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Zellen lügen nicht in Moers
Krimifans zu Besuch im pathologischen Institut

Moers: Krimifans zu Besuch im pathologischen Institut
Pathologin Maria-Lieselotte Mlynek-Kersjes beim Zuschnitt von Gewebeproben. Die Krimifestival-Besucher schauen ihr dabei zu. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Offiziell ist am Samstag mit dem Blick hinter die Kulissen eines pathologischen Instituts das Krimifestival Moers gestartet. Auf dem weiteren Programm stehen Lesungen ganz unterschiedlicher Formate. Von Sabine Hannemann

Zum sechsten Mal bestimmt mörderisches Vergnügen das Interesse und katapultiert die Grafenstadt mit 16 Veranstaltungen zur Hochburg des Verbrechens. Dabei geht es um Mord und Totschlag, Spürsinn und vor allem Ergebnisse, die die pathologischen Untersuchungen liefern. Details zur Todesursache werden wie Mosaiksteinchen kombiniert oder neu sortiert. Was in Büchern und den TV-Krimiserien immer so einfach aussieht, ist mächtig viel Arbeit. Privatdozentin Dr. Maria-Lieselotte Mlynek-Kersjes gehört mit ihrem Institut zum Programm des Krimifestivals. Zusammen mit ihrem Mann Gerhard gab sie am Samstag Einblicke in die Arbeit ihrer pathologischen Arbeit.

"Wir sind keine Gerichtsmedizin, sondern arbeiten als eigenes Institut mit Krankenhäusern und Facharztpraxen zusammen", erklärt Gerhard Kersjes. Er führt die kleinen Gruppen durch die verschiedenen Abteilungen, erläutert, worauf es bei der pathologischen Untersuchung von sogenanntem "Nassgewebe" ankommt, welche unterschiedlichen Schritte nötig sind, um anhand des Untersuchungsmaterials eine Diagnose zu erstellen. Bis zu 140 Proben sind es täglich. Es geht oftmals um Tumorerkrankungen. Seltener sind Obduktionen bei einem tödlichen Krankheitsverlauf. Für Privatdozentin Mlynek-Kersjes und ihr Team beruflicher Alltag, für die Zaungäste ein spannender Einblick. "Als der Termin angeboten wurde, haben wir uns sofort um Karten gekümmert", heißt es aus der Teilnehmerrunde.

Für Petra Holtmann, die mit Tochter Nina teilnimmt, ein spannender Augenblick. "Als Arzthelferin kenne ich schon vieles. Der Blick ins Institut ist interessant", sagt sie. Verständlich, dass alle Termine in kürzester Zeit ausgebucht waren. Maria-Lieselotte Mlynek-Kersjes ist mit Leib und Seele bei der Arbeit. Einst war sie jüngste Pathologin und Professorin Deutschlands. Das eigene Institut auf dem Gelände des Krankenhauses Bethanien ist heute ihr Arbeitsort. Vor ihr liegt operiertes Tumorgewebe, das sich außerhalb des Magens befand und entfernt wurde. Eine eher seltene Tumorart, wie sie konstatiert. Den Gästen erläutert sie, welche Schlüsse sie aus dem Gewebe ziehen kann, wie sie die Schnitte an dem etwa faustgroßen Material ansetzt. Ihre Diagnose ist die Grundlage für die anschließende Therapie des Patienten.

Eine ähnliche Arbeitsweise erlebten Besucher mit einer operierten Hautpartie vom Hals, das ebenfalls mit Tumorgewebe durchzogen war. "Ich erkenne sofort die Handschrift eines Chirurgen", erklärt sie. Eine Tumorzelle wächst nicht von heute auf morgen, sondern verdoppelt ihren Umfang von Jahr zu Jahr. "Das Problem ist, der Tumor macht sich nicht bemerkbar", so die Pathologin, die umgehend den dringlichen Rat anschließt, alle angebotenen Vorsorgeuntersuchen zu nutzen.

Wie intensiv die Arbeit ist, welche Aufgabenbereiche ihr Team, beispielsweise das Färben von Zellen hat, erleben die Besucher am Arbeitsplatz von Karin Wissing. Hartnäckig macht sich Maria-Lieselotte Mlynek-Kersjes auf die Suche, um beispielsweise mit Hilfe des Mikroskops den Tumorverdacht in der Lunge eines Patienten zu bestätigen. Akribisch studiert sie das Zellenmaterial auf dem Objektträger und bestätigt den Verdacht. "Bronchialkarzinom. Die Zellen lügen nicht", so ihr Fazit.

Quelle: RP
 
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