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Moers
Moers erwartet dieses Jahr 1000 Flüchtlinge

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Moers. SPD informiert über Lage in Kapellen: Die Welle der Hilfsbereitschaft für die Asylbewerber in Moers scheint ungebrochen. Von Jürgen Stock

Manchmal sind die Dinge interessanter, über die auf einer Diskussion nicht gesprochen wird. So wäre auf der Veranstaltung der SPD-Ortsvereine Moers und Kapellen im evangelischen Gemeindesaal Kapellen zum Thema "Hilfe für Flüchtlinge vs. Das Boot ist voll" ausreichend Gelegenheit gewesen, sich über die Belastung für den Ortsteil angesichts der andauernden Belegung der Achterrathsfeldschule mit einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu beklagen.

Doch niemand beschwerte sich; niemand unter den fast 200 Besuchern fühlte sich persönlich durch die Neuankömmlinge gestört. Im Gegenteil: Bürger nutzten am Dienstagabend die Gelegenheit, Vorschläge zu machen, das Leben in der Schule zu verbessern. So sicherte Michael Rüddel von der Stadt Moers zu, Sorge zu tragen, dass Flüchtlinge nicht mehr mit einer Dokumentenmappe um den Hals durchs Lager laufen müssten, da dies von vielen als diskriminierend empfunden werde.

Eine Frau übte auch Kritik an einem Sichtschutzzaun, der das Kapellener Spielhaus von der Achterrathsfeldschule trennt. Doch der soll stehenbleiben, weil, so Rüddel, Flüchtlingskinder sonst nicht davon abgehalten werden könnten, ins Haus zu laufen und dort die pädagogische Arbeit zu stören.

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Dass die Probleme in und um die Einrichtung bislang in derart überschaubarem Rahmen blieben, ist im Wesentlichen das Verdienst der vielen ehrenamtlichen Helfer, die immer noch rund um die Uhr im Einsatz sind. In diesem Befund waren sich die Podiumsteilnehmer Siegmund Ehrmann (MdB), Ibrahim Yetim (MdL), Amar Azzoug (Bunter Tisch) und Michael Rüddel (Stadt Moers) einig. Allein der Bunte Tisch hat 46 Helfer im Kapellener Lager im Einsatz, darunter zehn Flüchtlinge, die derzeit in einer der regulären Einrichtungen der Stadt auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten. Azzoug sprach sogar von einer "wunderbaren Erfahrung" die er durch die "Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft" gemacht habe.

So wichtig das Engagement der Ehrenamtler auch sei, betonte Ehrmann, so könne das doch keine Dauerlösung sein. Man müsse mehr Geld in die Hand nehmen und die personellen Ressourcen weiter ausbauen. Denn der Zustrom werde weiter anhalten. Inzwischen lägen die Jahresprognosen für Deutschland bei einer Million Flüchtlinge. In Moers hält Michael Rüddel es inzwischen für möglich, dass die Zahl von 1000 Flüchtlingen erreicht wird. "2011 hatten wir noch 22 Asylanträge." Laut seinen Angaben werde die Stadt bis dahin 730 Unterbringungsplätze zur Verfügung haben. Die voraussichtliche Lücke hofft er, mit Hilfe privater Vermieter zu schließen.

Misstöne blieben Randnotizen. So meinte ein Redner, der vom Blatt ablas, die Flüchtlingsproblematik mit der Tätigkeit "moldawischer Banden" vermengen zu können, ein anderer sah die Terrororganisation IS im Gefolge der Flüchtlingsströme nach Deutschland einsickern. Daraufhin Ehrmann: "Ich habe viel mehr Angst vor durchgeknallten deutschen Konvertiten, die aus Syrien zurückkehren."

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Amar Azzoug vom Bunten Tisch kündigte am Ende der Podiumsdiskussion eine eigene Veranstaltung über die Lage der Armutszuwanderer vom West-Balkan an.

Quelle: RP
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