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Moers
DLRG warnt Flüchtlinge vor Baggerseen

Moers: DLRG warnt Flüchtlinge vor Baggerseen
Schilder wie dieses warnen am Waldsee vor dem Gang ins Wasser. Doch das Verbot wird immer wieder missachtet. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Nach dem Tod eines 14-Jährigen im Waldsee will der Bunte Tisch Moers gemeinsam mit der DLRG Asylbewerber gezielt auf die Gefahren des Badens in unbeaufsichtigten Gewässern hinweisen. Die Gefahren werden oft unterschätzt. Von Josef Pogorzalek

"Baden verboten" - von den Schildern am Waldsee in Eick lassen sich an Sommertagen viele Menschen nicht stören: Sie springen unbekümmert in das Wasser. Wie gefährlich das sein kann, hat am Wochenende der Tod eines 14 Jahre alten Jungen gezeigt. Der Sohn einer in Duisburg-Baerl untergebrachten Flüchtlingsfamilie wurde am Sonntagnachmittag von Rettungstauchern tot aus dem See geborgen. Seine Familie hatte ihn seit Samstag vermisst. Gestern wurde der Tote obduziert. Der Junge ist ertrunken, Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nicht. Es habe sich um einen tragischen Unfall gehandelt, sagte Andrea Margraf, Pressesprecherin der Kreispolizei Wesel.

Nach Informationen unserer Zeitung war der 14-Jährige am Samstag zuerst mit seinem Bruder im See schwimmen gewesen. Zwischenzeitlich kehrten die beiden zum Essen zurück nach Hause. Dann soll der 14-Jährige noch einmal alleine losgezogen sein. Er gehörte zu einer großen Familie von Jesiden aus dem Irak. Die Familie werde von zwei jesidischen Gemeinden betreut, hieß es gestern im Umfeld des Übergangswohnheims an der Voßbuschstraße in Baerl. Die Leiche des Jungen werde voraussichtlich zur Beisetzung in die Heimat überführt, sobald die Behörden sie freigeben.

Der Bunte Tisch Moers, der das Miteinander der Kulturen in der Stadt pflegt, hat der Familie gestern seine Hilfe angeboten. Der Verein überlegt auch, wie er Flüchtlinge vor den Gefahren in Baggerseen warnen kann. Der Uettelsheimer See, wo ebenfalls ein Badeverbot gilt, sei bei Flüchtlingen - genauso wie bei vielen Deutschen - als Badesee beliebt. Das Gewässer ist von den Flüchtlingsunterkünften an der Franz-Haniel-Straße in wenigen Minuten erreichbar.

Der Kreis Kleve will Asylbewerber gezielt vor dem Baden in Baggerseen warnen. In Emmerich-Vrasselt ertrank Anfang Juli ein Mann in einem Baggerloch, ein anderer Schwimmer wurde im Rhein bei Spyck in den Niederlanden abgetrieben. Viele Asylbewerber könnten nicht schwimmen, heißt es. Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches Moers, glaubt, dass das Problem woanders liegt: "In der Regel können die Flüchtlinge schwimmen. Genau darin liegt die Gefahr: Die Leute werden übermütig und glauben, ihnen könne nichts passieren." Kurz entschlossen hat der Bunte Tisch gestern einen Termin mit Klaudia Bours, der Vorsitzenden der DLRG Moers-Rheinkamp vereinbart: Am 21. Juli wird die DLRG in den Räumen des Bunten Tisches an der Kornstraße Asylbewerber über die Risiken des Badens in Baggerlöchern informieren. Auch die Stadt ergreift die Initiative: "Unsere Betreuer werden das Thema im Rahmen der allgemeinen Beratung von Flüchtlingen aufgreifen", sagte gestern Klaus Janczyk, Pressesprecher der Stadt.

"In Baggerseen gibt es Wasserschichten unterschiedlicher Temperatur", schilderte die DLRG-Vorsitzende gestern gegenüber unserer Zeitung. "Wenn ein Schwimmer in eine kalte Schicht gelangt, kann er in Panik geraten." Ähnliches gelte bei Berührungen mit Wasserpflanzen. In diesen können auch geübte Schwimmer sich leicht verheddern. Ein weiteres Risiko: "Viele Schwimmer überschätzen ihre Kräfte." Klaudia Bours rät dazu, natürliche Badegewässer nur dann aufzusuchen, wenn diese beaufsichtigt werden - wie der Elfrather See oder das Bettenkamper Meer.

Im Waldsee, an der Halde Rheinpreußen gelegen, lauern noch ganz andere Risiken. Zwar hat der Regionalverband Ruhr (RVR) als Eigentümer 2013 Taucher beauftragt, im See "aufzuräumen". Dennoch ist davon auszugehen, dass sich im Wasser nach wie vor Eisenstangen, Betonteile und anderer Schutt befinden, unter anderem Relikte der bis in die 80er Jahre laufenden Auskiesung. Vor allem in nördlichen Teil des Sees ist es gefährlich. Gerade dort tummeln sich aber nicht nur die "Wildschwimmer": Bei Youtube ist ein Film über Jugendliche zu sehen, die voller Übermut mit ihren Rädern über eine Rampe in den See springen.

Im südlichen Teil des Sees hat es bis 1972 ein Strandbad gegeben. Dort sind heute die Freien Schwimmer Rheinkamp, der Blindensportverein und der Angelsportverein Rheinpreußen ansässig. Auch für sie gilt offiziell: "Baden verboten". Eine Initiative zur Wiederbelebung des Strandbades ist vor ein paar Jahren gescheitert.

Quelle: RP