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Moers
Museum: Fluchtwege vom Niederrhein

Moers: Museum: Fluchtwege vom Niederrhein
Flucht im Widerstand: Bergmann Max Langusch kämpfte in den Niederlanden gegen den Naziterror. Das Foto stammt aus der Gestapo-Akte. Seine Biografie ist Teil der Ausstellung "Flucht vom Niederrhein. 1933 - 1945", die der Verein "Neue Geschichte im Alten Landratsamt" konzipiert. FOTO: Landesarchiv NRW, Abtlg. Rheinland
Moers. Grafschafter Museum und der Verein "Neue Geschichte im Alten Landratsamt" beteiligen sich mit Ausstellungen und Aktionen am aktuellen Themenjahr des Museumsnetzwerks im Kulturraum Niederrhein. Es lautet "Unterwegs". Von Anja Katzke

Der Moerser Bergmann Max Langusch floh im Mai 1935 ins niederländische Amsterdam. In Asberg war er für die KPD und im Einheitsverband der Bergarbeiter Deutschlands aktiv. Auch von den Niederlanden aus versuchte er, gegen das Nazi-Regime zu kämpfen - bis das Nachbarland durch die Wehrmacht besetzt wurde. 1940 wurde er der Gestapo übergeben. Es ist nur eine Biografie, die im Rahmen der Ausstellung "Flucht vom Niederrhein. 1933 bis 1945" im Herbst 2017 im Grafschafter Museum im Moerser Schloss vorgestellt wird. Konzipiert wird sie vom Verein "Neue Geschichte im Alten Landratsamt". "Unterwegs am Rhein und Maas" ist der Titel des neuen Themenjahres im kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk im Kulturraum Niederrhein. Ab dem 5. März präsentieren 40 Ausstellungshäuser am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden ein vielfältiges Programm. Die Museen beschäftigen sich mit den Formen und Ursachen des Unterwegsseins. Das Spektrum reicht von der Geschichte des Reisens bis hin zu den Flucht- und Migrationsbewegungen in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Moerser Beiträge zum Themenjahr stehen allesamt unter dem Oberbegriff "Fluchtwege". Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museum, gab im Kulturausschuss eine Vorschau aufs Programm. Die Ausstellung des Vereins "Neue Geschichte im Alten Landratsamt" befasst sich mit einem bewegenden Teil deutscher Geschichte. Sie erzählt von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, da zwischen 1933 und 1945 der Terror herrschte. Vorgestellt werden beispielsweise die Biografien von Edith Franken, die mit ihrem Mann Bruno Cohen 1936 vor dem Naziterror nach Brasilien geflohen war. Und die der Witwe Hedwig Goldstein, die ihrer Tochter Selma nach England folgte. Ihr Sohn Max war nach Südamerika geflüchtet. Die Ausstellung soll am 26. November im Grafschafter Museum eröffnet werden.

Unterwegs sind die Menschen am Niederrhein schon seit Tausenden von Jahren. Das Grafschafter Museum zeigt ab dem 7. Mai die Wanderbewegungen der Menschen am Niederrhein von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart auf. Erzählt wird von den Germanen, Römern und Franken, die kamen, gingen oder blieben. Während es in der Frühen Neuzeit vor allem die Religion war, die Menschen an den Niederrhein brachte. So ließen sich Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden und Frankreich in den protestantischen Gebieten nieder.

Die Ausstellung "Völker. Wanderung. Menschen unterwegs" wird aber auch über wirtschaftlich motivierte Wanderbewegungen berichten. So lockte der Bergbau viele Menschen auf der Suche nach Arbeit an den Niederrhein und sorgte in den Städten für einen rasanten Anstieg der Bevölkerung. Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein organisiert zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen. "Unter Tage waren wir alle gleich - und jetzt?" ist die Veranstaltung überschrieben, die am 1. Mai, 15.30 Uhr, im Industriedenkmal Schacht IV in Moers stattfinden wird.

Hintergrund: Mit dem Abteufen der Schächte Rheinpreußen IV und V um 1904/05 begann für Moers ein neues Zeitalter. Menschen kamen von überall an der Niederrhein, um im Bergbau zu arbeiten. Auf der Podiumsdiskussion schildern Bergleute unterschiedlicher Herkunft ihre eigene Migrations- und Integrationsgeschichte. Parallel zur Ausstellung "Völker. Wanderung. Menschen unterwegs" wird im Museum auch die Ausstellung "Geflüchtet 2015 FF" gezeigt, die im Rahmen eines Kunstprojektes an der VHS entstanden war. Sie beleuchtet Einzelschicksale Im Frühjahr 2016 begaben sich acht Menschen aus Syrien, dem Iran, aus Mazedonien und Eritrea auf Streifzüge an den Rhein. Dort sammelten sie Treibgut und Fundstücke, um ihre Geschichte zu erzählen. So entstand unter Anleitung von Andreas Baschek und Heike Wrede die Installation "Fluchtläufer". Sie soll im Rahmen der Sonderausstellung durch Foto- und Filmmaterial sowie Interviews ergänzt werden.

Informationen zu den Ausstellungen in Moers sowie an Rhein und Maas auf www.grafschafter-museum.de, www.vhs-moers.de, www.alra-moers.de und www.kulturraum-niederrhein.de.

Quelle: RP
 
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