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Moers
Musikhaus geht: Sorgen um das Wallzentrum

Moers: Musikhaus geht: Sorgen um das Wallzentrum
Manfred und Siegfried Kolassa vor zwei Jahren in ihrem Geschäft. FOTO: kdi (archiv)
Moers. Seit 42 Jahren betreiben Siegfried und Manfred Kolassa ihr Musikgeschäft. Nun bieten sie ihre Verkaufsräume zum Kauf an. Von Josef Pogorzalek

Das Wallzentrum gehört zu den "Sorgenkindern" der Innenstadt. Die Ladenmeile hat die besten Zeiten hinter sich. Der Charme der 70er Jahre ist abgeblättert, der Leerstand ist groß. Jetzt schickt sich das Musikhaus Kolassa an, das Wallzentrum zu verlassen. Das lässt aufhorchen, denn es ist eine Moerser Institution, einer der "Dinosaurier" im Wallzentrum und so etwas wie ein Ankermieter. Fünf Ladenlokale von Kolassa, insgesamt 180 Quadratmeter groß, bietet die Immobilienabteilung der Volksbank Niederrhein für insgesamt 157.000 Euro zum Kauf an. Das Interesse sei gering, sagte die Volksbank auf Nachfrage. Der Name Wallzentrum ziehe nicht mehr. "Es war einmal."

Siegfried und Manfred Kolassa wollen über ihre Zukunftspläne nichts verraten. Noch sei nichts spruchreif. Das Musikgeschäft gibt es seit 42 Jahren - also so lange das Wallzentrum steht. Anlässlich ihres "40-Jährigen" sagten Siegfried und Manfred Kolassa vor zwei Jahren, es hänge vom Kaufverhalten der Kunden ab, wie lange das Musikhaus noch existiert. Wie viele andere Branchen, leidet auch der Musikalienhandel unter der Konkurrenz der Internet-Anbieter. Ob die Kolassas weitermachen, bis ihre Räume verkauft sind, ist unklar. Weitere Leerstände würden dem kränkelnden Wallzentrum sicherlich weiter schaden. Das sieht auch Wilhelm Bommann so, der Geschäftsführer des Handelsverbands Niederrhein. Das Gebäude habe einige Nachteile, sagt er. Aufgrund statischer Gegebenheiten seien Ladenlokale verwinkelt und durch Pfeiler verbaut, und die Eingangssituation sei trotz früherer Verbesserungen immer noch unbefriedigend. "Der Eingang Richtung Kirchstraße ist nach wie vor nur Insidern bekannt."

"Der hintere Bereich war immer ein Stiefkind", meint dazu Jörg Großmann vom City-Reisebüro. Seit 35 Jahren kennt er das Wallzentrum. "Früher gab es hier Geschäfte wie Metzger und Bäcker. Da gingen die Leute ganz normal shoppen." Heute fehle die Laufkundschaft. "Es gibt vor allem Dienstleister, die von den Kunden gezielt aufgesucht werden." Kirsten Schade, in der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Moers für das Quartier Wallzentrum zuständig, bestätigt: "Wir wandeln uns immer mehr zum Dienstleistungszentrum. Hier gibt es viele Büros." Sie sieht den Vorteil des Wallzentrums in seiner Barrierefreiheit. "Wir müssen das nach außen besser kommunizieren."

Versuche, das Wallzentrum attraktiver zu machen, gab es immer wieder. Der Drogeriemarkt Schlecker habe einst überlegt, die Geschäftsräume zum Neuen Wall zu öffnen, sagt Bommann. Solche Pläne umzusetzen, ist nicht zuletzt aufgrund der Eigentumsverhältnisse schwierig: Läden und Wohnungen im Wallzentrum gehören weit über 100 Eigentümern. Auch die Kolassa-Brüder sollen eine Öffnung ihres Geschäfts zum Neuen Wall angestrebt haben. In der Eigentümerversammlung sei der Plan am Veto eines Eigentümers gescheitert.

Im Zusammenarbeit mit der Eigentümergemeinschaft hat die Stadt eine Untersuchung zum Wallzentrum in Auftrag gegeben. Die Kölner Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung ist der Frage nachgegangen, wie sich die Ladenlokale künftig vermieten lassen und wie das Wallzentrum an die Innenstadt eingebunden werden kann. Eine Auswertung der Studie erwartet die Stadt für März 2018.

Quelle: RP
 
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