| 00.00 Uhr

Moers
Moers sorgt sich um CharterHaus-Chefin

Moers: Moers sorgt sich um CharterHaus-Chefin
Das Treppenhaus des ehemaligen Horten-Gebäudes sollte eigentlich schon längst abgerissen worden sein - doch der Abbruch verzögert sich. Niemand weiß, wie lange die Bauarbeiten noch dauern. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Durch die Erkrankung von Brigitte van der Jagt sind die Projekte Grafengalerie und Kaiserstraße ins Stocken geraten. Von Jürgen Stock

Wie ein Mahnmal ragt der Treppenturm des ehemaligen Horten-Kaufhauses in den Himmel. Der Wind weht eine kleine Staubwolke über die eingezäunte Brache vor dem Klotz. Diesen Anblick bietet das Areal nun schon seit Monaten, ohne dass Anwohner irgendwelche Bautätigkeiten hätten feststellen können. Dabei hätte der Abriss spätestens im Februar beendet sein sollen. Doch es tut sich nichts.

Längt hätte mit den Arbeiten für die geplante GrafenGalerie begonnen werden müssen. Im April noch waren aus dem Moerser Rathaus optimistische Töne zu vernehmen. Es fehlten nur noch wenige Dokumente für die Baugenehmigung, dann könne es losgehen. Doch offensichtliche fehlen eigentlich unproblematisch beizubringende Unterlagen wie ein Lärmschutzgutachten bis zum heutigen Tag. "Seit Wochen versuchen wir Frau van der Jagt zu erreichen, aber wir bekommen keine Antwort", teilte ein ranghoher Mitarbeiter des Rathauses mit. Inzwischen mache man sich ernsthaft Sorgen um das Projekt und seine Chefin.

Die ist seit Monaten krankheitsbedingt außer Gefecht. "Sie ist in den Niederlanden, und wir können derzeit nicht sagen, wann sie wiederkommt", verlautete aus dem Unternehmen CharterHaus, das seinen Firmensitz zu Jahresanfang von Frankfurt nach Moers verlegt hatte. Offenbar ist die Krankheit derart schwerwiegend, dass die 58-Jährige im Mai nicht einmal an der Eröffnung des Einkaufszentrums SchlossGalerie in Rastatt teilnehmen konnte. In Moers ist vom Ausfall van der Jagts auch das Projekt Kaiserstraße betroffen, wo sie 15 Einfamilienhäuser errichten will. Auch dort, so war zu hören, warten Mitarbeiter der Stadt auf Unterlagen, die längst hätten eingereicht werden sollen.

Auch in Bergkamen, wo CharterHaus mit der BergGalerie ein ganz ähnliches Projekt wie in Moers plant, ist van der Jagt seit Monaten nicht mehr gesehen worden. Auch dort ist der Abriss eines mehrstöckigen Betongebäudes nur teilweise vollzogen worden. Ein Rest ist stehengeblieben, weil dort die Fernwärmeversorgung untergebracht ist und technische Probleme mit dem Energieversorger hätten geklärt werden müssen.

Auch in Moers gibt es handfeste und potenziell kostentreibende technische Schwierigkeiten, die zum gegenwärtigen Baustopp beigetragen haben: Der Betonblock des Treppenhauses ist mit dem Nachbarhaus über den Giebel verbunden. "Die Wand meines Balkons ist die Außenwand des Treppenhauses", beschreibt Werner Peters, Mieter des Nachbarhauses die Situation. Während der Abrissarbeiten hätten sich in dem Gebäude, in dem Peters ein Optikergeschäft betreibt, Setzrisse gezeigt. Putz sei von der Decke bekommen. Als der Abrissunternehmer die Schäden inspiziert hätte, habe er die Arbeiten sofort eingestellt.

Wie unsere Zeitung erfuhr, wären beide Gebäude nur durch ein aufwändiges Verfahren zu trennen. Voraussetzung dafür wäre aber die Einschalung und Einrüstung des Nachbargebäudes, zu der der Besitzer seine Zustimmung verweigert. Ohne die kann es nicht weitergehen. Nötig wären also intensive Verhandlungen. Doch dazu ist Brigitte van der Jagt offensichtlich nicht in der Lage. Da sie in ihrem Unternehmen stets alle wichtigen Entscheidungen selber traf, dürfte es ziemlich schwierig sein, in dieser Situation eine Vertretungslösung zu finden. Immerhin gibt es Anzeichen, dass dies in Bergkamen geglückt ist: "Ich habe gehört, dass es nächste Woche weitergehen soll", teilt Hans-Joachim Peters, Technischer Dezernent der Stadt Bergkamen mit. Auf die Frage hingegen, wann er das letzte Mal persönlichen Kontakt mit Brigitte van der Jagt hatte, antwortet er: "Dazu sage ich nichts."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: Moers sorgt sich um CharterHaus-Chefin


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.