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Unsere Woche
Mut zum Unpopulären wird nicht belohnt

Moers. Die Überlegungen, wie Kosten auf Friedhöfen eingespart werden könnten, sind in einen Vorschlag gemündet, den Utforter Friedhof zu schließen. Der dürfte nun om Tisch sein.

Friedhöfe sind mehr als nur ein Stück Land. Sie sind begrünte Erinnerungen. Deshalb reagieren Bürger besonders empfindlich, wenn die Anlagen nicht angemessen gepflegt erscheinen. Noch emotionaler aber wird die Angelegenheit, wenn Menschen klar gemacht werden soll, dass ihre Familien künftig nicht mehr in der gewohnten Umgebung zur letzten Ruhestätte gebettet werden sollen.

Im Wissen um diese Gefühlslage hatte Enni-Geschäftsführer Lutz Hormes wohl vor knapp einem Jahr ein Sanierungs- und Sparkonzept für die Moerser Friedhöfe vorgelegt. Die Schließung eines Friedhofs war in dem Diskussionspapier explizit ausgeschlossen worden, obwohl die Vorlage so gestaltet war, dass sich Gründe genug für diesen Schritt gefunden hätten. So unterhält Moers genau so viel Friedhöfe wie das mehr als doppelt so große Krefeld. Mehr als ein Drittel aller für Begräbnisse geeignete Flächen sind nicht belegt. Auf vielen Friedhöfen sind Trauerhallen und sanitäre Einrichtungen in einem beklagenswerten Zustand. Und mit der von Jahr zu Jahr sinkenden Einwohnerzahl wird auch die Zahl der Sterbefälle in Zukunft weiter abnehmen. Wenn zu den Unterhaltungskosten dann noch Sanierungsaufwendungen kämen, wären exponentielle Gebührensteigerungen unausweichlich. Deshalb war der, dem Vernehmen nach, aus dem Verwaltungsrat stammende Vorschlag richtig, zu überlegen, ob Moers langfristig nicht auf einen Friedhof verzichten kann.

Die Ankündigung, dass die Wahl möglicherweise auf Utfort fallen werde, hat dort indes die Wogen der Empörung hochschlagen lassen. Die Argumente gegen die Schließung sind nachvollziehbar:Bürger werden in (weiter) Zukunft längere Wege in Kauf nehmen müssen, wenn sie die Gräber ihre Angehörigen besuchen wollen. Aber dieses Argument gilt für jeden Stadtteilfriedhof, den man schließen will. Schließlich mutet man den Vinnern und Asbergern seit vielen Jahren auch längere Wege zu, seit der Friedhof in Vinn geschlossen wurde.

Trotzdem wird der Friedhof Utfort mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter bestehen. Wenn die CDU, wie angekündigt, nicht mitzieht, werden sich die anderen Fraktionen wohl kaum den Volkszorn zuziehen wollen, den eine Entscheidung gegen den Utforter Friedhof auslösen würde. "Eine Festivalhalle kann sich die Enni leisten, aber Geld für Omas Grab hat sie nicht." Solche Sprüche kann sich kein Politiker leisten.

Trotzdem muss gespart werden. Jetzt sind kreative Lösungen gefragt.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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