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Moers
Musik-Ereignis: Die "Traumzeit" hat ihr Konzept verfeinert

Traumzeit-Festival 2017: So schön war das Festival in Duisburg
Traumzeit-Festival 2017: So schön war das Festival in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Die Besucher waren begeistert, doch die Veranstaltung stieß an ihre Grenzen: Am Samstag war es so voll, dass niemand mehr rein kam. Von Jonas Schlömer

Bestes Wetter mit angenehmen Temnperaturen, Musik und 1000 verkaufte Festivalpässe schon bevor der erste Ton durch die Industriekulisse klang_ Das "neue", alte Traumzeitfestival im Landschaftspark Nord öffnete von Freitag bis Sonntag die Pforten und die vier Bühnen - und die Ohren der Besucher, mit viel Musik von aufstrebenden Künstlern.

Die Sänger des Knappenchors Homberg freuten sich sichtlich über die Gelegenheit, das Festival am Freitag ein weiteres Mal zu eröffnen. Spätestens bei der letzten Strophe des Steigerlieds schwang dann aber eine gehörige Portion Wehmut in den sonoren Stimmen des Herrenchors, markierte das Konzert in der Gebläsehalle doch das letzte in der Geschichte des traditionsreichen Chors. Für Trauer blieb aber weder den Sänger noch den Gästen viel Zeit, denn das Festivalbüro hatte auch in diesem Jahr das "Drumherum" ordentlich aufgestockt. Noch mehr Imbissstände, viele davon der Marke "jung und vegan" zugehörig, sorgfältig so arrangiert, dass das Gefühl eines kleinen Dorfs aufkam.

Die überwiegend jungen Besucher kamen aber nicht nur kulinarisch auf ihre Kosten, zusammen mit den gestandenen Traumzeit-Veteranen konnten die Musikfans auch einige Highlights aus der Welt des Rock/Pop verköstigen - garniert mit einigen Genre-Ausreißern, die sanfte Erinnerungen an die alte Traumzeit weckten.

Am Freitag beeindruckte Jesper Munk mit bluesigem Songwriting und einer Spitzenband, "The Slow Show" lullte die Zuhörer in der Gießhalle mit gefälligem Atmo-Pop ein und Alice Merton bewies, dass ihr musikalischer Horizont weit über den Radiohit "No Roots" hinausreicht - und das vor allem mit sehr liebevollen Melodien und dem durchaus exzessiven, aber stets geschmackvollen Einsatz von Orgelsounds.

Am Festival-Samstag wurde schon am frühen Abend, bei "Von wegen Lisbeth" nämlich, fleißig getanzt, eine Qualität, die nicht bei vielen deutschsprachigen Liedermacherbands zu finden ist. Die "Hollow Coves" verbreiteten dann in der Gebläsehalle echtes Strandfeeling. TraumzeitFestivakl-Besucher Christian Blinkert erklärte zum Beispiel ganz tiefenentspannt: "Die haben mich mit in den Urlaub genommen".

Ein wenig monoton, dafür aber hypnotisch und meditativ, spielte "Mammal Hands" ihre Ostinato-Runden mit Klavier, Saxophon und Schlagzeug in einem modernen Gewand. Headliner Tom Odell sorgte später auf der Cowperbühne für die ersten hyperventilierenden Teenager. Leider hatte der Traumzeit-Samstag mit einem Problem zu kämpfen, dass das "neue" Traumzeitfestival bis jetzt stets umgangen hatte. Mehrfach konnte den Besuchern kein Eintritt mehr in die Giesshalle gewährt werden, weil diese schon voll besetzt war. Das war, aus Sicherheitsgründen, natürlich die richtige Entscheidung, trotzdem drehten viele zahlende Gäste enttäuscht ab. Auch die vielen Ticketsuchenden am Samstag zeugten davon, dass das neue Konzept des Traumzeitfestivals in Industriekulisse langsam an die Grenzen seiner Kapazität stößt.

Der Festival-Sonntag, seit jeher der entspannteste Tag, wurde auf der Local-Stage von der großartigen MKS Big Band eröffnet. Mit hervorragenden Jazzarrangements wie der Big-Band-Version von Chick Coreas "Spain" oder bekannten Pop/Rock-Songs ("Against All Odds", "Come Together") heizte die Band das Publikum schon am Nachmittag für den Rest des letzten Festivaltages so richtig auf.

Quelle: RP
 
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