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Moers
Moers Spitzenreiter bei alten Kennzeichen

Moers: Moers Spitzenreiter bei alten Kennzeichen
FOTO: Dieker Klaus
Moers. In keiner anderen Stadt haben die Bürger seit der Kennzeichenliberalisierung so viele ortspezifische Schilder bestellt wie in Moers. Professor Ralf Borchert, der die Liberalisierung forciert hatte, sieht positive Effekte für die Identifikation mit der Stadt. Von Sebastian Peters

Das Kennzeichen "MO" boomt weiter. Nach neuen Auswertungen des Kreises Wesel ist das Autokennzeichen für Moers in Deutschland das beliebteste wiedereingeführte Altkennzeichen in Deutschland. 62.550 Mal ist es inzwischen vergeben worden. Zum Vergleich: In Moers sind insgesamt 67.000 Fahrzeuge angemeldet. Aber nicht nur für Moerser, auch für viele Bürger im Altkreis Moers ist das Kennzeichen interessant. Besonders beliebt sind laut Kreissprecherin Anja Schulte dabei die Kennzeichen "MO-NI", "MO-NA", "MO-PS", "MO-ND" und "MO-IN" .

Professor Ralf Borchert von der Hochschule in Heidelberg war einer derjenigen, der die Kennzeichenliberalisierung in Deutschland forciert hat. Auch in Moers hat er dafür geworben: "Es überrascht natürlich einerseits nicht, dass es in Moers so viele Rückkehrer zu den alten Kennzeichen gibt. Moers war bis 2012 schließlich die größte deutsche Stadt ohne eigenes Kennzeichen, wenn man von dem Sonderfall Bremerhaven absieht. Außerdem war Moers auch früher nicht kreisfrei, so dass es zusätzlich noch ein Altkreisgebiet gibt, für das MO relevant ist." Borchert ist Professor für International Business, Volkswirtschaftslehre und Destinationsmanagement. Im Rahmen eines Projektes mit Studenten hatte er zur Kennzeichenliberalisierung geforscht. Borchert ging es um die Wiedereinführung von Kfz-Kennzeichen, die im Zuge der Verwaltungsreformen seit Ende der 1960er Jahre nicht mehr zugeteilt wurden. Seine Studenten befragten dazu von 2010 bis 2012 insgesamt 50.000 Personen in mehr als 200 deutschen Städten - auch in Moers. Insgesamt sprachen sich dabei 72 Prozent der Befragten für die Rückkehr zum alten Kennzeichen aus. Daraus entstand eine politische Initiative. Letztlich musste der Bundesrat entscheiden.

"Inzwischen sind 305 der 380 relevanten Kennungen reaktiviert. Ich gehe davon aus, dass im Moment deutschlandweit zwischen 2,5 und drei Millionen Fahrzeuge wiedereingeführte Kfz-Kennzeichen haben. Mittelfristig erwarte ich über vier Millionen Fahrzeuge", sagt Borchert für das gesamte Bundesgebiet. Seine Bilanz für Moers: "Man kann es an harten Zahlen nur schwer festmachen, aber die Identifikation mit der Stadt steigt."

Seit dem 3. Dezember 2012 wird das "MO"-Kennzeichen wieder vergeben. Von Anfang an war die Debatte um die Wiedereinführung auch ein Konflikt der Kreisstadt Wesel mit der Stadt Moers, die ja eigentlich die größere von beiden ist. "Wir sehen es natürlich gerne, wenn sich die Leute mit dem Kreis identifizieren", sagt Anja Schulte, Sprecherin des Kreises Wesel. Sie will deshalb nicht von einem positiven Imageeffekt für die Stadt Moers reden. Thorsten Schröder, Sprecher der Stadt Moers wiederum, beobachtet diesen Effekt sehr wohl. "Ich glaube fest, dass die Menschen mit der Rückkehr zum MO-Kennzeichen auch ihre Identifikation mit der Stadt zum Ausdruck bringen. Die ist eben größer als die Identifikation zum Kreis Wesel. Das MO-Kennzeichen ist auch ein Statement." Thorsten Schröder selbst hat ein altes Kennzeichen "MO-NI". Das NI steht für seinen Sohn Niclas. Der Dienstwagen des Moerser Bürgermeisters Christoph Fleischhauer hat das Kennzeichen "MO-BM 201".

Nicht überall geht es mit der Rückkehr zu den Altkennzeichen so schnell wie in Moers. Schwerpunktmäßig in Südwestniedersachsen/Ostwestfalen und dem Süden Baden-Württembergs würde die Rückkehr abgelehnt, sagt Borchert. Diese beiden großflächigeren Regionen seien nicht so leicht zu knacken. "Das liegt an zwei Gründen: Zum einen gibt es relativ wenig Vorführeffekte. Am Bodensee oder im Emsland zum Beispiel sieht man tatsächlich nur selten Autos mit wiedereingeführten Kennzeichen aus Nachbarkreisen. Zum anderen sind in diesen Regionen die Landkreise relativ stark, meist mit CDU-Dominanz." Trotz aller gegenteiligen Behauptungen bedeute die Wiedereinführung der alten Kennungen durchaus schon eine kleine Schwächung der einheitlichen Kreiswahrnehmung, so Borchert. "Starke Landkreise haben sich dagegen also durchaus aus nachvollziehbaren Gründen gewehrt."

Quelle: RP
 
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