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Moers
Nach fünfjähriger Pause kehrt Jazz in die Stadtkirche zurück

Moers Festival 2016: Nach fünfjähriger Pause kehrt Jazz in die Stadtkirche zurück
Tim Isfort begeisterte die Zuhörer mit seinen Bass-Soli. Seine Performance zum Mitmachen mochten aber nicht alle Besucher. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Zwei Künstler aus Skandinavien sowie Bassist Tim Isfort brachten das Festival zurück in das Moerser Gotteshaus. Von Petra Riederer-Sitte

Bis 2010 gehörte die Moerser Stadtkirche zu den festen Spielstätten des Moers Festivals. Fünf lange Jahre dauerte die Pause wegen Sanierungsarbeiten. Nun öffnete das Gotteshaus über Pfingsten wieder die Pforten für improvisierte Musik. Den Anfang machte am Samstag die isländische Cellistin Hildur Ingveldardóttir Gudnadóttir, in deren Arbeit das Klangspektrum der Natur und die Bewegung von Klängen im Raum wiederkehrende Themen bilden. Der Norweger Stian Westerhus, ein außergewöhnlicher Klangerfinder an der Gitarre, lotete am Sonntag mit Musik aus seinem Album "Amputation" die Möglichkeiten seines Instruments aus. Er sei "very happy to be playing at the gorgeous Stadtkirche in Moers. The sound is even gorgeousER", kommentierte der Avantgarde-Künstler auf seiner Facebook-Seite den Auftritt in der "großartigen Stadtkirche" mit dem "noch großartigeren Sound".

Nach Island und Norwegen brachte das dritte Solokonzert mit Tim Isfort Lokalkolorit in die Kirche. Der gebürtige Mannheimer, der in Duisburg lebt, ist mit dem Festival aufgewachsen. Die Stadtkirche hat für ihn eine besondere Bedeutung: Hier hat er vor etwa 30 Jahren zum ersten Mal gespielt. Für sein Solo hatte Isfort angekündigt, nicht nur mit akustischem Kontrabass, sondern auch mit Elektronik zu arbeiten und "im Moment auf den Ort reagieren." Den Anfang gestaltete Isfort mit sphärisch wirkenden Tönen, die sanft durch den voll besetzten Kirchenraum schwebten.

Starke Klänge beim Moers-Festival 2016 FOTO: Klaus Dieker

Nach dem wundervollen Auftakt zum Genießen und Träumen lud der sichtlich gut aufgelegte Musiker kleine und große Besucher zum Mitspielen ein. Rasch wurden Kinderinstrumente verteilt: Klanghölzer, hölzerne Rhythmuskugeln, bunte Kindertrommeln, ein lädierter Schellenkranz. Mit dem Bogen schlug Isfort den Rhythmus auf dem Bass vor, ein am Hals des Instruments befestigte kleines Licht gab das Signal, wann das Spontan-Ensemble einsetzen sollte. Eine skurrile, aber lustige Einlage, die das Publikum einstimmte auf die folgende Inszenierung, bei der es von der Kanzel "Regieanweisungen" gab. Wie bei einer Fernsehshow wurden Schilder mit Kommandos hochgehoben. Zur Musik sollte das Publikum mit dem Handy fotografieren, husten, lachen, Buuuh rufen, sich räuspern, applaudieren. Nicht jeder konnte mit dieser Art von Performance etwas anfangen, ein paar Besucher verließen die Kirche. Sie verpassten das hinreißende Bass-Solo, mit dem Isfort sein Programm fortsetzte. Als Zugabe einen Mix aus Live-Spiel und Aufnahme, faszinierend kombiniert aus Bass, Holm-Xylofon und Elektronik.

Quelle: RP
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