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Moers Festival 2016
Campen beim Jazz Festival ist Tradition

Moers Festival 2016: Campen ist Tradition
Diese Campinggäste genießen die Sonne. Am Freitagmittag ist das Wetter gut, es wird gegrillt, Zelte werden zusammengebaut. Die Zeit bis zum Beginn des Festivals wird mit gemütlichem Zusammensitzen und Sonnenbaden verbracht. FOTO: Dieker, Klaus
Moers. Besucher aus ganz Deutschland bauten am Freitag am Solimare ihre Zelte auf. Gesprächsthema: die Zukunft des Festivals. Von Jana Marquardt

"Ich komme schon seit 1975 zum Moers Festival, und so leer war es hier noch nie", sagt Martin Nottrott (57) und deutet auf den Zeltplatz am Freibad Solimare, auf dem sich am Freitagmittag nicht einmal 100 Campinggäste tummeln. Einige Besucher liegen in der Sonne, andere jammen, eine Gruppe will eine Plane aufhängen, die jedoch immer wieder vom Wind weggetragen wird. Es ist ruhig, friedlich, fast langweilig. "Die Stimmung war im Moerser Freizeitpark immer ganz besonders. Dort kamen Besucher aus aller Welt, nur um diesen besonderen Flair aufzunehmen. Es war ein Volksfest", erinnert sich Martin Nottrott, der gebürtiger Moerser ist und in Bad Ems wohnt. Sein Schulfreund Frank (55) stimmt ihm zu: "Schätzungsweise 80 Prozent der Besucher bleiben dem Festival fern, seit es in der Halle stattfindet."

Das mögen Fans am Moers Festival

Das Moers Festival, das dieses Jahr zum 44. Mal unter der künstlerischen Leitung von Reiner Michalke stattfindet, wurde 2014 vom Moerser Schlosspark in die ehemalige Tennishalle zum Standort Solimare verlegt. Seitdem finden Camper mit Festivalticket einen bewachten und kostenlosen Campingplatz nahe der Festivalhalle. Die Autos der Besucher müssen jedoch auf einem Parkplatz abgestellt werden, der rund einen Kilometer weit entfernt vor der Festivalhalle liegt. Das stößt auf Unmut. "Manche von uns kommen 600 Kilometer weit angereist und müssen dann noch mit der gesamten Campingausrüstung bis zur Wiese laufen. Angenehm ist das nicht", sagt Nottrott, der selbst Jazzmusiker ist.

Familie Finger aus Jülich steht den Änderungen skeptisch gegenüber. "Wir bangen um die Zukunft der Veranstaltung. Die Qualität hat leider aufgrund der Budgeteinschränkungen abgenommen", sagt Friedhelm Finger (56), während er die Zeltstangen für das Familienzelt zusammenbaut. "Für uns ist das Moers Festival wie ein jährliches Familientreffen", sagt seine Frau Ulrike (56). Ihre Tochter Theresa (23) ergänzt: "Ich bin schon als Neugeborenes von meinen Eltern mitgenommen worden. Seitdem war ich jedes Jahr hier. Das gehört einfach dazu."

Moers Festival 2016: Das ist das Programm

Einig sind sich die Besucher vor allem darin, dass die Kulisse am Freizeitpark eine ansprechendere Atmosphäre geboten hat. "Das Festival hat bis 2014 davon gelebt, dass verschiedene Zielgruppen mit verschiedenen Anliegen da waren. Die einen wollten zelten und feiern, die anderen Jazz hören, manche kamen auch einfach gerne zum Händlermarkt", erinnert sich Marion Justinski (52) aus Solingen, die 1988 das erste Mal in Moers zeltete. "Da kamen dann auch mal Besucher ins Festzelt, die mit Jazz sonst nichts zutun hatten, und haben zugehört. So kamen alle zusammen." Der Zukunft der großen Jazz-Veranstaltung sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ich kann ich nicht verstehen, warum das Bestehen weiter diskutiert wird, obwohl 2014 damit argumentiert wurde, das Festival könne zehn Jahre weiter laufen, wenn es in die Halle verlegt würde." Aufgrund des knappen Finanzetats war schon 2010 die Frage aufgekommen, wie das Festival weiter zu finanzieren sei.

Burkhard Nöh (28) aus Moers hat damals sogar ein Lied zum möglichen Ende der Veranstaltung geschrieben. "Und ich träume, träume von gestern, als hier noch Farbe war", singt er von der Gitarre begleitet. Der Song mutet zur Melancholie an. Eine Stimmung, die trotz aller Zukunftsängste nicht auf dem Campingplatz zu spüren ist. "Wir halten durch das Festival seit 15 Jahren Kontakt", sagt Martin Nottrott und klopft seinem Freund Frank auf die Schulter. "Und das tun wir auch weiterhin."

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