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Moers
Museumsreif!

Moers. Sechs Jahre stand das Alte Landratsamt leer. Jetzt beginnt der seit langem geplante Umbau des geschichtsträchtigen Gebäudes am Kastellplatz zum Museum, das Moerser Demokratiegeschichte erzählen wird. Von Anja Katzke

Spätestens Ende 2018 sollen die Bauarbeiten beendet sein. Dann wird das Alte Landratsamt als neues Museum in Moers die wechselvolle Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts erzählen. Die Stadtverwaltung stellte gestern ihre Umbauplanungen für das prestigeträchtige Projekt vor. Die Baukosten belaufen sich auf 4,1 Millionen Euro. Gefördert wird das Vorhaben durch Städtebaufördermitteln in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro.

Das von 1898 bis 1900 erbaute Gebäude wird in den kommenden Jahren vom Keller bis ins Dachgeschoss hinauf umfassend saniert. Es entstehen unter anderem barrierefreie Zugänge mit Rollrampen, Aufzüge werden eingebaut und neue Fluchtwege erschlossen. Eine so genannte Wasserhochdrucknebellöschanlage wird zum Brandschutz im gesamten Gebäude eingebaut.

Ein Bestandteil des Nutzungskonzepts sieht auch die Einrichtung einer Gastronomie mit Landratsgarten vor. Sie soll das Haus an die Stadt und das Schloss anbinden. Ein Partner für das Vorhaben ist gefunden: Die Bitburger Gruppe wird ab 2018 mit dem "Wirtshaus am Schloss", so lautet der Arbeitstitel, den Bereich beleben. Die Gaststätte wird innen über 150 Sitzplätze verfügen. Im Landratsgarten, einem Biergarten im Freien, kommen weitere 40 Plätze hinzu. "Im Wirtshaus wird es einen Dampfmichel geben, einen runden Tisch, an dem Gäste selbst Bier zapfen können", berichtete Roland Rösch, Geschäftsführer der Wohnungsbau Stadt Moers.

Das denkmalgeschützte Gebäude wird in Zukunft jedoch nicht ausschließlich Museum und Wirtshaus beherbergen. Es ist eine kombinierte Nutzung vorgesehen: Der Dauerausstellungsbereich befindet sich im Erdgeschoss. Im Fokus der Ausstellung stehen Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Die Ausstellung wird sich auch mit dem jüdischen Leben als Teil der Moerser Gesellschaft befassen. Dem Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, der durch das Moerser Milieu 30er und 40er Jahre geprägt wurde, widmen die Organisatoren ebenfalls einen Teil der geplanten Ausstellung. Die Grundlage für die Dauerausstellung bilden drei Sammlungen: Jüdisches Leben in Moers, Moers zur NS-Zeit und Hanns Dieter Hüsch. Sie wurden von den Moerser Vereinen "Erinnern für die Zukunft", Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Hanns-Dieter-Hüsch-Freundeskreis zusammengetragen. Unter dem Dach des Landratsamts wird auf 145 Quadratmetern ein Studierbereich mit Klassenzimmern und Büros eingerichtet, in dem Schüler, Studenten und Interessierte forschen können.

Auch die Volkshochschule Moers-Kamp-Lintfort wird mit einem Teilstandort in den linken Gebäudeteil des Landratsamts zurückkehren. Dort hatte sie bereits bis 2010 residiert. Der große Saal, in dem bis 1975 der Kreistag tagte, soll als Ständehaussaal erhalten bleiben und als Veranstaltungssaal für unterschiedliche Nutzungen dienen. Der Denkmalschutz spielt nicht nur bei der Bausubstanz eine gewichtige Rolle. Auch im Innern sind Räume denkmalgeschützt - zum Beispiel das Kaminzimmer mit den historischen stoffbespannten Wänden.

Sieben Moerser Vereine unterstützten das Projekt und wollen das Alte Landratsamt mit Leben füllen. Sie haben sich zum Verein "Neue Geschichte im Alten Landratsamt" zusammengeschlossen. Vorsitzender ist Bürgermeister Christoph Fleischhauer. In wenigen Tagen will der Verein mit einer eigenen Homepage online gehen. Derweil bringt die Wohnungsbau Stadt Moers die notwendigen Ausschreibungen auf den Weg. Die Baumaßnahme beginnt mit Erdarbeiten.

Quelle: RP
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