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Moers/Kamp-Lintfort
Moerser vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

Moers/Kamp-Lintfort. Bei einer Telefonüberwachung in anderer Sache hörten Ermittler zufällig, wie eine Frau aus Kamp-Lintfort einen Mord in Auftrag gab. Damit wollte sie sich für die schlechte Behandlung an ihrem Ex rächen. Von "weghauen", "Arme brechen" und "umbringen" war die Rede. Um ein Verbrechen zu verhindern, suchten die Beamten die Frau auf und vernahmen sie zunächst als Beschuldigte. Als die 22-Jährige sagte, warum sie so wütend auf ihren Ex war, kamen weitere Ermittlungen ins Rollen. Der Mann sollte sie nämlich in seiner Wohnung in Moers mehrfach brutal vergewaltigt haben. Vor dem Moerser Schöffengericht gab der Angeklagte gestern an, er habe es als einvernehmlichen Sex empfunden. Allerdings, so räume er ein, hätten beide zuvor gemeinsam Amphetamine konsumiert. Da gehe es schon mal "etwas härter" zu.

Die Frau wiederholte die Vorwürfe vor Gericht. Der Mann habe sie vergewaltigt, sie gewürgt, ihr den Arm verdreht und den Mund zugehalten. In einem Attest wurden Würgemale und weitere Verletzungen bestätigt. Weil sie ihn liebe, sei sie immer wieder zu ihm gegangen. Auch jetzt bestehe die Beziehung wieder. Sie habe keinesfalls gewollt, dass er bestraft wird. Darum habe sie keine Anzeige erstattet. Das Telefonat mit ihrem Bekannten, in dem sie den vermeintlichen Auftrag ihn zu töten oder zu verletzen gab, habe sie unter Alkoholeinfluss geführt. "Ich wusste eh, dass das nicht Realität wird", sagte sie.

Der Verteidiger des Moersers sprach von einer ambivalenten Beziehung. In der Vergangenheit habe es schon mehrere gegenseitige Anzeigen wegen Körperverletzungen, Bedrohungen und Angriffen mit dem Messer gegeben. Unterschiedliche sexuelle Vorlieben sprächen nicht dafür, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte. Auch das Gericht konnte nicht feststellen, dass der Angeklagte sich durch Gewalt sexuelle Handlungen erzwingen wollte. Es sei durchaus möglich, dass er unter Drogeneinfluss nicht bemerkte, dass es sich tatsächlich um ernst gemeinte Gegenwehr handelte. Er wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen.

(BL)
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