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Moers
Neue Art des Kaiserschnitts: Das Baby schon im Bauch sehen

Moers: Neue Art des Kaiserschnitts: Das Baby schon im Bauch sehen
Sabine Büngeler mit ihrem sechs Woche alten Sohn Nils: Sie würde sich wieder für eine Kaisergeburt entscheiden, wenn es notwendig sein sollte. FOTO: Klaus Dieker
Moers. 30 Frauen haben sich im vergangenen halben Jahr im Bethanien-Krankenhaus in Moers für eine neue Art des Kaiserschnitts entschieden. Bereits während des Eingriffs können die Mütter ihr Neugeborenes sehen. Die neue "Kaisergeburt" ist also eine Mischung aus Geburt und Kaiserschnitt.  Von Jutta Langhoff

Sabine Büngeler wollte nicht traurig sein. Aber bei einer Voruntersuchung war festgestellt worden, dass ihr Baby eine Steißlage hatte - das bedeutet Kaiserschnitt. "Zehn Minuten Operation, und dann schreit ein Baby. Da weiß man doch gar nicht, ob man auch wirklich die Mutter ist", sagt sie. Der Gedanke, die Geburt des kleinen Nils nicht so richtig miterleben zu können, hatte sie traurig gemacht. Aus diesem Grund entschied sich die Narkoseärztin aus Rheinberg als eine von bisher 30 Frauen für eine Kaisergeburt, eine neue Form des Kaiserschnittes am Bethanien-Krankenhaus.

Knapp 32 Prozent aller im Jahr 2011 in deutschen Kliniken durchgeführten Entbindungen waren Kaiserschnitte. 20 Jahre vorher waren es nur die Hälfte. Inzwischen ist die Zahl noch weiter gestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig, weiß Dr. Peter Tönnies, Chefarzt der Frauenklinik im Moerser Bethanien-Krankenhaus: "Das hat zum Teil rechtliche Ursachen. Eine natürliche Geburt bei Beckenlage war früher normal. Das macht man heute nicht mehr. Dazu kommt, dass viele Frauen inzwischen selber darüber bestimmen möchten, auf welche Weise ihr Baby zur Welt kommen soll."

Zwillinge, Drillinge und Vierlinge im Mutterbauch FOTO: National Geographic

Ein weiterer von ihm genannter Grund sind außerdem die Fortschritte bei der Narkose. Während die Kaiserschnitte früher in der Regel bei Vollnarkose durchgeführt wurden, erhalten die betroffenen Frauen heute zu 95 Prozent eine lokale Betäubung. Der eigentliche Geburtseingriff blieb ihnen dabei dennoch meist durch ein vorgehängtes Tuch verborgen, so dass sie ihr Baby oft erst nach dem Ende der Operation zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, was wiederum die Ausschüttung für die Mutter-Kind-Bindung wichtiger Hormone verzögerte.

Im Moerser Bethanien-Krankenhaus geht man deswegen seit einem halben Jahr bei Kaiserschnittgeburten neue Wege. Hier können die angehenden Mütter ihr Neugeborenes schon sehr viel früher anschauen, nämlich noch während des Eingriffs, also wenn das Baby die Gebärmutter noch nicht ganz verlassen hat. "Natürlich lassen wir die Frauen nicht die ganze Zeit bei der Operation zugucken", erklärte Hebamme Ursula Kamp, den Vorgang genauer. "Am Anfang liegen sie noch ganz flach. Erst, wenn das Baby sichtbar wird, heben wir das Kopfteil der Liege ein wenig an. Dann holen wir das Kind ganz heraus und legen es - wie auch bei normalen Geburten üblich - der Mutter noch an der Nabelschnur auf den Oberkörper."

Das erste Jahr im Leben eines Frühchen FOTO: Benjamin Scot Miller/ youtube.com

"Wir nennen das 'Kaisergeburt', weil es eine Mischung aus Kaiserschnitt und normaler Geburt ist", ergänzte Tönnies. "Viele Schwangere fühlen sich durch einen Kaiserschnitt um ihr Geburtserlebnis betrogen. Die Kaisergeburt gleicht diesen Nachteil aus."

"Ja das stimmt", bestätigte Sabine Büngeler. Sie hält ihren nun sechs Wochen alten Sohn Nils auf dem Arm. So fand sie "das Ganze sehr viel entspannender" und würde sich auch bei einer weiteren Schwangerschaft wieder für diese Form des Kaiserschnitts entscheiden. "Vorausgesetzt, es ist notwendig", fügte sie hinzu.

Als Ärztin weiß sie, dass selbst ein einfacher Kaiserschnitt kein kleiner operativer Eingriff ist. Das sieht man im Bethanien-Krankenhaus auch so. Wer hier entbinden will, wird vorher immer erst ausgiebig beraten, und das nicht nur über die neue "Kaisergeburt".

Quelle: RP
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