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Unsere Woche
Nachruf auf eine Bücherei

Moers. Wenn ich meine Heimatstadt im Bergischen Land besuche, freue ich mich jedes Mal, wenn ich an meiner alten Stadtteilbücherei vorbeikomme und sehe, dass sie immer noch existiert. Natürlich hat sie sich verändert. Früher gab es zum Beispiel Märchenplatten, heute gibt es DVDs, Hörbücher und so fort. Aber das Buch zum Blättern gibt's auch noch. Ein schönes Gefühl. Ich kann gut verstehen, dass viele Vluyner es bedauern, ihre gewohnte Bücherei zu verlieren. Der neue Standort in der Kulturhalle ist kleiner und hat seltener geöffnet, das wird die Akzeptanz nicht leichter machen. Und, seien wir realistisch: Würde nach zwei Jahren dieser Standort tatsächlich weiter geführt, dann wäre es eine echte Überraschung. Schon jetzt haben Verwaltung und Politik ihre Augen fest auf die Bücherei in Neukirchen gerichtet und sammeln Ideen, wie man die Einrichtung am Missionshof aufpeppen könnte. Auf die Dauer, das ist mehr als wahrscheinlich, wird sich Neukirchen-Vluyn nur noch eine Bibliothek leisten. Verwaltung und Politik haben ihre Gründe genannt, diese sind nachvollziehbar, von bösem Willen kann nicht die Rede sein. Und doch geht mit der "Bücherei um die Ecke" mehr verloren, als man meint. Wenn ich daran denke, was ich dieser kleinen Bibliothek meiner Kindheit verdanke, die kaum halb die Möglichkeiten der jetzigen Vluyner bot, dann würde mir das Verschwinden dieser Einrichtung einen gewaltigen Verlust bedeuten. Und als Bücherfreund finde ich manchmal seltsam, dass stets öffentliches Geld für neue, üppig ausgestattete Sportplätze oder -hallen da ist und zugleich jedes Geldstück für die Bibliotheken x-mal umgedreht wird. Aber das mag ein subjektiver Eindruck sein.

Genießen Sie trotz allem Ihr Wochenende - vielleicht mit einem guten Buch?

stefan.gilsbach@rheinische-post.de

Quelle: RP
 
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