten Stücken "Ankerpunkte" im Programm, ließ sich ansonsten aber unter Einsatz elektronischer Effekte weitgehend auf die besondere Akustik des Industriegebäudes ein. Mit faszinierenden Soli im Wechsel mit spannenden Duo- und Trio-Klängen loteten die drei Musiker den Raum aus, füllten ihn bis in den kleinsten Winkel, reagierten in gemeinsamem musikalischen Atem auf die Raumatmosphäre, die sie mit ihrem effektvollen Mix aus Jazz, Improvisation und Elektronikklängen mit Leben füllten.

Nicht jedem gefielen die innovativen, teilweise fast sphärisch wirkenden Klänge. "Ein bisschen Dixie wäre schön, irgendwie was Flotteres", raunte eine Besucherin ihrem Banknachbarn zu. Nach der Pause blieben einige Plätze leer, dafür kamen Nachzügler dazu, um einzutauchen in eine ganz besondere Klangwelt, die den Konzerthöhepunkten in diesem Gebäude ein weiteres Highlight hinzufügten.

Dass der bisherige Veranstalter zu seinem Ausstand "eine Runde" spendierte, war natürlich "Ehrmann-Sache".

Quelle: RP
 
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