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Moers
Moerser Tafel stößt an ihre Grenzen

Moers: Moerser Tafel stößt an ihre Grenzen
An der Klever Straße warten viele Menschen auf die Essensausgabe der Moerser Tafel. In den letzten Wochen waren die Lebensmittel oft knapp, manche Menschen mussten ohne nach Hause geschickt werden. FOTO: Klaus Dieker
Moers. 350 Menschen, die an einem Tag zur Essensausgabe der Moerser Tafel an der Klever Straße kommen. Das ist ein neuer Rekord. Die steigende Besucherzahl durch Flüchtlinge stellt die Tafel vor eine große Herausforderung. Von Tanja Karrasch

Auf der Zufahrt zur Moerser Tafel an der Klever Straße haben sich viele Menschen versammelt. Ältere Menschen mit Rollatoren, Kinder, Paare. Es ist kalt, die Lebensmittelausgabe hat noch nicht begonnen. Niemand möchte seinen Aufruf verpassen. Sie haben leere Tüten und Einkaufstrolleys mitgebracht. "Heute soll es nicht so viel geben", sagen manche. Eine ältere Frau kommt auf einem Fahrrad angefahren. "Guten Morgen", ruft sie fröhlich in die Runde, während sie das Rad am Zaun anlehnt. Viele Tafelbesucher kennen sich. Doch in den letzten Wochen sind auch immer mehr Flüchtlinge dazu gekommen.

So viele, dass Tafelgründer Horst Günter Schürings besorgt ist: "Wir können das so bald nicht mehr schaffen", sagt er. In den letzten Tagen ist das eingetroffen, was Schürings unbedingt vermeiden wollte: "Wir mussten Menschen ohne Essen nach Hause schicken." Der 72-Jährige hat die Tafel 1999 gegründet und ist auch heute noch selbst aktiv.

Die Menge der Ware, die die Tafel täglich bekommt, wechselt. Das erschwert die Arbeit der über 100 ehrenamtlichen Helfer der Tafel, die wöchentlich rund 2000 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgen, nicht nur an der Klever Straße. Sie beliefern auch Obdachlosenheime, Frauenhäuser und bettlägerige Menschen.

Die Haustür geht auf: "Nummer 51, 52, 53, 54, 55", ruft jemand. Die Tafelbesucher mit den entsprechenden Nummern stellen sich an. Eine arbeitslose Moerserin steht vorne in der Reihe: Sie kommt noch nicht lange zur Tafel, erst vor Kurzem hat sie ihren Job verloren. Die mitgebrachte Stofftasche gibt sie an der Obst- und Gemüseausgabe ab. Mit dem Einkaufstrolley geht es zum Lebensmittelfenster, wo Backwaren, Milchprodukte und Saft ausgeteilt werden. "Guten Morgen! Möchten Sie noch einen Möhrensalat?", fragt die ehrenamtliche Helferin freundlich. Einige Minuten später verlässt die Frau das Haus. Zehn Brötchen, einen Salatkopf, drei Äpfel, zwei Peperonis, Kartoffelsalat, Joghurt, Blumenkohl, drei Paprika und Ananassaft befinden sich in den vollen Taschen. Einen Euro zahlen alle Tafelbesucher pauschal.

Im November kamen freitags bis zu 350 Besucher zur Lebensmittelausgabe an der Klever Straße. Ein Rekord in 16 Jahren Moerser Tafel. 120 bis 140 Menschen an einem Tag seien gut machbar, jetzt sind es fast drei mal so viele. "An dem Tag konnten wir alle versorgen, weil wir ein neues Unternehmen gefunden haben, das uns Obst und Gemüse geliefert hat." Besonders mittwochs sei die Ware jedoch oft knapp. "Wir können nur verteilen, was wir von den Geschäften aus der Region bekommen. Mal ist es mehr, mal weniger", sagt Schürings. Auch die Räume der Tafel an der Klever Straße seien zu klein: "Das Frühstück, das wir montags, dienstags und mittwochs anbieten, war eigentlich mal für zehn bis 15 Personen geplant. Mittlerweile müssen wir das in mehreren Schichten anbieten, weil oft über 60 Leute kommen."

Um Lebensmittel von der Tafel zu beziehen, brauchen die Besucher einen Moers-Pass. Diesen stellt die Stadt Moers aus, er bietet Menschen mit einem geringen monatlichen Einkommen Vergünstigungen. Auch Flüchtlinge erhalten den Pass.

Quelle: RP
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