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Moers
Moerser entdecken Herz für Haldenmolche

Moers: Moerser entdecken Herz für Haldenmolche
Rolf-Ingo Reiß inspiziert ein "Molchhotel" auf der Halde. FOTO: Stock
Moers. Als erste Moerser Partei hat sich gestern die CDU eindeutig gegen die Wiedereröffnung der Halde Lohmannsheide positioniert. Von Jürgen Stock

Im Molchhotel sind noch Zimmer frei. Genau genommen sind alle Zimmer frei. "Bei feuchtem Wetter sitzen sie alle in diesen Löchern hier", sagt Rolf-Ingo Reiß und legt den Hohllochziegel etwas frustriert zurück auf den knochentrockenen Boden. Als wir im Januar hier oben auf der Halde Lohmannsheide waren, stand das Wasser noch einen Meter tief in der Senke. "Wenn es regnet, kommen sie aber wieder aus den Erdhöhlen, in denen sie sich während der Trockenheit verkriechen."

Rolf Ingo-Reiß gehörte bisher zu den wenigen, die sich aktiv für den Erhalt des Biotops und die Heimat von geschützten Tierarten wie Kammmolch, Kreuzkröte und Zauneidechse eingesetzt haben. Pläne des Haldenbetreibers DAH1 bedrohen das Paradies. Das Unternehmen will die Halde Lohmannsheide, die seit den 90er Jahren nicht mehr benutzt wird, als Deponie für gering belastete Abfälle der Gefahrenklasse DK1 nutzen. Täglich 80 bis 100 Lastwagen würden dann meist über Moerser Straßen zu der auf Duisburger Gebiet liegenden Bauschuttdeponie fahren. Bislang haben Moerser und Duisburger Politiker sich mit Stellungnahmen zu dem Projekt zurückgehalten. Zum einen fehlten vielen nötige Informationen, zum anderen hätten die Räte beider Städte keine Handhabe, die Wiederaufnahme der Deponie zu verhindern. Nun aber zeigen Moerser und Duisburger Christdemokraten klare Kante.

So stellt der Moerser Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl fest: "Die CDU Moers und auch die Parteifreunde aus Baerl standen von Anfang an einer Neueinrichtung einer Deponie Klasse 1 auf der Halde Lohmannsheide äußerst skeptisch bis ablehnend gegenüber. Ich war in der letzten Woche sehr erfreut, vom Duisburger Fraktionsvorsitzenden Rainer Enzweiler in unserem Jahresgespräch zu hören, dass diese ablehnende Haltung auch von der Duisburger CDU-Stadtratsfraktion geteilt wird." Das unterstreicht Enzweiler: "Die Halde Lohmannsheide mit neun Millionen Tonnen Material aufzufüllen, wäre den Bürgern gegenüber grob fahrlässig. Das Risiko, die Gesundheit der Menschen durch verunreinigtes Grundwasser zu gefährden, ist einfach zu hoch. Auch die verkehrliche Anbindung ist aus unserer Sicht mehr als kritisch."

FOTO: Hertgen Nico

Brohl erinnert in dem Zusammenhang auch daran, dass die Halde nicht endgültig nach 1990 abgeschlossen wurde, um für die Bergwerke des linken Niederrheins als Pufferhalde zu dienen: "Wenn es den Bergbau am linken Niederrhein nicht mehr gibt, braucht Moers auch diese Belastungen nicht mehr zu akzeptieren. Wir fordern, die Halde abzuschließen, anstatt dass die Planungen von der RAG und der Abfallgesellschaft Ruhrgebiet weiterbetrieben werden, um dann vorwiegend Stoffe aus dem Ruhrgebiet dort zu verschütten."

Auch Moerser und Duisburger Sozialdemokraten haben sich über das Thema unterhalten. Allerdings will man dort eine endgültige Festlegung derzeit noch vermeiden: "Wir sind wegen der Belastung für die Anwohner nicht begeistert", sagt Fraktionsvorsitzender Mark Rosendahl (Moers). Jetzt müssen wir abwarten, was von der RAG kommt."

Die Reaktion der DAH1 fällt kurz und knapp aus: "Die DAH1 GmbH hält an ihrem Plan zur Errichtung einer Deponie auf der Halde Lohmannsheide fest. Die für die Region dringend notwendige und sichere Entsorgung mineralischer Abfälle der Deponieklasse I, wie zum Beispiel Böden und Bauschutt, wird hier kombiniert mit der sinnvollen Weiternutzung vorhandener und entsprechend vorgenutzter industrieller Flächen. Alle Informationen zum Vorhaben sind unter www.dah1.de abrufbar." Das Unternehmen verweist darauf, dass man Molche, Eidechsen und Kröten selbstverständlich umsiedeln werde. Rolf-Ingo Reiß zweifelt daran, dass das gelingt. "Der Lebensraum für Molche wird bei uns immer kleiner, deshalb müssen wir ihn erhalten." Dennoch macht er sich keine Sorgen, dass die Gäste in seinem Hotel einmal ausbleiben könnten: "Diese Halde wird nicht kommen."

Quelle: RP
 
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