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Duisburg
Moerser Unternehmen säubert Schiffsabgase

Duisburg: Moerser Unternehmen säubert Schiffsabgase
Das Laborschiff liegt im Eisenbahnhafen Homberg (oben). Projektleiter Andreas Brandt mit der neuen Abgasanlage (unten). FOTO: ast
Duisburg. Die moderne Abgasreinigungsanlage reduziert die Emission des Binnenschiffs. Das Projekt soll ein Wegweiser für andere Schiffe sein. Von Tanja Karrasch

Die Schadstoffmengen, die im Rhein durch Binnenschiffe freigesetzt werden, lassen sich mit denen an starkbefahrenen Abschnitten der Autobahn 3 vergleichen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat sich deshalb dazu entschlossen, das eigene Laborschiff Max Prüss, das im Eisenbahnhafen Homberg liegt, mit einer modernen Abgasreinigungsanlage nachzurüsten.

Vor drei Jahren wurde das System der Moerser Firma Tehag erstmals an dem Fahrgastschiff Jan von Werth der KD-Rheinschifffahrt getestet und hat sich seitdem als sehr effektiv bewiesen: Über 90 Prozent der Feinstaubpartikel und 70 Prozent der Stickstoffoxide werden aus den Abgasen von Binnenschiffen gefiltert.

Seit Montag wird nun im Motorenraum der Max Prüss an der Umrüstung gearbeitet, bis Freitag soll alles fertig sein. Zwei Antriebsmotoren aus dem Baujahr 1999 werden mit dem neuen System versehen. Dafür wurden die alten Aggregate aus Rohren und Schalldämpfern entfernt.

FOTO: Stoffel, Arnulf (ast)

Am Abgasrohr ist jetzt eine neue Abgasleitung angebracht. Ein Partikelfilter filtert Ruß, Kohlenwasserstoff und Kohlenmonoxid bis zur Nachweisgrenze heraus. "Was da rauskommt, ist eigentlich schon weitestgehend sauber", erklärt Florian Franken von Tehag. Um auch die Stickstoffoxide zu filtern, wird zunächst Harnstoff eingedüst, aus einem speziellen Katalysator kommt abschließend Stickstoff raus. "Ein Bestandteil unserer Luft, das können Sie praktisch wegatmen", erklärt Projektleiter Dr. Andreas Brandt (Lanuv).

Am Verbrauch des Schiffes ändert sich durch die Abgasreinigungsanlage nichts. Geringe Mehrkosten entstehen allerdings durch die Harnstoff-Zufuhr. Vier bis sechs Prozent des Kraftstoffverbrauchs wird davon benötigt.

Etwa 30.000 bis 60.000 Euro kostet die Umrüstung eines durchschnittlichen Binnenschiffes, das ist ein Drittel der Kosten, die für einen neuen Motor anfallen. "Und die sind in der Abgasqualität bei weitem noch nicht so gut, wie dieses System", so Franken. Die Umrüstung lohnt sich also, zumal Schiffsmotoren eine sehr lange Lebenszeit von bis zu 50 Jahren haben. Etwa die Hälfte der Zusatzkosten kann durch die Bundesverkehrsbehörde subventioniert werden, jeder Binnenschiffer kann die Fördermittel einfordern.

Dennoch fehlt bisher der wirtschaftliche Anreiz, damit Schiffer nicht das Gefühl haben, mit der Investition lediglich das grüne Gewissen und den Geldbeutel zu erleichtern.

Das Lanuv und die Firma Tehag sehen dafür verschiedene Ansatzpunkte: Eine Reglementierung der Abgaswerte durch die Politik wäre ein Weg. Die Max Prüss soll als "Leuchtfeuer für die Politik dienen und sagen: Seht her, es ist technisch möglich", so Lanuv-Pressesprecherin Birgit Kaiser de Garcia. Franken verweist auf die Niederlande, wo die Hafenliegegebühren häufig an die Emissionswerte gekoppelt sind: "Das halte ich für eine praktikable Lösung." Auch umweltbewusste Firmen können Druck auf die Schiffer ausüben, sagt Brandt: "Indem sie Wert auf einen grünen Transport legen."

Auf der Max Prüss stehen nach der Fertigstellung noch Funktionsmessungen an. Dann kann das Laborschiff wieder ablegen - und zwar so sauber wie nie zuvor.

Ein Beitrag über das Laborschiff ist am Donnerstagabend auch ab 19.30 Uhr in der WDR-Lokalzeit zu sehen.

Quelle: RP
 
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