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Moers Festival
Festivalchef Reiner Michalke bietet Rücktritt an

Moers Festival 2016: Reiner Michalke bietet Rücktritt an
Bietet seinen Rücktritt an: Reiner Michalke FOTO: kt
Moers . Zum Abschluss des 45. Moers-Festivals ließ Reiner Michalke Montagabend die Bombe platzen: Der Künstlerische Leiter hat angeboten, seinen Vertrag mit sofortiger Wirkung zu beenden. Er wolle den Weg frei machen, damit in Moers ergebnisoffen über die Zukunft des Festivals diskutiert werden könne, erklärte Michalke. Von Anja Katzke

Hintergrund ist die politische Diskussion über die in finanzielle Schieflage geratene Moers Kultur GmbH als Veranstalterin und damit über die Zukunft des Moers Festivals. Die 45. Ausgabe konnte nur stattfinden, weil sich die Stadt Moers für das Musikfest verbürgte: Sie gab eine Garantieerklärung für erwartete Verluste von bis zu 420.000 Euro ab.

Abseits der Bühne wurde seit Wochen gerechnet und geprüft, in welcher Form das Festival fortgeführt werden kann. Auf der Bühne erlebte das Publikum eine junge Musikergarde, die sich in dem Spannungsfeld von Komposition und Improvisation bewegt. Für die Zuhörer schien alles wie immer beim Moers-Festival: Als Jeremy Flower sein Projekt "The Real Me" präsentiert, gab es in der Festivalhalle in Moers keinen freien Platz mehr; die Zuhörer standen oder saßen sogar auf den Stufen, die zur Tribüne hinaufführen. Und beim Auftritt des kubanischen Pianisten Harold López-Nussa, der seine Leidenschaft für den Jazz mit lateinamerikanischen Klängen mischt, wollte ihn das Publikum nicht ohne Zugabe von der Bühne lassen. Mehr als 100 Musiker spielten für eine Zuhörerschaft, die die Klangexperimente begeistert aufnahm.

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Carolin Pook, die auf Einladung des künstlerischen Leiters Michalke als Stadtmusikerin für ein Jahr in Moers lebt und arbeitet, legte mit ihrer Komposition "Pezzettino 8" eine umjubelte Festivaleröffnung hin. Die Musikerin schrieb ein Stück für acht Geigerinnen mit selbst gebauten Fußtrommeln. Zur jungen Jazz-Generation gehört das Subway Jazz Orchestra, das sich in Moers mit der Suite "State of Mind" vorstellte. Die eingängigen und rhythmischen Arrangements des 18-köpfigen Musikerkollektivs standen im Kontrast zur Musik des Berliner Trios "The Liz". Sein Konzert ging weit über Improvisation hinaus. "Book of Birds" war ein in sphärische Klänge gekleidetes Musiktheater mit optischen Effekten, Anleihen an die griechische Mythologie und Masken tragenden Musikern.

Maja Osojnik, unterstützt von Schlagzeuger Patrick Wurzwallner, brachte mit ihren elektronischen Experimenten sogar die Festivalhalle zum Wummern. Die Künstlerin bewegte sich zwischen alter und neuer Musik und überraschte mit einer Stimme, die gefühlvoll und aggressiv sein kann. Sängerinnen waren überhaupt stark im Programm vertreten: Neben Osojnik begeisterte auch Carla Kihlstedt das Publikum. Sie war die Stimme, die Jeremy Flowers melancholischen Song-Zyklus über das Älterwerden ("The Real Me") mit Emotionen erfüllte.

Starke Klänge beim Moers-Festival 2016 FOTO: Klaus Dieker
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