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Serie "Die Gesundmacher"
Neue Niere schenkt neue Lebensqualität

Serie "Die Gesundmacher": Neue Niere schenkt neue Lebensqualität
"Ich bin froh, dass ich nicht mehr täglich zur Dialyse muss" - Stephan Eckstein (links) wurde von Dr. Wolfgang Groß, Chefarzt der Klinik für Nierenerkrankungen in Behanien, behandelt. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Stephan Eckstein wurde in lebensbedrohendem Zustand ins Krankenhaus Bethanien eingeliefert. Eine unerkannte Krankheit hatte seinen Blutdruck gefährlich ansteigen lassen. Eine intensive Dialysetherapie sowie eine neue Niere retteten ihm das Leben. Von Markus Plüm

MOERS 30 Dialyseplätze gibt es in der Klinik für Nierenerkrankungen des Bethanien-Krankenhauses. Die Betten für Patienten mit nicht mehr ausreichender Nierenfunktion sind so gut wie durchgehend belegt - Tag und Nacht. Denn ein Dialysepatient muss mindestens drei- bis viermal in der Woche für vier bis sechs Stunden im Bethanien erscheinen, um eine überlebenswichtige Blutwäsche durchführen zu lassen.

Für etwas mehr als ein Jahr war auch Stephan Eckstein Dialysepatient in Bethanien. Er kam als Notfall unter recht dramatischen Umständen: Sein Blutdruck war auf einen extrem hohen Wert von 250 angestiegen, was rasende Kopfschmerzen und starke Übelkeit zur Folge hatte. Dazu war Stephan Eckstein innerhalb von wenigen Tagen fast blind geworden. "Es ging alles ganz schnell", erinnert sich der 31-jährige Duisburger, der damals sofort auf der Intensivstation behandelt wurde.

In Bethanien fanden die Ärzte heraus, dass Stephan Eckstein an einer Immunkrankheit leidet, die über Jahre hinweg unbemerkt die Nieren geschädigt und deren Funktion immer mehr beeinträchtigt hatte. "Es bestand Lebensgefahr. Wir haben Herrn Eckstein damals sofort mehrmals dialysiert. Leider war die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten, so dass sich die Nierenfunktion nicht wieder herstellen ließ", sagt Chefarzt Dr. Wolfgang Groß von der Klinik für Nierenerkrankungen in Bethanien

Mehrere Wochen verbrachte Eckstein im Krankenhaus, aber glücklicherweise nur die ersten drei Tage auf der Intensivstation. Danach wurde er auf der nephrologischen Station von Dr. Groß behandelt. Insgesamt drei Monate dauerte es, um sein Sehvermögen wieder herzustellen. Zudem war bereits frühzeitig klar, dass er künftig regelmäßig zur Dialyse musste. "Das war natürlich ein Schock, weil ich dadurch im Grunde berufsunfähig war", sagt der 31-Jährige.

Die Zeit an der Dialysemaschine endete für Stephan Eckstein erst, als seine Mutter ihm vor fünf Jahren eine ihrer Nieren spendete. "Nach der Transplantation in der Uniklinik Essen habe ich ungefähr noch ein Jahr gebraucht, um wieder vollständig auf die Beine zu kommen. Aber ich konnte danach wieder arbeiten und habe eine Ausbildung zum Bürokaufmann absolviert."

"Die Transplantation stellt für unsere Patienten einen enormen Gewinn an Lebensqualität dar", sagt Dr. Groß. "Denn die Dialyse ist sehr zeitaufwändig und ist für viele Patienten auch eine Belastung, weil etliche Gewohnheiten, angefangen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, verändert werden müssen. Dialysepatienten dürfen nur sehr wenig trinken und bestimmte Sachen nicht essen."

Grundsätzlich werden alle Dialyse-Patienten auf die Möglichkeit einer Transplantation untersucht. Der Mangel an Spenderorganen ist aber ein großes Problem. "Heutzutage wird deswegen die Transplantation von Verwandtennieren verstärkt gefördert. Wenn Eltern oder Lebenspartner einem Familienangehörigen eine Niere spenden, entfällt die jahrelange Wartezeit auf ein Spenderorgan. Allerdings muss der Spender vollständig gesund sein - und zusätzlich beruht alles immer noch auf dem Prinzip der Freiwilligkeit."

Stephan Eckstein ist froh, wieder ein weitgehend normales Leben führen zu können. "Ich fühle mich gut und habe keine Einschränkungen."

Allerdings muss er ein Dutzend Pillen am Tag schlucken und er muss alle sechs Wochen zu Dr. Groß zur Kontrolluntersuchung. "Diese Nachsorge ist nötig, denn eine Abstoßungsgefahr für das transplantierte Organ besteht ein Leben lang. Zudem ist sind transplantierte Menschen anfälliger für normale Infekte, da die Medikamente das Immunsystem unterdrücken, um die Abstoßung des transplantierten Organs zu verhindern", sagt der Mediziner.

Doch auch damit kann Stephan Eckstein leben. "Ich bin einfach nur froh, dass ich mein Augenlicht nicht verloren habe und nicht mehr täglich zur Dialyse muss."

Quelle: RP
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