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Moers/Kathmandu
Moerser Ärztin hilft Frauen in Nepal

Moers/Kathmandu: Moerser Ärztin hilft Frauen in Nepal
Gunay Bilir ist Medizinerin am St.-Josef-Hospital in Moers und dort Oberärztin in der Gynäkologie. Das Foto oben entstand während ihres Aufenthalts in Nepal bei einer Operation. Links Gunay Bilir, rechts die nepalesische OP-Schwester Khadka. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers/Kathmandu. Die Gynäkologin Gunay Bilir vom St.-Josef-Krankenhaus hat während eines ehrenamtlichen Aufenthaltes in Kathmandu Frauen behandelt, die unter Beckenbodensenkungen leiden - ein häufiges Krankheitsbild in dem Land am Himalaya. Von Hedi Meinecke

Ihre soziale Gesinnung steht außer Zweifel. "Immer schon hatte ich ein Herz für die Nöte und Sorgen meiner Mitmenschen", sagt Günay Bilir. Eine Haltung, die auch ihre Berufswahl beeinflusste. Die 43-Jährige mit türkischen Wurzeln studierte Medizin - und stellte die Frauenheilkunde in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und wurde Gynäkologin.

Heute ist Günay Bilir leitende Oberärztin im Krankenhaus St. Josef. Spezialisiert hat sich die Medizinerin mit ihrem Team auf "Plastische Beckenboden-Operationen" bei Frauen. "Funktionsstörungen und Beschwerden in diesem Bereich treten immer häufiger auf -und bedeuten für die Betroffenen eine starke Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität", so die Medizinerin. Sie erläutert das breite therapeutische Spektrum des Spezialgebietes, erklärt die verschiedenen Verfahrenstechniken - und spricht von einer modern-minimalinvasiven Chirurgie (kleinste Verletzung).

"Die Frauen sind nach dieser Methode wieder schnell auf den Beinen und haben weniger Schmerzen nach dem Eingriff." Zudem hätten die kleinen Hautschnitte nach dieser Technik einen schönen kosmetischen Effekt. "Es entstehen keine oder nur ganz minimale Körpernarben." Die Moerser Ärztin gilt als anerkannte Spezialistin auf diesem Gebiet und wurde bereits mehrere Male ausgezeichnet. Das Krankenhaus St. Josef erhielt als Anerkennung die Zertifizierung für das Verfahren.

Eine weitere besondere Auszeichnung aber verdient Günay Bilir für ihren ehrenamtlichen Einsatz in Nepal. Auf Vermittlung von Interplast - ein gemeinnütziger Verein für plastische Chirurgie in der Dritten Welt - unternahm sie zusammen mit einem vierköpfigen Ärzteteam und einer Psychotherapeutin eine mehrwöchige Reise nach Nepal, um die Menschen dort medizinisch zu betreuen und den dortigen Kollegen in ihr Spezialgebiet einzuweisen.

"Unser Ziel war es gleichzeitig, mit dem Projekt auch das staatliche Gesundheitswesen der nepalesischen Regierung zu unterstützen", so die Moerser Medizinerin.

Im Sushma Koirala Memorial Hospital in der Nähe von Kathmandu nahm das Team die Arbeit auf. Mit im Gepäck die erforderlichen medizinischen Geräte und Arzneien, die St. Josef großzügig mit auf die Reise schickte. "In Nepal ist jede vierte Frau unter 40 Jahren von Genitalvorfällen betroffen" so die Ärztin. "Die Menschen hier in dem unterentwickelten Land am Fuße des Himalaya gehören zu den Ärmsten der Armen, die sich ansonsten keine medizinische Versorgung leisten können."

Gerade die Frauen seien durch die harte körperliche Arbeit in der Landwirtschaft und durch Traglasten von Beckenbodensenkungen betroffen. "Täglich standen mindestens fünf Operationen auf dem Programm", berichtet Bilir. Zudem wurden täglich zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, Informationsveranstaltungen zur Aufklärung eingebaut - und Ärzte und Pflegekräfte vor Ort in die Verfahren eingeführt.

"Es entstand ein Netzwerk von Hilfen, gepaart mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit", so die Medizinerin. "Trotz der großen Armut, ich habe nur dankbare und glückliche Menschen erlebt."

Quelle: RP
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