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Moers/Kamp-Lintfort
Moers räumt Turnhalle für Flüchtlinge

Moers/Kamp-Lintfort: Moers räumt Turnhalle für Flüchtlinge
FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Moers/Kamp-Lintfort. Die für gestern erwartete Ankunft von 220 Menschen in Moers und Kamp-Lintfort ist verschoben worden. Kamp-Lintfort rechnet heute mit der Ankunft. Moers hat die Unterkünfte, darunter eine Turnhalle, erst morgen bezugsfertig. Von Tanja Karrasch und Jürgen Stock

Der TV Kapellen gehörte zu den ersten Sportvereinen in Moers, die sich aktiv um die Betreuung der Flüchtlinge gekümmert hatte. Dennoch wurde der Verein nun Opfer der Unterbringungsnot. Er musste die Halle an der Achterrathsfeldschule räumen und kann somit auch dort nicht mehr Betreuung vor allem für die Flüchtlingskinder anbieten. "Gerade diese Halle wollten wir auf keinen Fall für eine Unterbringung nutzen, aber am Ende blieb uns keine andere Möglichkeit", sagt Michael Rüddel, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales in Moers.

FOTO: Christoph Reichwein (crei)

In schroffstem Beamtenton hatte die Bezirksregierung die Stadt am Freitag angeschrieben: "Ich fordere Sie auf, sofort und bis auf weiteres Unterbringungsmöglichkeiten für 150 geflüchtete Personen bereitzustellen. Das Kontingent ist bis spätestens Montag, den 19.10. 2015 bis 18 Uhr, bezugsfertig vorzuhalten. "Aber das schaffen wir nicht", sagt Rüddel und weist auf die zahlreichen herunterhängenden Kabel. Währenddessen lädt draußen ein Lkw einen Container ab. In den soll die Kleiderkammer umziehen, deren Raum ebenfalls für die Unterbringung benötigt wird. Auch der Schützenverein ist betroffen. Er muss sein Domizil im ersten Stock räumen. Wo früher die Bar stand, werden ab heute Feldbetten aufgebaut. Dennoch kommt Rüddel nicht auf die geforderten 150 Plätze: "Es macht aber keinen Sinn, noch irgendwo anders eine Landesunterkunft aufzumachen. Dafür wäre der logistische Aufwand viel zu groß."

Er hat die Bezirksregierung gebeten, mit der Zuweisung der zusätzlichen Flüchtlinge für die provisorische Erstaufnahmeeinrichtung noch bis morgen zu warten. Dann wäre die ehemalige Schule mit 270 Menschen belegt.

In Kamp-Lintfort kommen die Flüchtlinge, die eigentlich Montagabend eintreffen sollten, doch frühestens heute an. Diese Nachricht der Bezirksregierung erreichte Christoph Müllmann, Beigeordneter der Stadt, gestern Nachmittag. Den Handwerkern und den Zuständigen von DRK und der Stadt Kamp-Lintfort bleibt nun etwas mehr Zeit, um die ehemalige Ausbildungsstätte des Bergwerkes West in eine bewohnbare Notunterkunft umzuwandeln und die Ankunft der Flüchtlinge zu planen.

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Am Nachmittag gab es noch viel zu tun: "Die Zeche hat den Strom abgedreht, deshalb muss jetzt Notstrom aus einem benachbarten Gebäude hierher verlegt werden", sagte Elektriker Marcel Kunze. Waschmaschinen und Trockner mussten noch angeschlossen und Installationen überprüft werden. Asylbewerber aus der Unterkunft an der Friedrichstraße halfen beim Aufbau von Stockbetten. "Das ist eine Möglichkeit für die Menschen, sich etwas dazu zu verdienen", erklärte Müllmann. In den Schlafräumen auf der ersten Etage stehen jeweils zehn Feldbetten, insgesamt gibt es 100 Schlafplätze. Das Problem der fehlenden Duschen ist vorerst gelöst: Der benachbarte Sportverein DJK Kamp-Lintfort stellt acht Duschen zur Verfügung.

Mit der heutigen Ankunft droht eine Terminkollision mit einem anderen Großereignis: Die Kamp-Lintforter erwarten den Besuch der Auswahlkommission für die Landesgartenschau. Das künftige Gelände liegt unmittelbar neben den Unterkünften.

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Quelle: RP
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